Die Turmuhr schlug, ich hörte den singenden Schlag, der sich in den übrigen Lärm vom Marktplatz her mischte. Plötzlich klopfte der Hoteldiener an mein Zimmer. Der junge Mann war sehr erregt.
»Denken Sie nur,« sagte er, — »der Herr von Sinvara will auch kommen!«
Ich hatte nicht um diese Mitteilung gebeten, und ich sagte zu dem Diener, daß besagter Herr mich nichts angehe. Wer war es? Woher kam er? Der Diener zuckte die Achseln und erklärte, der Herr aus Sinvara sei kein anderer als der vornehmste Herr der ganzen Gegend, der reichste Herr, Fürst Yariws Freund und Pavos leiblicher Vater. Und der würde kommen. Im übrigen sei der Zweck seines Kommens wohl nichts weiter, als daß er sich danach umsehen wollte, wie es mit seinem Sohn stünde; er wollte selber dies verfluchte Roulette sehen, das sein Kind ruinierte und dessen Mutter so viel Kummer bereitete.
»Alle diese Nachrichten interessieren mich nicht,« antwortete ich dem Diener. »Dagegen habe ich um Thee gebeten. Adieu!«
Und dann ging der Diener.
Als die Uhr sechs war, entstand große Bewegung im Hotel, der Herr war gekommen. Er ging an der Seite seines Sohnes, Pavo in heller Kleidung, er selber in dunkler. Er war ernsthaft und bestimmt. Die Kirchenglocke läutete, denn schon beim Betreten des Dorfes hatte der Herr der Kirche eine große Summe versprochen, die deren Zukunft völlig sicherte. Er hatte außerdem die Flaggenstange des Posthauses mit einer neuen Flagge bedacht. Aus diesem Grunde war das ganze Dorf in gehobener Stimmung. Die Diener erhielten einen freien Tag, alle Leute waren auf den Straßen, und der Bürgermeister ging in einer funkelnagelneuen Uniform umher.
Der Herr von Sinvara war ein würdiger Mann von einigen sechzig Jahren, ein wenig korpulent, ein wenig blaß und aufgeschwemmt von dem stillen Leben, das er führte, aber mit gewichstem Schnurrbart und jungen Augen; er hatte außerdem eine lustige, aufwärts gebogene Nase. Es war allgemein bekannt, daß er Fürst Yariws Freund war, er hatte zwei hohe Orden, trug sie aber selten, weil sein Auftreten auch ohne diese Dekoration höchst respekteinflößend war. Redete er jemand an, so nahm der Angeredete den Hut ab und antwortete.
Als er ein Glas Wein getrunken hatte, sah er alle die neugierigen Menschen an, die ihn bis an das Hotel begleitet hatten, und er gab ihnen allen etwas. Ein kleines Mädchen rief er sogar aus dem Haufen heraus und schenkte ihr mit eigener Hand ein Goldstück. Aber das Mädchen war nun freilich nicht so übertrieben klein, auch war sie nicht mehr unter sechzehn, siebzehn Jahre alt.
Plötzlich sagt er:
»Wo ist die Bank? Ich will dahin.«