Konrad Duden.

Vorbemerkungen.

Die früher an dieser Stelle gegebene Darlegung der bei der Auswahl der aufzunehmenden Wörter und der Feststellung ihrer Schreibung befolgten Grundsätze erscheint jetzt überflüssig. Nachdem dies Buch in mehr als 100,000 Exemplaren Verbreitung gefunden, darf wohl angenommen werden, daß der Plan desselben im allgemeinen das Richtige getroffen hat und einer Rechtfertigung nicht weiter bedarf. Es folgen daher sofort einige

Ergänzende orthographische Regeln.

Diese sind zum Teil solche, die zur Begründung der im Wörterbuch befolgten Schreibung dienen sollen, zum Teil solche, welche sich an den einzelnen Wörtern nicht veranschaulichen lassen.

Über die S-Laute.

In betreff des S-Lautes in Verbindung mit andern Konſonanten merke man folgendes:

Vor t und p ſteht in der Regel ſ, also: faſten, Knoſpe; ebenſo in Fremdwörtern, z. B. Diſtanz, Deſpot. Nur bei Zuſammenſetzungen, deren erſter Teil auf s ausgeht und leicht als ein ſelbſtändiger Beſtandteil der Zuſammenſetzung erkennbar iſt, bleibt dieſes s auch vor t und p, z. B. distribuieren, disputieren; dagegen abſtrakt, abſtrus, Abſtinenz.

Bei tranſpirieren und ähnlichen iſt das s des erſten Beſtandteils vor dem ſ des zweiten ausgefallen.

Vor andern Konſonanten als t und p gehört der S-Laut in der Regel zur erſten Silbe und wird daher mit s bezeichnet, z. B. Maske, Boskett, Rekonvalescent, Diskus. Iſt aber aus der Etymologie oder den Lautgeſetzen erkennbar, daß der S-Laut zur zweiten Silbe gehört, ſo ſchreibt man ihn auch hier mit ſ, z. B. proſkribieren, obſkur.