Ein finsterer, fast religiöser Ausdruck lag auf den Gesichtern:

Also jetzt! — In Gottes Namen!

Was meinen Freund, den Jüngling betrifft, so erklärte er, daß ihm ganz flau werde, wenn er den unendlichen Gedanken — der atlantische Ozean — denke. Kristen Nyke aber antwortete, daß darüber gar nichts zu denken sei, — das sei ein Gedanke für Frauen und Kinder. Ginge die Sache gut, so wäre es gut, ginge sie schief, so stürbe man.

»Und welche Ansicht haben Sie denn über den Tod, Kristen?« fragte der Kaufmann.

»Meine Ansicht über den Tod? Sie ist wohl dieselbe wie die Ansicht anderer gebildeter Menschen. Das Ende des Ganzen, der Schluß, der Punkt für alle großen Gedanken. Wenn Sie ein Mann wären, den so etwas interessierte, würde ich Ihnen etwas darüber aus einem Werk in meinem Koffer vorlesen.«

Ich machte einen Besuch in der Familienabteilung, dem Aufenthaltsort der verheirateten Leute und der jungen Mädchen. Das Zwischendeck war hier in größere Kammern abgeteilt, die durch die offenen Luken im Oberdeck Licht und Luft erhielten, und wo die besser eingerichteten Kojen, die Eßtische und die Bänke längs derselben den Aufenthalt für die Familien ganz gemütlich machten. Es befanden sich drei solche Kammern im Schiff, und in ihnen allen war die Luft gut, wenn man die vielen kleinen Kinder und die nicht wenigen seekranken Frauen in Berechnung zog. Zwei Frauen waren miteinander in Streit geraten, aber von Natur zurückhaltend, wie sie waren, und in christlichen Familien erzogen, rissen sie sich gegenseitig nur ein paar Haarbüschel aus, ja die eine von den beiden, eine Witwe, die in Kristianssand an Bord gekommen war, kämpfte in ihrer Demut am liebsten mit den Nägeln.

Dieser kleine Zeitvertreib erregte die allgemeine Aufmerksamkeit, und ich beobachtete, wie ein Passagier aus der ersten Kajüte, ein Schneider aus Kopenhagen, mit seinem goldenen Kneifer dastand und dem Streit durch die Luke im oberen Deck zuschaute. Er wippte umher und wechselte fortwährend den Platz, um besser sehen zu können. Ein paar kleine Kinder dagegen waren ganz teilnahmslos für diesen Kampf der Frauen; ernst und nachdenklich saßen sie da und verzehrten eine alte Zeitung, die zwischen ihnen lag und stießen von Zeit zu Zeit einen unartikulierten Laut aus, wozu sie die ernsthaftesten Gesichter aufsetzten.

Als ich zu meinen Kameraden zurückkehrte, war Herr Nyke gerade im Begriff, sich ein wenig »einzurichten«, wie er es nannte. Er wollte auf der Überfahrt wie ein Mensch wohnen, und wenn sonst niemand aufräumte, müsse er es thun. Zu diesem Zweck hatte er alle Kisten und Koffer zu einem Berg aufgestapelt, ein Stück Gepäck über dem andern, so daß in der Mitte ein freier Gang entstand, — »zum Spazierengehen«, erklärte Herr Nyke. Oben auf dem Oberdeck wehe ein so kalter Wind, der Nebel lege sich so unangenehm auf das Gesicht, der Kohlenstaub aus dem Schornstein verunreinige außerdem das Gesicht — war dies da nicht ein guter Gedanke von ihm, — ein Boulevard unter Dach und Fach?

Der Haugesunder war der erste, der seinen Koffer an seinem gewöhnlichen Platz vermißte, und mit grober Hand riß er Herrn Nykes Gebäude um. Es stand eine kurze Zeit und versank in Trümmer.

Das Wetter war kalt und naß, der Nebel verdichtete sich, vom Schiff aus war nichts zu sehen. Wohin man sich wandte, hing nur der graue Nebel schwer über dem Meer wie ein rauchender Himmel, der mit der Erde verschwamm. Und jede halbe Minute zog der wachthabende Matrose an der Pfeife, diesem starken Instrument, dessen eiserne Stimme brutal über das Meer dahinschallte.