„Schickt uns Wolodarski“ – „Schickt uns Wolodarski.“ –

Nach dem Oktoberumsturz wird Wolodarski Volkskommissar für Presse und Agitation. Im Frühjahr 1918 ist er Chefredakteur der „Roten Zeitung“. Im Juni finden die Wahlen statt – Wolodarski arbeitet an hervorragender Stelle – er ist es, der Pressefreiheit gibt – am nächsten Tage liest man in einer Petersburger Zeitung: „Es gibt im Smolny zwei besonders unangenehme Juden – Sinowjew und Wolodarski.“ Einen Tag später wird gewählt – Resultat:

Bolschewiki:72.
Linke S.R.:9.
Parteilose:4.

Am Abend sprach Wolodarski in einer Versammlung der Eisenbahner der Nikolajew-Bahn, noch umtoste ihn der Beifall der proletarischen Masse, als er schon im Auto saß, um in eine Maschinenfabrik zu fahren und eine zweite Rede zu halten.

In der Farforstraße hält plötzlich sein Auto.

„Was ist los?“

„Kein Benzin.“

Wolodarski steigt aus, will einen Laden suchen – vielleicht kann man irgendwo etwas Benzin auftreiben – kaum ist er zehn Schritte gegangen, da eilt ihm ein Mann entgegen, Wolodarski beachtet ihn nicht, da ein Knall, ein Schlag gegen die Brust, er taumelt, fällt zu Boden – eben noch sieht er den Täter enteilen, über einen Zaun hinwegklettern – dann noch eine Detonation – ein Sausen und Wimmern durch die Lüfte – noch einige Revolverschüsse – schon kniet Grischa Sinowjew neben dem sterbenden Wolodarski.

Man bahrt den Leichnam im Taurischen Palais auf; das Proletariat von Petersburg defiliert am Sarg in langen, langen Zügen vorüber, alle Fabriken halten Meetings ab, geschlossen rücken die Belegschaften der großen Fabriken an, eine alte Arbeiterin küßt die bleiche Stirn des Toten, eine Arbeiterfrau führt ihr Kind an den Sarg: „Siehe – für dich ist er gestorben.“ –

Der Mörder ist entkommen, in den Zeitungen der sowjetfeindlichen Presse erscheinen beunruhigte Artikel, am Tage nach der Ermordung liest man befremdenderweise im Zentralorgan der Sozialrevolutionäre eine Erklärung: