Tiefster Friede ruht über der Prärie.
In meilenweitem Umkreis sind keine Bäume und Häuser zu sehen, nur Weizen und grünes Gras, soweit das Auge reicht. In weiter, weiter Ferne, daß sie so klein erscheinen wie Fliegen, sieht man Pferde und Leute bei der Arbeit, das sind die Mäher, die auf ihren Maschinen sitzen und das Gras schwadenweise abmähen. Der einzige Laut, den man hört, ist das Zirpen der Heuschrecken, und wenn der Wind herübersteht, schlägt ausnahmsweise auch wohl einmal ein anderer Laut ans Ohr — das klappernde Geräusch der Mähmaschinen unten am Horizont. Zuweilen hört man diesen Laut ganz merkwürdig nahe.
Es ist die Billybory-Farm. Sie liegt ganz allein im weiten Westen, ohne Nachbarn, ohne irgend eine Verbindung mit der Welt, und es sind mehrere Tagemärsche bis zum nächsten Präriestädtchen. Die Häuser der Farm sehen in der Entfernung aus wie winzig kleine Klippen, die aus dem unübersehbaren Weizenmeer aufragen.
Im Winter ist die Farm nicht bewohnt, aber vom Frühling bis zum späten Oktober sind dort einige siebzig Mann mit dem Weizen beschäftigt.
Drei Männer arbeiten in der Küche, der Koch und seine beiden Gehilfen, und im Stall stehen zwanzig Esel außer den vielen Pferden; aber es befindet sich keine Frau, nicht eine einzige Frau auf der Billybory-Farm.
Die Sonne glüht mit 102 Grad Fahrenheit. Himmel und Erde zittern in dieser großen Hitze, und nicht der geringste Windhauch kühlt die Luft ab. Die Sonne sieht aus wie ein Morast aus Feuer.
Auch bei den Häusern ist alles still, nur von dem großen, spangedeckten Schuppen her, der als Küche und Speisesaal benutzt wird, hört man die Stimmen und Schritte des Kochs und seiner beiden Gesellen, die sich in größter Geschäftigkeit regen. Sie feuern die großen Herde mit Gras, und der Rauch, der aus dem Schornstein aufwirbelt, ist mit Funken und Flammen vermischt. Als das Essen fertig ist, wird es in Zinkbaljen hinausgetragen und auf Wagen gehoben. Dann werden die Esel vorgespannt, und die drei Männer fahren mit dem Essen auf die Prärie hinaus.
Der Koch ist ein dicker Irländer, vierzig Jahre alt, grauhaarig, von militärischem Aussehen. Er ist halbnackt, sein Hemd steht offen, und sein Brustkasten gleicht einem Mühlstein. Er wird von aller Welt Polly genannt, weil er im Gesicht Ähnlichkeit mit einem Papagei hat.
Der Koch ist unten in einem der Forts im Süden Soldat gewesen, er ist litterarisch veranlagt und kann lesen. Deswegen hat er auch ein Liederbuch mit auf die Farm genommen und außerdem eine alte Nummer von einer Zeitung. Diese Kleinodien zu berühren, erlaubt er keinem der Leute; er hat sie auf einem Bord in der Küche liegen, um sie in seinen freien Augenblicken zur Hand zu haben. Und er benutzt sie mit großem Fleiß.
Aber Zachäus, sein elender Landsmann, der beinahe blind ist und eine Brille trägt, hatte sich einmal der Zeitung bemächtigt, um darin zu lesen. Es nützte nichts, Zachäus ein gewöhnliches Buch anzubieten, die kleinen Buchstaben verschwammen wie im Nebel vor seinen Augen; dahingegen war es ihm ein großer Genuß, die Zeitung des Kochs in der Hand zu halten und bei der großen Schrift der Anzeigen zu verweilen. Aber der Koch vermißte augenblicklich seinen Schatz, suchte Zachäus in seinem Bett auf und riß die Zeitung an sich. Und nun entspann sich ein heftiger und lächerlicher Wortstreit zwischen diesen beiden Männern.