Allein es sollte leider anders werden. — Der Mensch denkt, Gott lenkt! —

In dieser Zeit erhoben sich immer mehr dunkele Wolken über die Colonien, immer mehr lastete der Druck der englischen Regierung auf ihren Colonisten in Nordamerika, immer mehr stieg die Erbitterung derselben gegen ihre Unterdrücker, und hatte bereits in Boston das Volk den so hoch von den Engländern besteuerten Thee aus den englischen Schiffen über Bord geworfen, auch hatten schon mehrere Gefechte zwischen den Colonisten und den englischen Soldaten stattgefunden.

Dies war die Veranlassung, daß die edelsten Männer des Landes sich in Philadelphia versammelten, um das englische Joch abzuschütteln. Sie riefen die Männer der Colonien zu den Waffen, um Gewalt gegen Gewalt zu setzen, und freudig erschienen täglich Hunderte, um sich anwerben zu lassen. Besonders herrschte in Philadelphia reges Leben, überall vernahm man Verwünschungen gegen das englische Gouvernement und seine Bevollmächtigten, und tüchtige Redner schürten das Feuer, bis es in helle Flammen aufloderte. Selbst Pastor Mühlenberg, der so christliche Mann, war über die Handlungen der englischen Regierung empört, und erklärte offen, daß der König von England und seine Gewaltherrscher gegen die Colonisten gewissenlos handelten.

Doch, lassen wir die Vorgänge ruhen, die bei dem Kampfe für Freiheit und Unabhängigkeit dieser Vereinigten Staaten stattfanden, dieselben sind ja Jedermann bekannt, und kehren wieder zu unserer Erzählung zurück.

Zufällig traf Theodor in Philadelphia einen jungen Bauerssohn Namens Isaak Levan, aus der Nachbarschaft von Reading, welcher einige Male Leinbach’s Farm besucht und mit welchem er und Friedrich, Leinbach’s ältester Sohn, gute Kameradschaft gemacht. Der junge Levan hatte öfters Friedrich und Theodor eingeladen, seines Vaters Farm in Elsaß, bei Reading, zu besuchen, doch hatten sie ihr Versprechen, dahin zu kommen, bis jetzt noch nicht erfüllen können.

Freudig begrüßten sich die beiden jungen Männer, und Levan erzählte Theodor, daß er auf die Bitte des Joseph Hister in Reading hierher gekommen sei, um zu erfahren, wie es mit der Sache der Aufständigen stehe, und auf welche Weise man denselben Hülfe bringen könne, denn in Reading und in Berks County überhaupt, sei man entschlossen, sein Schärflein zur Befreiung der Colonien aus den Händen der Engländer beizutragen, besonders sei es Joseph Hister, ein noch junger, doch für Freiheit und Unabhängigkeit glühender Mann, daran gelegen zu erfahren, wie es mit der Armee des Generals Washington stehe, da Joseph Hister beabsichtige, aus den jungen Leuten von Berks County eine Militärcompagnie zu errichten und dieselbe unter Commando des braven Washington zu stellen. Ferner erzählte Levan, daß er Benjamin Franklin und Thomas Jefferson besucht habe und diese ihm versichert, daß bei einer Energie und Opferwilligkeit, wie sie Washington besitze, derselbe zuletzt doch siegen müsse, wenn auch nach schweren Kämpfen, und hätten sich beide Männer sehr gefreut, daß die Deutschen sich mit Eifer der Sache der Freiheit annehmen. Auch in Bethlehem und Lancaster sammelten die Deutschen Leute, welche freiwillig in den Kampf für Freiheit ziehen wollten und ihre Zahl sei keine geringe. Jefferson habe ihm noch den besonderen Auftrag gegeben, Hister, dessen Vater er kenne, und von dem er wisse, daß er für die Sache der Unabhängigkeit hoch begeistert sei, sowie Alle, welche in den gerechten Kampf ziehen wollten, herzlich zu grüßen. Bedenke, junger Mann, habe Jefferson noch hinzugefügt, wenn wir sagen können, dieses große, herrliche Land ist unser, den Bürgern gehört’s, die sich selbst regieren wollen und können. Welcher Segen wird für uns entspringen, ja für die ganze Menschheit!

Nun Freund Theodor, fuhr Levan fort, will ich wieder nach Reading zurückkehren und berichten, was ich von den großen Patrioten vernommen, dann wollen wir eifrig daran gehen, eine Militär-Compagnie zu bilden und sobald dieselbe vollständig, in Washington’s Lager ziehen, auch ich will mitgehen, denn es ist ja des Mannes heiligste Pflicht, für Freiheit und Vaterland zu kämpfen und freudig ziehe ich in den Kampf.

Nachdem Levan seine Erzählung geendet hatte, stand Theodor noch eine zeitlang sinnend da, dann hob er plötzlich sein Haupt empor, reichte seinem Freunde die Hand und sprach: Isaak, glaube mir, ich bin wie du mit Leib und Seele der Sache der Freiheit und Unabhängigkeit ergeben, und was ich heute Morgen von dem braven Pastor Mühlenberg vernommen, daß die Engländer mit Feuer und Schwert die nach Gerechtigkeit rufenden Colonisten verfolgen und tyrannisiren, habe ich eine solche Wuth bekommen, daß ich auf der Stelle hätte darein schlagen mögen. Als mir aber der Pfarrer noch erzählte, daß sein Sohn Peter den Priesterrock ausgezogen, das Schwert umgürtet, um die Unterdrücker zum Lande hinauszujagen, da hatte ich keine Ruhe mehr, und bin jetzt froh, dich hier gefunden zu haben. Ich will mithelfen, den Räubertroß nach England zurückzujagen, und dazu bin ich jetzt fest entschlossen, obschon ich eben daran war, mir ein schönes Heim zu gründen und ein, ach! so liebes Weibchen, mein zu nennen, doch wie ein jeder guter Patriot sagt, will auch ich sagen: Es ist des Mannes heiligste Pflicht für Freiheit und Vaterland zu kämpfen. Nun, Levan, fuhr er fort, da dein Weg nach Reading nicht gar weit von unserer Farm vorbeizieht, so reite ich mit dir, du kehrst bei uns ein, erzählst Vater Leinbach was vorgeht, und da ich weiß, daß er einen großen Haß gegen die Unterdrücker hegt, so wird er wohl nichts dagegen haben, wenn auch ich mich den Berks Countyern anschließe und mit in den Krieg ziehe. Ehe ich jedoch Philadelphia verlasse, will ich noch einmal zu Pastor Mühlenberg gehen und ihm mein Vorhaben mittheilen und seinen Rath vernehmen. Du, Levan, gehst unterdessen zu Mutter Kreuderin, wartest auf meine Zurückkunft, dann wollen wir zusammen abreisen. Mache es nicht lange, erwiederte Levan, dann können wir heute noch Norris Wirthshaus erreichen, dort übernachten und morgen Abend noch Vater Leinbach’s Farm erreichen.

Theodor eilte nun der Behausung des Pfarrers Mühlenberg zu und als er in dieselbe getreten war, fand er die ganze Familie, auch Maria, in des Pfarrers Sprechstube. Alle waren in großer Aufregung, denn der Pfarrer hatte eben den folgenden Brief, den er von seinem Sohn Peter erhalten, vorgelesen: