Nein, so was, da ist ja auch Emma! rief Falkenberg gutmütig: und er war gar nicht ärgerlich darüber, daß Emma ohne ihn hingegangen war. Emma, komm her, ich habe etwas für dich.

Er glaubte, es sei mit einem guten Wort genug getan; aber Emma wandte sich von ihm ab und ging hinein. Als Falkenberg ihr folgen wollte, wurde ihm der Weg versperrt, und man bedeutete ihm, daß er hier nichts zu suchen habe.

Aber Emma ist doch da. Bittet sie, daß sie herauskommen soll.

Sie kommt nicht heraus. Emma ist mit Markus dem Schuhmacher hier.

Falkenberg war sehr betroffen. Nun war er so lange kalt gegen Emma gewesen, daß sie ihn aufgegeben hatte. Als er immer noch wie aus allen Wolken gefallen aussah, begannen ihn einige Mädchen zu verspotten: Haben dir die Hühner das Brot weggefressen? Du Armer.

Falkenberg setzte in Gegenwart aller die Flasche an die Lippen und trank, dann wischte er den Mund ab und gab sie an den Nebenmann weiter. Die Stimmung gegen uns besserte sich, wir waren nette Kerle, hatten Flaschen in unseren Taschen und ließen sie herumgehen; außerdem waren wir Fremde und brachten ein wenig Abwechslung mit. Und Falkenberg sagte viele lustige Dinge über Markus den Schuhmacher, den er beständig Lukas nannte.

Drinnen wurde weiter getanzt, aber keines der Mädchen ging hinein. Ich wette, daß auch Emma sich wieder zu uns herauswünscht, sagte Falkenberg großsprecherisch. Da seien nun Helene und Rönnaug und Sara, wenn die aus der Flasche getrunken hätten, gäben sie einem die Hand, wie es der Brauch sei; andere aber seien zu fein geworden und sagten nur: Schönen Dank! — Helene wurde Falkenbergs Mädchen, er nahm sie um den Leib und erklärte, daß er nachts zu ihr kommen wolle. Als die beiden sich immer weiter von uns zurückzogen, rief ihnen keiner deswegen nach; wir nahmen uns jeder ein Mädchen und gingen unsere eigenen Wege in den Wald hinein. Und ich hatte Sara.

Als wir wieder zurückkamen, stand Rönnaug noch da und kühlte sich ab. So ein Mädchen, sie hatte die ganze Zeit hier gestanden! Ich nahm sie bei der Hand und sprach ein wenig mit ihr, sie aber lächelte nur zu allem und antwortete nicht. Als wir auf den Wald zugingen, hörten wir Sara uns in die Dunkelheit nachrufen: Rönnaug, komm, wir wollen lieber heimgehen! Aber Rönnaug antwortete nicht, sie war so wortkarg. Sie war groß und still und hatte eine Haut wie Milch.

20.

Der erste Schnee ist gekommen, er schmilzt zwar sofort wieder weg, aber der Winter ist wohl nicht mehr weit. Und mit unserer Waldarbeit beim Kapitän geht es zu Ende, zwei Wochen lang haben wir vielleicht noch zu tun, doch kaum länger. Was sollten wir dann unternehmen? Im Gebirge gab es Arbeit beim Eisenbahnbau, und vielleicht fand sich auch noch Holzfällerarbeit für uns auf einem Hof. Falkenberg war für die Eisenbahn.