Wie dick doch Barbro war, und wie bissig, ganz rasend!

Die Versteigerung hat schon angefangen. Isak hört des Lensmanns Aufrufe und sieht viele Leute. Als er näher kommt, sieht er, daß er nicht alle kennt; es sind verschiedene Leute von auswärts da, aber Brede treibt sich in seinem besten Anzug umher und ist lebhaft und gesprächig: Guten Tag, Isak! So, du erweist mir auch die Ehre und kommst zu meiner Versteigerung. Ich danke dir! Wir sind viele Jahre lang Nachbarn und gute Freunde gewesen, und niemals hat es ein böses Wort zwischen uns gegeben. — Brede wird ganz gerührt: Es ist ja sonderbar, wenn man sich vorstellt, daß man einen Ort verlassen soll, für den man gelebt und gestrebt und den man liebgewonnen hat. Aber was hilft es, wenn es einem nun einmal so bestimmt ist. — Vielleicht wird es jetzt für dich viel besser, tröstet Isak. — Ja, weißt du, das glaube ich auch, erwiderte Brede rasch gefaßt. Es ist mir nicht leid, durchaus nicht. Ich habe hier auf dem Lande keine Seide gesponnen, das wird jetzt besser werden, die Kinder werden größer und fliegen aus dem Nest — na, die Frau sorgt ja wieder für ein Kleines, aber trotzdem! Und plötzlich sagt Brede klipp und klar: Ich habe den Telegraphen aufgekündigt. — Was? fragt Isak. — Ich habe den Telegraphen aufgekündigt. — Du hast den Telegraphen aufgekündigt? — Ja, zu Neujahr. Was soll ich weiter damit? Und wenn ich im Verdienen wäre und den Lensmann oder den Pfarrer fahren müßte, dann hätte immer der Telegraph zu allererst kommen müssen. Nein, das gibt es nicht. Das kann einer machen, der überflüssige Zeit hat; die Telegraphenlinie entlang rennen, über Berg und Tal für eine kleine oder gar keine Bezahlung, das tut der Brede nicht! Und außerdem habe ich mich mit dem Vorstand, der mein Vorgesetzter ist, verkracht.

Der Lensmann wiederholt immer noch die Angebote auf die Ansiedlung, und sie haben nun die wenigen hundert Kronen erreicht, die das Gut geschätzt wird, deshalb werden jetzt nur noch fünf oder zehn Kronen mehr auf einmal geboten. Ich glaube wahrhaftig, jetzt bietet der Axel! sagt Brede plötzlich und eilt neugierig zu ihm hinüber. Willst du meinen Hof kaufen? Ist dir deiner nicht groß genug? — Ich biete für einen andern Mann, erwidert Axel etwas ausweichend. — Na ja, das ist mir einerlei, so ist das nicht gemeint. — Der Lensmann hebt den Hammer, ein neues Gebot wird gemacht, hundert Kronen mehr auf einmal; niemand geht höher, der Lensmann nennt das letzte Angebot noch ein paarmal, wartet eine Weile mit erhobenem Hammer und schlägt dann zu.

Wer hatte geboten?

Axel Ström. Für einen andern Mann.

Der Lensmann schreibt ins Protokoll: Axel Ström pr. Kommission.

Für wen kaufst du? fragte Brede. Nicht, als ob es mir nicht ganz einerlei wäre.

Aber nun stecken einige Herren am Tische des Lensmannes die Köpfe zusammen. Da sitzt ein Vertreter der Bank, der Kaufmann ist, mit seinem Ladendiener da, etwas hat sich ereignet, die Forderungen der Gläubiger sind nicht gedeckt! Brede wird gerufen, leicht und sorglos kommt er daher und nickt nur, jawohl, ganz derselben Ansicht. Wer hätte auch denken können, daß der Hof nicht mehr bringen werde, sagte er. Und plötzlich verkündet er allen Anwesenden mit lauter Stimme: Da wir nun mit der Versteigerung fertig sind und ich doch einmal den Lensmann herbemüht habe, so will ich alles verkaufen, was ich hier habe. Den Wagen, die Tiere, eine Mistgabel, den Schleifstein, das brauche ich alles nicht mehr, ich verkaufe Rump und Stump.

Geringe Angebote. Bredes Frau, auch sie leichtfüßig und sorglos, trotz ihres ungeheuren Umfangs, hat inzwischen begonnen, an einem Tisch Kaffee zu verkaufen; sie findet diese Beschäftigung unterhaltend, sie lächelt, und als Brede selbst kommt und Kaffee trinkt, verlangt sie zum Spaß auch von ihm Bezahlung. Und Brede zieht wirklich seinen mageren Beutel und bezahlt. Seht doch nur die Frau an! sagt er zu der ganzen Versammlung. Sie versteht's! sagt er.

Der Wagen ist nicht viel wert, er hat zu oft unter freiem Himmel gestanden; aber Axel bietet schließlich noch ganze fünf Kronen mehr und ersteht auch den Wagen. Dann kauft Axel nichts mehr. Aber alles verwundert sich, daß der vorsichtige Mann so viel gekauft hat.