Lieber Vater, Mutter und Geschwister!

Das zehnte Virginische Regiment, aus lauter Deutschen bestehend, zu dessen Colonel ich ernannt wurde, ist jetzt vollkommen gerüstet; meine Leute sind alle muthig und ziehen freudig noch heute in den Kampf für die gerechte Sache. Möge Gott uns Alle beschützen, und möget ihr nur Gutes von mir vernehmen. Ich verlasse ein theures Weib, ein liebes Kind, doch das Vaterland ruft mich und es ist meine Pflicht dem Rufe zu folgen.

Lebt Alle wohl!

Euer Peter Mühlenberg,
Colonel des zehnten Virginischen Regiments.

Durch diese Mittheilung ermuthigt, theilte Theodor den Pfarrersleuten mit, daß auch er sich entschlossen habe, dem Vaterlande seine Dienste zu weihen, und sich der Militär-Compagnie, die man jetzt in Reading gründe, anschließen wolle, wenn es Maria nicht zu hart nehme, daß er sie verlasse, wo ihnen jetzt eine so schöne Zukunft bevorstehe. Als Maria diese Worte vernommen, rollten schwere Thränen über ihre Wangen, doch mit festen Tritten trat sie zu ihm, reichte ihm die Hand und sprach: Mein lieber Theodor, du hast mir noch heute versprochen, eine gute Heimath uns zu gründen und mich als dein Weib heimzuführen, wodurch ich hoch erfreut war und mit großer Sehnsucht der Zeit entgegen sah, wo wir vereint mit einander leben sollten, doch darf ich dir nicht verhehlen, daß fort und fort eine düstere Ahnung mein Herz erfüllte, daß die so gewünschte Zeit sich in weite Ferne ziehen werde, und siehe, die Ahnung fängt heute schon an, sich zu bewahrheiten; doch glaube ja nicht, daß ich gegen dein Vorhaben bin, denn ich sehe ja hier schon seit einiger Zeit, daß viele Männer ihre Frauen und Kinder verlassen, um in den heiligen Kampf zu ziehen, wie es ja auch Vater Mühlenbergs Sohn gethan, und so sage ich, zieh’ hin mein theurer Theodor, bleibe treu bis in den Tod dem Vaterland und deiner Liebe. Sie drückte dem jungen Manne noch einen herzhaften Kuß auf den Mund und verließ eilig die Stube.

Erschüttert und bleich stand nach diesen Worten Maria’s Theodor bei den Pfarrersleuten, die ebenfalls von Maria’s Worten ergriffen waren; dann ging er aber rasch zu der Frau Pfarrerin, reichte ihr die Hand und bat mit den bewegtesten Worten, daß sie sich des armen Mädchens annehmen möchte, und wenn möglich zu veranlassen suchen, sich mit ihm trauen zu lassen, ehe er in den Krieg ziehe. Pfarrer Mühlenberg und sein gutes Weib versprachen Elternstelle bei Maria zu übernehmen und wollten sie auch zu bewegen suchen, sich mit ihm, ehe er in den Kampf ziehe, trauen zu lassen.

Nach herzlichem Abschied von der guten Familie, eilte er zu Frau Kreuderin, wo sein Freund Levan seiner wartete, und bald saßen die beiden jungen Leute zu Pferde und rasch ging es nach Oley zu, der Farm des Vaters Leinbach, welche sie auch am nächsten Nachmittag ohne Unfälle erreichten und von der ganzen Familie auf das Freundlichste aufgenommen wurden.

Theodor erzählte jetzt Alles was er in Philadelphia erlebt, ohne alle Umschweife. Er berichtete, wie er Freund Levan gefunden, von der gewaltigen Aufregung, welche in Philadelphia herrsche und wie jeder brave Mann daselbst gesonnen sei, für Freiheit und Unabhängigkeit in den Kampf zu ziehen. Selbst Männer in reiferem Alter hätten Weib und Kinder verlassen und die Waffen für die gerechte Sache ergriffen. Mein Freund Levan, fuhr er fort, ist auch ein guter Patriot und hat sich bereits der freiwilligen Militärcompagnie in Reading angeschlossen und auch ich habe gedacht, nachdem ich mich mit Pfarrer Mühlenberg und der Maria berathen, daß, wenn Ihr, lieber Vater Leinbach, nichts dagegen habt, ich mit Levan nach Reading gehe, mich der Compagnie anschließe und mit in den Kampf ziehe, denn es wäre ja eine Schande für einen kräftigen jungen Mann, wenn er sich zurückziehen wollte dem Vaterland zu dienen, während er sieht, daß Männer Weib und Kinder verlassen, zu den Waffen greifen, um Tyrannen aus dem Lande zu jagen. Selbst seine Maria hätte ihm zugerufen: Ziehe hinaus! Bleibe treu bis in den Tod dem Vaterland und deiner Liebe!

Als Vater Leinbach die von Theodor mit großer Begeisterung gesprochenen Worte vernommen, stand er auf, Thränen rollten über die Wangen des sonst abgehärteten Mannes, und mit tiefer Rührung sprach er: Theodor, das Vaterland, die gerechte Sache ruft dich, ziehe hinaus in den Kampf, der Herr begleite dich auf allen deinen Wegen und führe dich wieder glücklich zu uns zurück. Nun gehe und ruhe dich aus, denn morgen wird es noch gar Manches für dich zu thun geben.

Da es schon spät war, begaben sich die jungen Männer zur Ruhe, aber kaum begann das Grauen des nächsten Tages, da stand Theodor schon mit Leinbach’s beiden Söhnen in Berathung, wie fernerhin die Arbeiten auf der Farm geleitet werden sollten. Der ältere Sohn meinte, er könne jetzt den Vater nicht verlassen, daß ihn aber, sobald die schwerste Herbstarbeit verrichtet wäre, Niemand zurückhalten dürfe, mitzuhelfen, den Engländern das Fell zu verklopfen. Er werde, fuhr er fort, die Reading Compagnie aufsuchen, und stände sie in vollem Feuer. Gerührt schüttelte Theodor dem jungen Manne die Hand.