Während bald darauf die Römer mitten im Frieden das erschöpfte Karthago zur Abtretung von Sardinien und Corsica nötigten, dann die seeräuberischen Illyrier und die Gallier im Gebiete des Po zu unterwerfen begannen, hatte Hamilkar Barkas in Karthago die Empörung der unbezahlten Söldnerhaufen zu dämpfen, die den karthagischen Staat dem Untergange nahe brachte. Nach Beendigung dieses Kampfes ging Hamilkar, ein unversöhnlicher Feind der Römer, nach Hispanien (Spanien), um durch die großen Hilfsmittel dieser damals noch freien und von den kriegerischen Stämmen der Ibēren bevölkerten Halbinsel seiner Vaterstadt wieder aufzuhelfen und neue Kräfte gegen Rom zu gewinnen. Als er im Begriff war abzureisen, bat ihn Hannibal, sein Sohn, ein Knabe von neun Jahren, ihn auf diesem Zuge begleiten zu dürfen. Der Vater versprach es und suchte zugleich das Herz seines Sohnes mit unaustilgbarem Hasse gegen Rom zu erfüllen. Er führte ihn vor den Altar, auf welchem er eben opferte. Alle Zeugen wurden entfernt, dann hieß er seinen Sohn den Altar umfassen und schwören, daß er zeitlebens ein Feind der Römer sein wolle. Das tat Hannibal, und nie ist ein Schwur treuer gehalten worden.
Neun Jahre focht Hamilkar in Spanien mit glücklichem Erfolg, unterwarf sich einen großen Teil der Einwohner mit Gewalt oder Klugheit, und gründete dort eine Herrschaft, welche den Verlust der Inseln reichlich ersetzte. Nachdem er in einer Schlacht gefallen war, übernahm sein Eidam Hásdrubal den Oberbefehl. Dieser setzte die kriegerischen Unternehmungen mit großem Glücke fort und gab dem neuerworbenen Lande in der von ihm gegründeten Stadt Neukarthago (heute Cartagena) eine trefflich gelegene Hauptstadt. Die Römer wurden über diese Fortschritte so besorgt, daß sie in einem Vertrage mit Hasdrubal den Fluß Ibērus (Ebro) als Grenze der karthagischen Eroberungen feststellten und die griechischen Handelsplätze, darunter die Stadt Saguntum (nördlich von Valencia), in ihren Schutz nahmen.
Hannibal war nach des Vaters Tode nach Karthago zurückgekehrt; Hasdrubal ließ ihn wieder zu sich kommen und vollendete seine kriegerische Erziehung. Acht Jahre hatte Hasdrubal den Oberbefehl in Spanien geführt, als er von einem Eingeborenen ermordet wurde. Jetzt rief das Heer den jungen Hannibal als Feldherrn aus, und Senat und Volk zu Karthago bestätigten die Wahl.
Im Lager aufgezogen, war Hannibal der Liebling des Heeres; die alten Krieger sahen in ihm des Vaters Ebenbild. Wenn eine Unternehmung Mut und Ausdauer erforderte, stellte schon Hasdrubal ihn am liebsten an die Spitze, und unter keinem Führer hatten die Krieger mehr Vertrauen und Siegeszuversicht. Mit der größten Kühnheit ging er in Gefahren, mit der größten Besonnenheit benahm er sich mitten in denselben, durch keine Beschwerde konnte sein Körper ermüdet, sein Geist gebeugt werden, Hitze und Kälte ertrug er mit gleicher Ausdauer, in Speise und Trank war er mäßig, und zum Schlafe gönnte er sich nur die Zeit, die ihm die Geschäfte übrig ließen. Dazu bedurfte er keines weichen Lagers, noch der Stille der Nacht, oft sahen ihn seine Krieger, nur mit einem kurzen Feldmantel bedeckt, zwischen den Wachen und Posten auf dem Boden liegen. Seine Kleidung war von der seiner Waffengenossen in nichts unterschieden, nur Waffen und Rosse kündigten den Feldherrn an. Er war bei weitem der beste Reiter, wie der beste Fußgänger. Als vorderster ging er ins Treffen, als letzter kehrte er zurück. Unerschöpflich in klugen Anschlägen, stets wohl unterrichtet von den Plänen der Feinde, fand er in jeder Not und Gefahr einen rettenden Ausweg. Einer der größten Feldherren aller Zeiten, ein weitschauender Staatsmann, ein tapferer Krieger, ließ er sich im Glück nicht zum Übermut verleiten, und trug er das Unglück mit zäher Geduld und festem Sinn. Milde lag nicht in seiner Art; hart und grausam gegen die Feinde, scheute er keine Arglist und Untreue, wenn sein Vorteil dazu riet.
Er war erst 28 Jahre alt, als er an die Spitze des hispanischen Heeres trat (221 v. Chr.). Sofort entschloß er sich mit Rom zu brechen.
Hasdrubal hatte den Vertrag mit den Römern, die Stadt Saguntum nicht anzugreifen, treulich gehalten. Hannibal kümmerte sich nicht darum, sondern schritt alsbald zu ihrer Belagerung. Als die Römer von der Bedrängnis der mit ihnen verbündeten Stadt hörten, ordneten sie eine Gesandtschaft an Hannibal ab, um ihn an den Vertrag zu erinnern. Der aber ließ sie gar nicht ins Lager, sondern befahl sie zu bescheiden, daß er mitten im Kampfe keine Zeit habe Gesandtschaften anzuhören. Ebenso erfolglos war die Gesandtschaft in Karthago. Inzwischen erfuhren die Saguntiner alle Schrecken einer Belagerung. Unter dem heldenmütigsten Widerstand der Einwohner und erst nach einer achtmonatlichen Einschließung und Bestürmung konnte Hannibal sich der Stadt bemächtigen (219). Als den Saguntinern alle Hoffnung geschwunden war, hatten die Vornehmsten alles Silber und Gold aus ihren Häusern auf dem Markt auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen und sich dann selber hinein gestürzt. Alle Wehrhaften wurden getötet, viele hatten sich mit Weib und Kind in ihre Häuser verschlossen und diese in Brand gesteckt. Alle übrigen wurden in die Knechtschaft verkauft (219).
Als die Kunde von dem schrecklichen Untergang der ihrem Schutze anvertrauten Stadt nach Rom kam, war die Entrüstung über solchen Friedensbruch unbeschreiblich. Sofort ging eine Gesandtschaft nach Karthago, an deren Spitze Quintus Fabius stand. Sie sollte die Auslieferung des vertragsbrüchigen Feldherrn fordern, oder, wenn diese verweigert würde, den Krieg ankündigen. Der karthagische Senat, in zwei Parteien geteilt, konnte zu keinem Entschluß kommen. Er suchte Ausflüchte zu machen und die Sache hinzuziehen, allein Qu. Fabius forderte eine bestimmte Erklärung. Indem er seine Toga zu einem Bausche faltete und dem Senate hinhielt, sagte er: „Hier liegt Krieg und Frieden: nehmt was ihr wollt!“ — „Wir nehmen,“ rief man ihm entgegen, „was ihr uns gebt.“ — „So nehmt den Krieg!“ erwiderte Fabius und entfaltete seine Toga mit einer drohenden Geberde, als ob er Waffen und Krieger herausschüttete.
So begann der zweite punische Krieg, der achtzehn Jahre (219–201) hindurch Italien, Spanien und Afrika verwüstete, Rom an den Rand des Verderbens brachte, und zuletzt mit der völligen Niederlage Karthagos endete.