Nachts hatte ich wieder Besuch von der Leiche, dieser traurigen, mit einem Hemd bekleideten Frau, die mir wegen ihres Daumennagels niemals Ruhe ließ. Gestern war ich in einer so tiefen Gemütsbewegung gewesen, heute Nacht schien ihr der rechte Zeitpunkt, zu kommen. Von Schrecken durchschauert, sehe ich sie hereingleiten, mitten im Zimmer stehenbleiben und mir die Hand entgegenstrecken. An der andern Wand, mir gerade gegenüber, lag mein Kamerad aus dem Wald in seinem Bett, und es war mir wunderbar erleichternd zu hören, wie auch er stöhnte und unruhig war, so daß wir also der Gefahr zu zweit ausgesetzt schienen. Ich schüttelte den Kopf: ich hätte den Nagel an einem friedlichen Ort begraben und könne nun nichts mehr tun. Aber die Leiche blieb immer noch stehen. Ich bat sie um Verzeihung; plötzlich aber erfaßt mich der Ärger, ich werde zornig und erkläre ihr, daß ich mich nicht mehr länger mit ihr abgeben wolle. Ich hätte mir ihren Nagel damals nur in aller Eile ausgeliehen, ihn aber bereits vor Monaten wieder begraben und damit meine Schuldigkeit getan ..... Da gleitet sie seitlich bis zu meinem Kopfkissen und versucht, hinter meinen Rücken zu kommen. Ich werfe meinen Oberkörper nach vorne und stoße einen Schrei aus.
Was ist denn? fragt der Knecht von seinem Bett her.
Ich reibe mir die Augen und antworte, daß ich nur geträumt habe.
Wer war denn eigentlich hier? fragt der Knecht.
Ich weiß nicht. War jemand da?
Ich habe jemand hinausgehen sehen .....
31.
Ein paar Tage vergingen, dann setzte ich mich ruhig und überlegen hin und schrieb an Falkenberg. Ich hätte eine kleine Sägekonstruktion auf Övrebö stehen, schrieb ich, sie könne vielleicht einmal einige Bedeutung für die Waldbesitzer bekommen, und ich hätte vor, sie in allernächster Zeit abzuholen. Sei so gut und behalte sie im Auge, damit nichts daran verdorben wird.
So milde schrieb ich. Das war am würdigsten. Es sollte ein durch und durch feiner Brief sein, wenn Falkenberg, der natürlich in der Küche davon sprechen würde, ihn vorzeigte. Aber er war durchaus nicht lauter Sanftmut und wieder Sanftmut und nichts anderes, ich setzte ein bestimmtes Datum fest, um meinen Ernst zu zeigen: Montag, den elften Dezember, will ich kommen und die Maschine abholen.
Ich dachte, diese Frist ist klar und bestimmt: Ist die Maschine an diesem Montag nicht da, dann wird also etwas geschehen.