16. Ljwow: Mitglied der Kampforganisation; bei Expropriationen behilflich.

17. Moratschewski: Organisierte Gruppen, beherbergte den Mörder Wolodarskis.

18. Stawskaja: (Fanni Jefremowna) Mitglied der Kampforganisation; nahm an Vorbereitungen von terroristischen Akten teil, war im Wolgagebiet tätig.

19. Berg: Nahm an Vorbereitungen des bewaffneten Aufstandes teil.

20. Ignatiew: Mitglied des Z.K. der Partei der Volkssozialisten. War im „Verband zur Rettung des Vaterlandes und der Revolution“. Unterhielt Verbindung zu bürgerlichen Organisationen, übermittelte Gelder, stand in Beziehung zu fremden Militärmissionen.

34 Männer und Frauen standen vor dem Obersten Revolutionstribunal, 34 Männer und Frauen verkörperten die leidenschaftlichen Anstrengungen, der Novemberrevolution den Garaus zu machen, ihre Wurzeln wieder auszureißen, vor keinem Mittel zurückzuschrecken, keine Verbindung zu scheuen, rastlos zu arbeiten, das durch Kriegswirren an den Rand des Abgrunds gebrachte Land nicht zur Ruhe kommen, vielmehr alle Künste spielen zu lassen, die eine jahrzehntelange Erfahrung in konspirativer Tätigkeit unter dem Zarismus gezüchtet, verfeinert hatte. Es gab kein Verbrechen, dessen sie nicht fähig waren, sie kannten keine Skrupel, dachten dabei nie an ihre eigene Person, sie setzten sich restlos ein und waren Meister ihres Faches geworden, Terror, Expropriationen, Sprengungen waren ihnen zur Kunst geworden, der Tod war ihr steter Gefährte, wie unsichtbar war bleiches Totengebein ihr ständiger Begleiter – es gab in dieser Partei längst eine Psychologie des politischen Mörders, es gab Analysen seiner Seelenstimmung; ehedem – nach der fünfer Revolution hatte Savinkow in seinen Büchern diese Stimmungen geschildert, er hatte das zwiespältige Wesen dieser Menschen geschildert, er hatte ihr Grauen, ihre seelische Nacht gemalt, ihre Fragen gestellt, ihre Unruhe, ihre Unrast in Worten festgehalten. Sie waren alle Romantiker, Abenteurer, längst losgerissen von jeden Beziehungen zur bürgerlichen Welt; die revolutionäre konspirative Tätigkeit war ihnen zum Selbstzweck geworden; die Konspiration war ihr Beruf, die Negation ihre einzige Antwort, die Ratlosigkeit ihr ständiges Grundgefühl. Die Sozialrevolutionäre waren die Erben der alten Narodniki: jener Männer und Frauen, die Turgenjew zuerst geschildert hat, deren Urtyp Bassarow war, den man heute ganz fälschlich immer zum Urbild Lenins macht. In der „Neuen Generation“ findet man eine solche echte Sozialrevolutionärin: konspirativ, längst verzichtend auf alle Geschenke des Lebens und jedes Wohlleben, immer gehetzt und immer im Zuge. Die Männer und Frauen, die Alexander II. hinrichteten, waren solche Narodniki – sie waren die Vorkämpfer der Revolution in den Jahren, als es in Rußland noch kein Industrieproletariat gab. Und es ist typisch, daß alle diese Narodniki Intellektuelle waren, dem Bürgertum entsprangen und in Fehde mit ihrer Klasse lebten. „Ins Volk gehen“ hieß jener Terminus, den man auch bei Turgenjew so oft findet. Ins dumpfe, unterdrückte Volk, das noch wie im Halbschlummer lag und wohl wußte, daß es ihm nicht gut ging, aber nicht wußte, wie es sich befreien sollte.

Gesamtansicht des Saales im Vereinshaus

Die Lehre vom „individuellen Terror“ war ein Fundament des Programms der S.R. geworden; sie konnte nur mit einer solchen unwiderstehlichen Macht in einer Partei um sich greifen, die früher nie mehr als eine Sekte sein wollte und sein konnte. Erst aus dem Zusammenschluß zahlreicher „Sekten“ hat sich 1900 jenes Gebilde der S.R.P. ergeben, die gar keine straffe Einheit darstellte, und deren eigentlichstes Rückgrat immer nur „Kampforganisationen“ gewesen sind, die mit unerhörter Kühnheit und seltenem Raffinement, mit grenzenloser Todesverachtung und fanatischem Enthusiasmus beinahe ein volles Jahrzehnt Attentat auf Attentat gegen die Vertreter des Zarismus verübten. Und fast alle diese Richter und Rächer des Volkes sind in den Tod gegangen. Sie ließen sich festnehmen, sie wurden zuweilen gefoltert, sie erlitten die grausamen Methoden einer ruchlosen Justiz, sie erlitten Schmähungen, manche erfuhren noch – mit dem Strick um den Hals – daß man nicht einmal unter diesem verrotteten Regime zu hängen verstand. Kibaltschisch wurde viermal gehängt, Kalajew zweimal ...

Ein seltsamer mystischer Zauber hat alle diese Menschen umfangen. Von Kalajew, dem Attentäter des Großfürsten Sergius, werden die Worte überliefert: „Ich will für meine Sache sterben“ – Worte, die schon ein Sektierer, ein Märtyrer im Rausch gesprochen haben könnte. Andere schritten unter dem Gesang ihrer Revolutionshymne zum Galgen, bevor sie in die ewige Nacht hinüberschwebten. Sie haben ihr eigenstes Ich bis in jene Sphären zu steigern vermocht, in denen längst die Stimme der Erkenntnis schwieg.