Mad. Belmont. Wir glaubten nicht besser für dein Glück sorgen zu können.

Charlotte. Von Ihren und meines Vaters Händen will ich gern einen Gatten annehmen—Aber, Sie werden mich für grillenhaft halten, liebe Großmama!—Ich weiß nicht—dieser Herr Selicour, den ich übrigens hochschätze—gegen den ich nichts einzuwenden habe—ich weiß nicht, wie es kommt—wenn ich mir ihn als meinen Gemahl denke, so—so empfinde ich in der Tiefe meines Herzens eine Art von—

Mad. Belmont. Doch nicht von Abneigung?

Charlotte. Von Grauen möcht' ich's sogar nennen! Ich weiß, daß ich ihm Unrecht thue; aber ich kann es nun einmal nicht überwinden—Ich fühle weit mehr Furcht vor ihm, als Liebe.

Mad. Belmont. Schon gut! Diese Furcht kennen wir, meine Tochter!

Charlotte. Nein! Hören Sie!—

Mad. Belmont. Eine angenehme mädchenhafte Schüchternheit! Das muß ich wissen, glaube mir.—Bin ich nicht auch einmal jung gewesen?— Uebrigens steht diese Partie deiner Familie an.—Ein Mann, der alles weiß—ein Mann von Geschmack—ein feiner Kenner—und ein so gefälliger, bewährter Freund.—Auch reißt man sich in allen Häusern um ihn.—Wäre er nicht eben jetzt seiner Mutter wegen bekümmert, so hätte er mir diesen Abend eine Romanze für dich versprochen—denn er kann alles, und dir möchte er gern in jeder Kleinigkeit zu Gefallen sein.—Aber ich hör' ihn kommen! Er läßt doch niemals auf sich warten! Wahrlich, es gibt seines Gleichen nicht!

Zweiter Auftritt.

Selicour zu den Vorigen.

Selicour. Sie verlangten heute ein gefühlvolles zärtliches Lied von mir! Ich habe mein Möglichstes gethan, Madame!—und lege es Ihnen hier zu Füßen.