La Roche. Beweise genug—die Menge—aber das ist's eben—ich kann nichts damit beweisen!—Solchen abgefeimten Schelmen läßt sich nichts beweisen.—Vormals war er so arm, wie ich; jetzt sitzt er im Ueberfluß! Sagt' ich Ihnen, daß er seinen vorigen Einfluß zu Geld gemacht, daß sich sein ganzer Reichthum davon herschreibt—so kann ich das zwar nicht, wie man sagt, mit Brief und Siegel belegen—aber Gott weiß es, die Wahrheit ist's, ich will darauf leben und sterben.
Selicour. Diese Anklage ist von zu niedriger Art, um mich zu treffen —übrigens unterwerf' ich mich der strengsten Untersuchung!—Was ich besitze, ist die Frucht eines fünfzehnjährigen Fleißes; ich habe es mit saurem Schweiß und Nachtwachen erworben, und ich glaub' es nicht unedel zu verwenden. Es ernährt meine armen Verwandten; es fristet das Leben meiner dürftigen Mutter!
La Roche. Erlogen! Erlogen! Ich kann es freilich nicht beweisen!
Aber gelogen! Unverschämt gelogen!
Narbonne. Mäßigen Sie sich!
Selicour. Mein Gott! Was erleb' ich! Mein Freund La Roche ist's, der so hart mit mir umgeht!—Was für ein Wahnsinn hat dich ergriffen? Ich weiß nicht, soll ich über diese Wuth lachen oder böse werden.—Aber lachen auf Kosten eines Freundes, der sich für beleidigt hält—nein, das kann ich nicht, das ist zu ernsthaft!— Deinen alten Freund so zu verkennen!—Komm doch zu dir selbst, lieber La Roche, und bringe dich wenigstens nicht aus übel angebrachtem Trotz um eine so treffliche Stelle, als ich dir zugedacht habe.
Narbonne. Die Wahrheit zu sagen, Herr La Roche, diese
Halsstarrigkeit gibt mir keine gute Meinung von Ihnen,—Muß auch ich
Sie bitten, gegen Ihren Freund gerecht zu sein?—Auf Ehre! Der arme
Herr Selicour dauert mich von Herzen!
La Roche. Ich will das wohl glauben, gnädiger Herr! Hat er mich doch fast selbst, trotz meines gerechten Unwillens, auf einen Augenblick irre gemacht—aber nein, nein! Ich kenne ihn zu gut—zu gewiß bin ich meiner Sache.—Krieg, Krieg zwischen uns und keine Versöhnung! Hier, sehe ich, würde alles weitere Reden vergeblich sein; aber wiewohl der Spitzbube mich aufs Aeußerste treibt, lieber tausendmal Hungers sterben, als ihm mein Brod verdanken. Ich empfehle mich zu Gnaden! (Ab.)
Fünfter Auftritt.
Narbonne. Selicour.
Narbonne. Begreifen Sie diese hartnäckige Verstocktheit—