Den Angriff machten die Syrer mit ihren furchtbaren Sichelwagen. Aber die römischen Schleuderer und Bogenschützen scheuchten die Pferde derselben durch ihre Geschosse und ihr Geschrei, sodaß sich diese mit den Wagen wendeten und auf den einen syrischen Flügel einstürmten, und als hier durch die Fliehenden eine Lücke entstand, drangen die römischen Reiter ein und brachten denselben samt dem ganzen Mitteltreffen in Verwirrung. Auf dem rechten Flügel dagegen war Antiochus schon nahe daran das römische Lager zu erobern, als er von der dort aufgestellten Besatzung so empfangen wurde, daß er sein Pferd zur Flucht wandte und den Römern das Schlachtfeld überließ. Von den Syrern waren 50000, von den Römern nur einige hundert Mann gefallen.

Antiochus, gänzlich geschlagen, mußte in einem schimpflichen Frieden Kleinasien bis an das Gebirge Taurus abtreten und 15000 Talente (über 70 Millionen Mark) zahlen. Auch gehörte zu den Friedensbedingungen Hannibals Auslieferung. Dieser floh aber zu Prúsias, dem König von Bithynien, der ihn sehr freundlich aufnahm und mit einer Burg beschenkte. Hier lebte er eine Zeitlang in Frieden, richtete aber seine Wohnung so ein, daß sie nach jeder Seite einen Ausgang hatte; denn er zweifelte ebenso sehr an der beharrlichen Treue des Königs, als er von dem Hasse der Römer gegen sich alles fürchtete. Und er irrte sich nicht.

Als die Römer von dem Aufenthalte ihres größten Feindes Nachricht erhalten hatten, schickten sie eine Gesandtschaft zu Prusias, an deren Spitze Flaminius stand. Dieser bat den König um die Auslieferung Hannibals. Der König scheute sich das Gastrecht zu verletzen, er fürchtete aber nicht minder das Gesuch abzuschlagen. Er ließ daher die Römer selbst hingehen, um sich Hannibals zu bemächtigen. Eines Tages sah dieser sein Haus auf allen Seiten von Bewaffneten umringt und keinen Ausweg zur Flucht mehr übrig. Eingedenk seiner großen Vergangenheit wollte er sich nicht lebendig gefangen geben. „So will ich denn endlich die Römer“, rief er aus, „von ihrer Angst befreien, da sie den Tod eines alten Mannes doch nicht erwarten können!“ Darauf nahm er das Gift, das er schon längst bei sich zu führen gewohnt war, und starb, wie er gelebt hatte, voll Haß gegen die Römer (183), einer der größten Feldherrn der alten wie der neuen Zeit, der furchtbarste Feind, den Rom je zu bestehen hatte.

In demselben Jahre endete auch das Leben seines großen Gegners Publius Scipio, des Siegers von Zama. Auch dieser war dem Neide und der Mißgunst seiner Mitbürger nicht entgangen. Er war als Unterfeldherr seinem schwächlichen und wenig begabten Bruder Lucius im Krieg gegen Antiochus nach Asien gefolgt, nach dessen siegreichem Ausgang jener den Ehrennamen Asiaticus erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er nebst seinem Bruder, auf Anstiften des Cato, angeklagt, sie wären von Antiochus bestochen worden, um ihm einen milden Frieden zu gewähren, und hätten einen Teil der Beute unterschlagen. Viele ehrliche, aber allzu argwöhnische Bürger mißbilligten zwar eine solche Anklage gegen einen so verdienstvollen Mann; dennoch ward Scipio von den Tribunen vor das Volksgericht geladen. Und er erschien am bestimmten Tage, aber wie ein Triumphator, das Haupt bekränzt, von zahlreichen Freunden und Anhängern begleitet. Mitten durch die Versammlung schritt er zur Rednerbühne. Aber anstatt sich gegen den schmählichen Vorwurf der Bestechlichkeit und der Unterschlagung zu verteidigen, zerriß er vor den Augen des Volkes die Rechnungen über seine und des Bruders Amtsführung, und rief: „An diesem Tage habe ich einst Hannibal bei Zama geschlagen und Karthago euch zinsbar gemacht. Laßt uns nicht undankbar gegen die Götter sein! Auf! gehen wir aufs Kapitol, um ihnen zu danken!“ Mit diesen Worten verließ er die Bühne und stieg zum nahen Kapitol hinan. Alles Volk brach in Beifall aus und folgte ihm, nur die Tribunen blieben, beschämt und verhöhnt, allein auf dem Platz zurück. Scipio wurde von dem Volke zuerst auf das Kapitolium, dort zum Tempel des Jupiter und endlich in seine eigene Wohnung zurückbegleitet. So ward dieser Tag der Anklage für ihn fast noch ehrenvoller als der Tag seines Triumphes.

Da aber die Anfeindungen seiner Neider und Gegner gleichwohl nicht nachließen, so erfüllte sich das Gemüt des stolzen Mannes mit solcher Bitterkeit, daß er nicht mehr inmitten so vieler Undankbarkeit weilen mochte: er verließ Rom und zog sich auf sein Landgut Liternum in Campanien zurück. Aber der Haß der Tribunen verfolgte ihn auch hier. Sie erneuerten ihre Anklage; vergebens entschuldigte ihn sein Bruder durch eine Krankheit. Erst als Tiberius Gracchus, sonst ein Feind der Scipionen, eine solche Anklage für eine des römischen Staates unwürdige Handlung erklärte, ließen die Tribunen davon ab. Scipio aber verlebte den Rest seiner Tage in Liternum, ohne je nach Rom zurückzukehren. Ja der Groll gegen seine Vaterstadt war so groß, daß er seiner Gattin befahl seinen Leichnam nicht in dem Grabmal der Scipionen an der appischen Straße, nahe vor Rom, sondern in Liternum beizusetzen und dort auf sein Grab die Worte zu schreiben: „Undankbare Vaterstadt, auch meine Gebeine sollst du nicht haben!“

XXI.
Kriege gegen Makedonien. Ämilius Paulus. — Der jüngere Scipio Africanus. Karthagos Zerstörung.

Nachdem die Römer aus dem zweiten punischen Kriege, der anfangs ihren Staat mit dem Untergang bedroht hatte, siegreich hervorgegangen waren, dehnten sie ihre Eroberungen auch nach Osten aus, wo sie den Kampf mit den aus Alexanders des Großen Weltmonarchie entstandenen Reichen begannen. Schon ehe Lucius Scipio, wie bereits erwähnt, Antiochus, den König von Syrien, bei Magnesia besiegte, war Philippus III. von Makedonien, der im punischen Kriege auf Hannibals Seite getreten war, in der Schlacht bei Kynosképhalä in Thessalien, wo die berühmte makedonische Phalanx den römischen Legionen gegenübertrat, von Quinctius Flamininus geschlagen worden (197). Im Frieden mußte Philippus alle seine Eroberungen in Griechenland herausgeben, worauf Flamininus, für griechische Bildung begeistert, bei den isthmischen Spielen Griechenlands Freiheit verkündigte. Die Griechen sollten fortan nach eigenen Gesetzen leben, keine fremde Besatzung im Lande haben und keinen Tribut bezahlen.

König Philipp suchte zwar den Frieden mit dem stetig vordringenden Rom solange als möglich zu erhalten, erkannte aber die seinem Reiche von dort dräuende Gefahr und traf alle Vorbereitungen zu einem neuen Kriege, der auch bald nach seinem Tode unter seinem Sohne Perseus zum Ausbruch kam. Die Römer führten diesen Krieg in den ersten Jahren sehr lässig, und erst Ämilius Paullus erzwang durch den entscheidenden Sieg bei Pydna die Unterwerfung Makedoniens (168).

Kurz vor dieser Schlacht trat eine Mondfinsternis ein, die ein römischer, der Astronomie kundiger Oberst, Sulpicius Gallus, dem Heere vorhergesagt und erklärt hatte, damit sie dieselbe nicht für ein böses Vorzeichen halten möchten, während die Makedoner sie für ein Unglückszeichen hielten und vor Angst laut schrieen. Als die Schlacht begann, bot der starre Lanzenwald der dichtgeschlossenen makedonischen Phalanx den Römern einen so furchtbaren Anblick dar, daß es lange Zeit nicht gelingen wollte die Legionen zum Angriff heranzubringen. Erst als Ämilius hier und da Lücken bemerkte, befahl er in Keilstellung sich in die Lücken einzudrängen, und während die Elefanten den einen seiner Flügel zum Weichen brachten, sprengte er selbst mit einer Legion die Mittelstellung des Feindes. So ward der Sieg in einer Stunde entschieden; 20000 Makedoner bedeckten das Schlachtfeld, 11000 wurden gefangen. Bald darauf war Perseus genötigt sich mit den Seinigen den Römern zu ergeben.

Ämilius Paulus feierte zu Rom einen dreitägigen Triumph und brachte eine unermeßliche Beute heim. In allen Straßen und auf allen freien Plätzen waren Schaugerüste für das Volk errichtet; alle Tempel waren geöffnet und strömten, mit Kränzen geschmückt, den Duft des köstlichsten Weihrauchs aus. Am ersten Tage wurden die erbeuteten Gemälde, Bildsäulen, Vasen und sonstiges Kunstgerät auf 250 Wagen aufgeführt. Am zweiten Tage wurden die eroberten Waffen und Rüstungen im hellsten Glanze und in kunstreicher Anordnung umhergefahren, darauf 750 Gefäße mit gemünztem Silber, zuletzt die kunstvollsten Silbergeräte der verschiedensten Art, von zahlreichen Trägern vorübergetragen. Am dritten Tage eröffneten 120 bekränzte Opferstiere den Zug; ihnen folgten festlich geschmückte Knaben und Jünglinge mit Opfergefäßen; dann kam des Perseus Schatz und sein Wagen mit dem Diadem und Waffenschmuck, endlich seine Kinder, Perseus selbst mit verstörtem Gesicht, samt seiner Gemahlin und Verwandtschaft. Alsdann wurden 400 goldene Ehrenkronen, welche die griechischen Städte dem Sieger gewidmet hatten, vorbeigetragen. Den Schluß machte Ämilius selbst auf einem mit vier weißen Rossen bespannten Triumphwagen in goldgesticktem Purpurgewand, einen Lorbeerzweig in der Hand, und hinter ihm das siegreiche Heer.