Und an deiner Aussteuer nähen, sagte das Fräulein lächelnd.

Das war jungmädchenhaft gesprochen, aber ich war ihr dankbar, weil sie an unserem gemeinsamen Gespräch teilnahm und eine Zeitlang in der Küche blieb. O Gott, wie gewandt wurde ich, und wie treffend sprach ich und führte mich wie ein Junger auf. Ich weiß es heute noch gut. Plötzlich aber schien Fräulein Elisabet darüber nachzudenken, daß es sich nicht für sie schicke, noch länger bei uns zu bleiben, und sie verließ uns.

Am Abend ging ich wieder, wie schon früher so oft, auf den Friedhof; als ich aber sah, daß das Fräulein schon vor mir dort war, trollte ich mich fort und ging in den Wald. Nachher dachte ich: Jetzt wird sie sicher ganz gerührt sein über meine Bescheidenheit und wird sagen: Der Ärmste, das war nun ein feiner Zug von ihm! Dann fehlte nur noch, daß sie mir in den Wald nachkommen würde. Überrascht würde ich mich dann von meinem Stein erheben und grüßen. Dann würde sie etwas verlegen werden und sagen: Ich ging hier nur vorbei — es ist ein so schöner Abend — was treibst du hier? Ich sitze nur so da, antworte ich und komme mit meinen unschuldigen Augen gleichsam von weit her. Und wenn sie hört, daß ich am späten Abend nur so dasitze, dann begreift sie, daß ich eine tiefe Seele und ein Träumer bin, und dann verliebt sie sich in mich ....

Auch am nächsten Abend war sie auf dem Friedhof, und der eitle Gedanke flog mir durch den Kopf: sie geht mir nach! Als ich aber näher zu ihr hinsah, zeigte es sich, daß sie an einem Grab beschäftigt war. Sie war mir also nicht nachgegangen. Ich schlich mich wieder zu dem großen Ameisenhaufen im Wald und beobachtete die Tiere, solange ich sehen konnte; später saß ich da und hörte zu, wie die Tannenzapfen und Vogelbeertrauben zur Erde fielen. Ich summte, flüsterte und dachte, dann und wann mußte ich aufstehen und der Kälte wegen ein wenig auf und ab gehen. Die Stunden vergingen, die Nacht kam, ich war ganz verliebt, ging barhäuptig und ließ mich von den Sternen anstarren.

Wie spät ist es? konnte Grindhusen fragen, wenn ich in die Scheune kam.

Elf Uhr, erwiderte ich dann. Obwohl es oft schon zwei und drei Uhr morgens war.

Findest du endlich, daß es Zeit ist, schlafen zu gehen? Ach, zum Teufel, weckt einen der Mensch, wenn man gerade so schön eingeschlafen ist!

Grindhusen wirft sich auf die andere Seite herum und schläft gleich wieder ein. Grindhusen hatte es leicht.

Ach, wie sich doch ein bereits alternder Mann zum Narren macht, wenn er verliebt ist. Und wollte nicht gerade ich das Exempel statuieren, daß es möglich sei, Ruhe und Frieden zu finden?

10.