So gruben wir und sprengten und mauerten, und Woche auf Woche verging. Es wurde ein großer Brunnen und war eine wohlgelungene Arbeit; der Pfarrer war zufrieden. Grindhusen und ich kamen wieder in ein besseres Verhältnis zueinander, und als er erfuhr, daß ich keinen höheren Lohn haben wolle als den eines guten Handlangers, obwohl ich bei dieser Arbeit oftmals der Leiter war, wollte auch er mir wieder etwas Gutes tun und fing an, sich bei den Mahlzeiten besser zu benehmen. Schöner als jetzt kann ich es nicht mehr haben, und niemals würde mich jemand wieder in die Stadt locken können, dachte ich mir.
Am Abend schlenderte ich durch den Wald oder ging auf den Friedhof, las die Inschriften auf den Gräbern und dachte allerhand. Ich suchte auch einen Nagel von einer Leiche. Ich brauchte diesen Nagel, es war eine Einbildung von mir, eine kleine ausgemachte Spielerei. Ich hatte eine schöne Birkenwurzel gefunden, aus der ich einen kleinen Pfeifenkopf in Form einer geballten Faust schnitzen wollte; der Daumen sollte den Deckel bilden, und ich wollte einen Nagel einsetzen, um ihn recht lebensgetreu zu machen. Um den Ringfinger wollte ich einen kleinen goldenen Ring biegen.
Durch solche Spielereien wurde mein Kopf gesund und ruhig. Es gab keine Hast mehr in meinem Leben, und ich versäumte nichts mit meinen Träumereien, die Abende gehörten mir. Wenn möglich wollte ich auch versuchen, mir das Gefühl für die Heiligkeit der Kirche und die Furcht vor den Toten anzueignen; aus weit, weit zurückliegender Zeit entsann ich mich noch dieser tiefen und inhaltsreichen Mystik und wollte wieder daran teilhaben. Vielleicht würde es, wenn ich den Nagel fand, aus den Gräbern rufen: Der gehört mir! Worauf ich ihn schreckerfüllt fallen lassen und davonlaufen würde.
Nein, wie doch der Wetterhahn schreit, konnte Grindhusen mitunter sagen.
Hast du Angst?
Nicht eigentlich Angst; aber es schaudert mich bei der Nacht, wenn ich daran denke, daß ich so nahe bei den Leichen schlafe.
Glücklicher Grindhusen!
Harald lehrte mich einmal, Tannen und Gesträuch zu pflanzen. Ich hatte diese Kunst noch nicht gekannt, in meiner Schulzeit war das noch nicht Brauch gewesen; nachdem ich aber das Verfahren gelernt hatte, wurde ich an den Sonntagen ein fleißiger Pflanzer. Als Gegenleistung lehrte ich Harald allerhand Neues für sein Alter, und wir wurden gute Freunde.
8.
Alles hätte jetzt gut gehen können, wenn das junge Fräulein nicht gewesen wäre. Mit jedem Tag wurde ich verliebter in sie. Sie hieß Elischeba, Elisabet. Sie war vielleicht keine besondere Schönheit, aber sie hatte einen roten Mund und einen blauen Jungmädchenblick, der sie schön machte. Elischeba, Elisabet, du bist gerade im ersten Morgendämmern, und deine Augen haben die Welt erspäht. Als du eines Abends mit Jung-Erik vom Nachbarhof sprachst, waren deine Augen von Reife und Zärtlichkeit erfüllt ....