Es kam aber anders, als der gute Theodor sich gedacht, denn er mußte, ohne noch einmal seine Lieben gesehen zu haben, für immer von ihnen scheiden, denn kaum begann das Grauen des Tages, da wurde auch schon die Trommel im Lager gerührt und der scharfe Befehl gegeben, daß die Rekruten augenblicklich nach dem Delaware-Flusse marschiren sollten, wo bereits ein Schiff auf sie warte, um sie nach der Jersey Seite zu bringen. In aller Eile wurde auch dahin marschirt, das Schiff nahm sogleich die Soldaten auf, und in kurzer Zeit landete man in der Provinz New Jersey, wo mehrere Offiziere von Washingtons Armee die Rekruten empfingen und mit Waffen, Munition und sonst noch Nothwendigem versorgten. Nach einigen Stunden Ruhe begann der Marsch vorwärts nach Trenton, welcher Ort damals schon eine Stadt genannt wurde. Dort erhielt man den Befehl, nach Elisabethtown zu marschiren, daselbst zu bleiben und im Exerciren sich zu üben, bis die Leute fähig wären der regelmäßigen Armee einverleibt zu werden. Daselbst angelangt, wurden die Berks Countyer in zwei Compagnien getheilt, die erste unter Capitän Hister, die zweite unter Capitän Graul, und dann die jungen Soldaten durch die Exercirmeister fort und fort in der Handhabung der Waffen, sowie in den verschiedenen Märschen u. s. w. geübt.
Eines Tages stand Theodor mit noch einem Kameraden auf einer Anhöhe etwas entfernt vom Lagerplatz, wo man die ganze Gegend übersehen konnte, auf Wache, da sahen sie in der Gegend von Trenton her, mehrere Männer rasch gegen das Lager marschiren. Als sie nahe genug an den Wachtposten gelangt waren, so daß man einander verstehen konnte, rief Theodor denselben Halt!! zu und befahl ihnen nicht weiter zu gehen, ehe sie sich erklärt, was sie hier wollten. Soldaten werden, wie du, Theodor, rief eine hellklingende Stimme, und man denke sich die Ueberraschung, als Theodor in dem Rufenden seinen Freund, den jungen Friedrich Leinbach, erkannte. Er eilte auf ihn zu und umschlang ihn mit beiden Armen.
Endlich nahm Leinbach das Wort, deutete auf die vier jungen Männer, die mit ihm gekommen waren und sagte: Dieses sind meine Freunde Samuel Guldin, John de Turk, Samuel Bartolet und Jakob Yoder, alle aus Oley, die sich in Hister’s Compagnie aufnehmen lassen wollen, und du, Theodor, mußt uns Capitän Hister vorstellen. Gewiß, erwiederte er, aber jetzt, Friedrich, hast du mir auch sonst noch Mittheilungen zu machen? frug er etwas ängstlich. Ja, antwortete Friedrich: Zuerst Grüße von meinen Eltern und Geschwistern, dann tausende von deiner netten jungen Frau, und viele von Frau Kreuderin und den Pfarrersleuten, und alle hoffen und wünschen dich bald wieder zu sehen und hier schickt dir deine wackere Frau einen Silberring, den sie unter den nachgelassenen Sachen ihres Vaters gefunden, den du ihr zu Liebe stets tragen möchtest.
Die jungen Männer mußten bei Theodor bleiben, bis er abgelöst wurde, dann führte er sie zu Capitän Hister, der seine Berks Countyer Landsleute mit großer Freude empfing, in seine Compagnie einreihte und sie dann dem Exercirmeister freundlichst empfahl.
Theodor, den eine Art Heimweh beschlichen hatte, fühlte sich jetzt ganz glücklich, einen so theuren Freund, wie Leinbach, gefunden zu haben, der mit ihm brüderlich Leid und Freud theilen werde. Er erfuhr auch von Capitän Hister, als er die jungen Leute vorgestellt hatte, daß am folgenden Morgens der Armee-Bote nach Philadelphia sich begeben werde, und wenn er etwas dahin zu berichten hätte, dazu die beste Gelegenheit habe.
Noch spät Abends schrieb Theodor an seine liebe Frau, Friedrich an seine Eltern, worin sie unter Anderm meldeten, wie sie sich gefunden und wie sie nur der Tod trennen könne.
Die Briefe erreichten glücklich ihre Addressen und verbreiteten unter Verwandten und Bekannten der jungen Männer große Freude.
F. S. Berg Maria. [S. 58]