»Wollen Sie es wohl glauben,« sagt er gleich darauf und trocknet seine Augen, — »der Herr von Sinvara reist mit demselben Dampfer wie Sie. Er hat Pavo versprochen, heimzukehren.« Und der allwissende Mensch verfolgt mich bis zum letzten Augenblick mit seinen Geschichten. Pavo hatte seinem Vater wieder eine Rede gehalten. Als es nicht half, daß er ihm mit Fürst Yariw drohte, hatte er ihm eine kleine, völlig unbrauchbare Pistole gezeigt, mit der er sich leider erschießen müsse, um seine Ehre zu retten. Da hatte der Vater nachgegeben. Er wollte wirklich Fürst Yariws Freundschaft nicht verlieren. Außerdem hatte er Gott hoch und teuer gelobt, mit dem Spielen innezuhalten, sobald er sein Geld zurückgewonnen habe. Kurz: der Herr von Sinvara wollte nach Hause reisen.

»Adieu!« sagte der Diener. »Sie treffen ihn unten am Dampfer.«

Die Uhr schlug fünf.

Im selben Augenblick, als der Spielsaal geöffnet wurde, begab ich mich an den Landungsplatz. Der Dampfer nahm eine Partie Bastmatten ein. Einige Minuten später kamen auch wirklich der Herr von Sinvara und sein Diener, sie waren beide reisemäßig gekleidet. Es waren viele Menschen zugegen, Pavo sah ich aber nicht. Ich fragte einen alten Mann nach ihm, ich sagte:

»Weshalb begleitet er seinen Vater nicht an das Schiff?«

»Pavo ist stolz!« antwortete ein junges Mädchen, das gerade herzukam. »Einen Vater, der seine Ringe verspielt, kennt er nicht. Das sieht Pavo ähnlich.«

Da stand auch das kleine Mädchen des Herrn von Sinvara. Sie stand abseits und sah zu, aus der Entfernung, mit gesenktem Haupt. Der, nach dem sie ausschaute, schenkte ihr keinen Blick.

Ich ging ein paar Mal auf dem Kai auf und nieder, bezahlte meinen Wagen und gab acht, daß alle meine Sachen an Bord gebracht waren. Der alte Diener des Herrn von Sinvara war schon da, ihn selber sah ich hingegen nicht. Ich sah mich nach seinem kleinen Mädchen um, auch sie war verschwunden.

Die letzte Matte wurde in den Lastraum versenkt, und der letzte Passagier kam an Bord. Plötzlich entsteht ein allgemeines Fragen nach dem Herrn von Sinvara, der mitfahren wollte. Wo war er geblieben? Sein alter Diener springt auf. Wo in aller Welt war sein Herr? Der Dampfer blieb liegen, man konnte doch nicht ohne den großen Herrn abfahren! Wir durchsuchen alle das Schiff, den Kai, alle Ecken und Winkel, wir fragen alle Menschen nach ihm, und niemand vermag uns Bescheid zu geben. War er ins Wasser gefallen? Hatte er sich hineingestürzt und war in aller Stille ertrunken? Plötzlich überkommt mich eine Ahnung, ein ganz sonderbarer Gedanke, ich bitte den Schiffer noch fünf Minuten zu warten, dann würde ich vielleicht Auskunft über den Vermißten geben können.

Ich springe an Land, ich eile nach dem Hotel, stürme die Treppe hinauf, in das blaue Stockwerk. Mit verhaltenem Atem öffne ich die Thür und sehe hinein.