Theodor war der Ansicht, er wolle noch einige Jahre Leinbach treulich dienen, dann werde derselbe gewiß sein Versprechen halten, und ihm zu einem Stück Land verhelfen auf dem sie sich häuslich niederlassen und ernähren könnten. Maria sollte noch eine zeitlang bei Mühlenberg’s bleiben und sich etwas für die Einrichtung der Haushaltung ersparen, später wolle er wieder nach Philadelphia kommen, sich von Pastor Mühlenberg trauen lassen und sie dann in die neue Heimath führen. Bis dahin käme er ja noch öfters nach der Stadt, wo man das Nähere besprechen könne. Mutter Kreuderin fand den Plan ausgezeichnet, und Maria reichte Theodor die Hand und sagte, daß sein Plan ganz ihrem Wunsche entspreche. Freudig erhob sich dann die Wirthin zum goldenen Schwan und rief mit befehlerischer Stimme: Kinder! aber das sage ich euch, die Hochzeit muß bei mir gefeiert werden, und da beißt die Maus keinen Faden von ab. Gewiß! Gewiß! riefen die beiden Liebenden zu gleicher Zeit: Ihr bleibt unsere Mutter in Freud und Leid. Der Himmel gebe, daß wir einst in euren älteren Jahren euch pflegen und vergelten können, was ihr so mütterlich für uns gethan.
Fünftes Kapitel.
Das Landgeschenk.
Deutsche Treu und Redlichkeit
Macht uns geltend weit und breit.
Nachdem Theodor die Aufträge, welche er von Leinbach und dessen Nachbarn empfangen, pünktlich besorgt hatte, nahm er von seiner Maria, den Pfarrersleuten und der guten Wirthin zum goldenen Schwan Abschied, bestieg wohlgemuth sein ausgeruhtes Pferd, ritt rasch die Ridge Road hinaus, Oley zu, und erreichte schon in der Hälfte des zweiten Tages Leinbach’s Farm, wo ihm ein liebreicher Empfang zu Theil wurde.
Fleißig ging er wieder an die Arbeit, traf überall im Felde, sowie bei der Viehzucht, praktische Verbesserungen, so daß ihm Leinbach sein volles Zutrauen schenkte und die ganze Verwaltung der Farm überließ.
So waren etwas über zwei Jahre seiner Dienstzeit verflossen, während welcher er seiner Maria und Freunden in Philadelphia mehrere Besuche abgestattet hatte. Da sagte eines Tages Leinbach zu seiner Frau: Liebe Anna, seitdem wir den Theodor auf unserer Farm haben, ist der Segen des lieben Gottes doppelt bei uns eingekehrt. Er hat unsere beiden Buben zu Fleiß und Ordnung angehalten und zu verständigen Bauern gemacht, es ist daher jetzt Zeit, daß wir auch an den braven Mann denken, der uns so viel Glück ins Haus gebracht, und unsere Farm zu einer der wohlhabendsten in der ganzen Gegend gemacht. Was denkst du, wenn wir ihm dass schöne Stück Land von 175 Ackern, bei Motz Mühle gelegen, zum Geschenk machten, das ich ja doch nicht bebauen kann, und mir Vetter Jakob de B. Keim so oft gerathen, nicht leer stehen zu lassen, sondern zu verkaufen. Unsere Farm, fuhr er fort, ist vollkommen groß genug, zwei Familien reichlich zu ernähren, in diese können sich, wenn wir einst die Augen geschlossen, unsere Buben theilen, für unsere Mädchen haben wir in der Nähe des Dorfes Reading zwei große Stücke des werthvollsten Landes, auf welche mir schon große Gebote gemacht wurden. Nun, wie wäre es, wenn wir unserm Theodor, wenn er uns noch eine zeitlang treulich dient, das erwähnte Stück Land schenken würden? — Unser Vetter Jakob de B. Keim würde dann einen guten Nachbar bekommen, Theodor sich eine Heimath gründen, seine Maria heimführen, gegen uns gewiß dankbar sein und oft zu uns herüberkommen, um zu sehen, ob unsere Buben Alles recht machen.