Gunhild geht nach Hause.

Aber die Fischer wissen zu gut, daß Gunhild keine von denen ist, die nur scheinbar heimgehen, sie ist schon öfters wieder in ihre Hütte zurückgekehrt ohne sich umzusehen. Hallo! rufen sie ihr deshalb nach, ein halbes Dutzend Makrelen habe heute sieben Stück, da sie eine alte Kundschaft sei.

Da kauft Gunhild Fische ....

Rote Röcke und blaue Hemden und Unterzeug von ungeheurer Dicke hängen an den Wäscheleinen; das alles ist von den alten Frauen der Insel, die heute noch leben, gesponnen und gewebt worden. Aber auch die feinen Hemden ohne Ärmel, in denen man so schön blau friert, hängen zum Trocknen hier, und auch die lila Wolljacken, die man zu einem Strick ausdehnen kann. Woher stammen diese Mißgebilde? Ja, die haben sich die Töchter, die jungen Mädchen von heute in der Stadt verdient. Wenn man sie vorsichtig und selten wäscht, halten sie zur Not einen Monat. Und man fühlt sich so herrlich nackt darin, wenn die Löcher nach und nach immer zahlreicher werden.

Dagegen sind die Schuhe der alten Gunhild kein Spielzeug. Von Zeit zu Zeit wendet sie sich an einen gleichaltrigen und gleichgesinnten Fischer und läßt sich Oberleder und Sohlen mit einem dicken Fett einschmieren, gegen das alles Wasser machtlos ist. Ich sehe, wie diese Schmiere am Strand gekocht wird, es ist Talg und Teer und Harz darin.

Als ich gestern auf dem durch die Ebbe freigelegten Strand umherschlenderte und Treibholz und Muscheln und Steine betrachtete, fand ich ein winziges Stück Spiegelglas. Wie es hergekommen ist, verstehe ich nicht; aber es sieht ganz aus wie ein Irrtum oder wie eine Lüge. Ein Fischer ist doch wohl kaum damit hergerudert, hat es hier hingelegt und ist dann wieder fortgefahren. Ich ließ es liegen wo es lag, es war dick und gewöhnlich und einfach, vielleicht stammte es von der Scheibe einer Straßenbahn. Es gab einmal eine Zeit, da war das Glas selten und flaschengrün, — Gott segne die alte Zeit, da etwas selten war!

Jetzt steigt aus den Fischerhütten an der Südspitze der Insel Rauch auf. Es ist Abend, die Grütze wird gekocht. Und wenn das Essen verzehrt ist, gehen die ehrbaren Leute zu Bett, um bei Tagesgrauen wieder aufzustehen. Nur die unvernünftigen Jungen schleichen noch von Hütte zu Hütte, ziehen die Zeit hinaus und wissen nicht, was zu ihrem eigenen Besten dient.

2.

Heute morgen ging hier ein Mann an Land, er kam, um das Haus anzustreichen. Da aber die alte Gunhild so uralt ist und von der Gicht so geplagt wird, läßt sie ihn zuerst einige Tage lang Holz für den Herd klein machen. Ich selbst habe ihr oft angeboten, dieses Holz zu hacken; aber sie fand, daß ich zu feine Kleider habe, und wollte mir um keinen Preis die Axt ausliefern.

Der fremde Maler ist ein kleiner, gedrungener Mann mit rotem Haar und ohne Bart; ich beobachte ihn durch das Fenster bei seiner Arbeit, um zu sehen, wie er es macht. Ich entdecke, daß er mit sich selbst redet, schleiche aus dem Haus und lausche seinem Selbstgespräch. Wenn er daneben hackt, bleibt er ganz geduldig und ruhig; stößt er sich aber die Knöchel an, dann wird er ärgerlich und sagt Teufel! Teufelszeug! worauf er sich dann plötzlich umsieht und zu summen anfängt, um zu verbergen, was er gesagt hat.