Eine Woche. Dann kann der Rohrleger kommen.
Nein wirklich!
Ich bedankte mich und ging hinaus. Die gnädige Frau hatte eine Gewohnheit, die sie sicherlich aus früheren Jahren noch behalten hatte: sie sah einen hie und da von der Seite an, obwohl das, was sie sagte, durchaus nicht hinterhältig war ....
Nun gilbte da und dort ein Blatt im Wald, und Luft und Erde rochen herbstlich. Nur die Pilze standen noch zahlreich in den Wäldern, überall schossen sie auf und wuchsen schön und dick auf runden Stielen. Steinpilze gab es und Champignons und Reizker. Hie und da zeigte auch ein Fliegenschwamm seinen gesprenkelten Hut und stand in leuchtend roter Farbe da. Ein merkwürdiger Schwamm! Er wächst auf dem gleichen Boden wie die eßbaren Schwämme, nährt sich von der gleichen Erde und empfängt gleichermaßen Sonne und Regen vom Himmel herab, er ist fett und fest und schmeckt gut — nur daß er voll frechen Muscarins ist. Ich wollte einmal ein altes herrliches Märchen vom Fliegenschwamm erfinden und sagen, ich hätte es in einem Buch gelesen.
Immer habe ich mit Interesse den Kampf ums Dasein aller Blumen und Insekten beobachtet. Wenn die Sonne warm war, erwachten sie wieder zum Leben und gaben sich einige Stunden lang der alten Freude hin; die großen, kräftigen Fliegen waren genau so lebendig wie mitten im Sommer. Es gab hier eine eigene Art von Erdflöhen, die ich vorher noch nicht gesehen hatte. Sie waren klein und gelb, nicht größer als ein Komma in Petitschrift, aber sie hüpften viel tausendmal weiter als sie selbst spannen konnten. Welch ungeheure Kräfte hatte doch so ein kleines Geschöpf im Verhältnis zu seiner Größe! Hier läuft eine kleine Spinne mit einem Hinterteil, das wie eine hellgelbe Perle aussieht. Diese Perle ist so schwer, daß das Tier mit dem Rücken nach unten an den Halmen emporklettern muß. Wenn es auf Hindernisse stößt, über die es die Perle nicht hinüberziehen kann, läßt es sich einfach hinunterfallen und beginnt an einem neuen Halm. Eine solche Perlen-Spinne ist keine Spinne und damit Punktum. Wenn ich ihr ein Laubblatt hinhalte, um ihr zu festem Boden zu verhelfen, tastet sie eine Weile das Blatt ab und findet dann: Nein, da stimmt etwas nicht. Worauf sie vor einer solchen Fallgrube, wie sie in diesem Boden vermutet, rücklings zurückweicht ....
Ich höre, daß im Wald unten mein Name gerufen wird. Harald ist es, er will seine Sonntagsschule mit mir halten. Er hat mir etwas von Pontoppidan zu lernen aufgegeben und will mich jetzt überhören. Es rührt mich, die Religion wieder so verkündigt zu hören, wie ich sie selbst in meiner eigenen Kindheit verkündet haben würde.
9.
Der Brunnen war fertig, der Graben ausgehoben und der Rohrleger gekommen. Er wählte sich Grindhusen zum Helfer aus, und ich wurde angestellt, den Weg für die Rohre vom Keller bis hinauf in die zwei Stockwerke des Hauses zu bahnen.
Eines Tages, während ich unten im Keller am Graben arbeitete, kam die Pfarrerin zu mir herunter. Ich rief ihr zu, sie möge sich vorsehen, aber sie ließ sich nicht stören. Hier ist doch kein Graben? fragte sie und deutete auf eine Stelle. Und hier wohl auch nicht? Schließlich trat sie doch fehl, glitt aus und rutschte in den Graben zu mir herab. Da standen wir. Es war nicht hell bei uns, und für sie, die aus dem Tageslicht kam, war es ganz dunkel. Sie tastete den Graben ab und sagte:
Wie kann ich jetzt wieder hinaufkommen?