Ich war ganz bestürzt, daß er fortreisen und nicht sagen wollte, wohin, obgleich ich ihn fragte. Alles, das ganze Café und die vielen Gäste, tanzte um mich herum; ich konnte es nicht länger aushalten und ergriff flehend seine beiden Hände.

»In einer Woche kehre ich zu Ihnen zurück,« sagte er und erhob sich.

Ich hörte den Oberkellner zu mir sagen: »Sie verlassen uns also in vierzehn Tagen!«

Meinetwegen, dachte ich bei mir; was macht das? In einer Woche ist Wladimierz wieder bei mir! Und ich wollte ihm dafür danken, ich wandte mich um, — er war schon gegangen.


Eine Woche später fand ich, als ich nach Haus kam, einen Brief von ihm. Er schrieb so trostlos, er erzählte, er sei der gelben Dame nachgereist, er könne mir nie mein Geld zurückbezahlen, niemals, er sei ganz gebrochen durch die Not. Dann schalt er sich wieder eine niederträchtige Seele und unter den Brief hatte er geschrieben: »Der Sklave der gelben Dame.«

Ich trauerte Tag und Nacht und konnte nichts weiter thun. Eine Woche später verlor ich meine Stellung und mußte mich nach einer neuen umsehen. Am Tage stellte ich mich in anderen Cafés und Hotels vor; ich schellte auch bei Privatpersonen und bot ihnen meine Dienste an. Es glückte mir aber nicht. Spät am Abend kaufte ich dann ganz billig alle Zeitungen und las die Annoncen sorgfältig, wenn ich nach Haus kam. Ich dachte: vielleicht kann ich Wladimierz und mich retten ...

Gestern abend fand ich seinen Namen in einem Blatt und las von ihm. Ich ging gleich darauf aus, durch viele Straßen, und kam erst heute morgens zurück. Vielleicht habe ich irgendwo geschlafen oder auch auf einer Treppe gesessen, ohne weiter gehen zu können; aber das weiß ich jetzt nicht.

Ich habe es heute wieder gelesen; aber gestern abends, als ich nach Haus kam, habe ich es zuerst gelesen. Ich rang die Hände; dann setzte ich mich auf einen Stuhl. Nach einer Weile setzte ich mich auf die Erde und lehnte mich gegen den Stuhl. Ich schlug mit den flachen Händen auf den Fußboden, während ich nachdachte. Vielleicht dachte ich gar nicht; aber es sauste mir so im Kopf und ich wußte nichts von mir selbst. Dann bin ich wohl aufgestanden und hinausgegangen. Unten an der Straßenecke, dessen entsinne ich mich, gab ich der alten Bettlerin einen Groschen und sagte: »Das ist von dem Herrn mit dem grauen Anzug. Sie wissen ja!«

»Sind Sie vielleicht seine Braut?« fragte sie.