Die Konsuln hatten indessen mit ihrem Angriff gezögert. Als sie endlich heranrückten, um die Stadt mit Sturm zu nehmen, wurden sie zurückgeschlagen. Außerdem war Hasdrubal, ein verbannter Karthager, mit 20000 Vertriebenen zurückgekehrt. So verteidigten sich die Karthager zwei Jahre lang (149–147) mit verzweifeltem Mute, und alle Anstrengungen der römischen Feldherren blieben ohne Erfolg.

Da wählten die Römer, des langen Zauderns müde, den P. Cornelius Scipio zum Konsul und übertrugen ihm den Oberbefehl gegen Karthago. Scipio fand ein zuchtloses und träges Heer; die Herstellung der Kriegszucht war daher seine erste Sorge. Dann legte er große Wälle und Dämme an, um den Karthagern die Zufuhr vom Lande und von der Seeseite her abzuschneiden. Aber die Karthager gruben auf der inneren Seite des Hafens eine neue Mündung ins Meer hinaus. Da sie die Arbeit ganz geheim betrieben hatten, so erstaunten die Belagerer nicht wenig, als sie eines Tages die Feinde mit 50 Kriegsschiffen heranfahren sahen. Scipio schlug sie jedoch in einem Seegefechte, und machte nun Anstalt zur Bestürmung der Stadt und rückte an die Mauer. Im Frühling des Jahres 146 erstürmte er zuerst den unteren Teil der Stadt, der an die Häfen stieß, während die Burg Byrsa und die zunächst anstoßenden Straßen noch von Feinden besetzt blieben. Hier waren die Häuser am höchsten und ein jedes mußte von den Römern, während die Punier Geschosse jeder Art schleuderten, mit stürmender Hand genommen werden. In den Straßen, in den Häusern, sogar auf den Dächern wurde gekämpft. Und als nun die äußerste Häuserreihe genommen war, befahl Scipio das ganze Quartier anzuzünden, um einen freien Raum für die Bestürmung der Burg selbst zu gewinnen. Sechs Tage vergingen, ehe die entsetzliche Verwüstung vollendet und die Trümmer- und Leichenhaufen weggeräumt waren. Am siebenten Tage kamen 25000 Frauen aus der Burg herab und baten um Schonung ihres Lebens. Scipio bewilligte ihre Bitte. Darauf kamen 30000 Männer und verlangten dieselbe Gnade. Noch wollte Hasdrubal, der Befehlshaber der Burg, nichts von Übergabe wissen. Mit Weib und Kind und mit 900 römischen Überläufern zog er sich zuletzt in das hohe Tempelgebäude des Äsculapius (des Gottes der Heilkunst) zurück. Als aber die Römer auch bis zu dieser äußersten Höhe herangerückt waren, verließ ihn der Mut. Ohne Mitwissen der anderen kam er mit einem Ölzweige in der Hand und bat zu Scipios Füßen um Frieden. Seine Gattin und die übrigen zündeten den Tempel an und stürzten sich in die Flammen. Die noch nicht zerstörten Teile der Stadt wurden darauf zur Plünderung den Truppen preisgegeben; nur die Beute der Tempel an Gold, Silber und Kunstwerken behielt Scipio für den öffentlichen Schatz. Die meisten Einwohner wurden als Sklaven verkauft; viele, unter ihnen auch Hasdrubal, wurden als Gefangene an einzelne italische Städte verteilt und von diesen bis zu ihrem Tode in Haft gehalten. Der Senat beschloß, daß Karthago dem Erdboden gleich gemacht und jeder verflucht sein sollte, der je die Stätte desselben wieder bebauen würde. Nach diesem Beschluß wurden auch die noch stehenden Reste der Stadt angezündet. Siebzehn Tage brannte die vorher von 700000 Menschen bevölkerte, über 700 Jahre alte gewaltige Stadt. Eines Tages beschaute Scipio an der Seite seines Freundes, des griechischen Geschichtschreibers Polybios, von einer Anhöhe aus die rauchenden Trümmer der Stadt, deren Flotten einst die Meere beherrscht hatten. Eine tiefe Wehmut ergriff ihn, da er der Hinfälligkeit aller Menschenmacht und Menschenglückes gedachte, und er erinnerte sich und die Freunde jener Worte, die der Dichter Homer dem Priamos in den Mund legt:

Einst wird kommen der Tag, da die heilige Ilios hinsinkt,

Priamos selbst und das Volk des lanzenkundigen Königs.

Scipio erhielt von der Zerstörung Karthagos den Ehrennamen Africanus, und wird, um ihn von dem älteren Scipio, dem Sieger bei Zama, zu unterscheiden, der jüngere Afrikaner (Africanus minor) genannt. Das Gebiet Karthagos ward unter dem Namen Afrika eine römische Provinz.

In demselben Jahre, als Karthago fiel, wurde auch Makedonien in eine römische Provinz verwandelt, und auch das freie Griechenland infolge einer Empörung unter den Statthalter von Makedonien gestellt, nachdem die große und reiche Stadt Korinth durch den Konsul Mummius erobert und zerstört worden war (146).

Nachdem Scipio zwölf Jahre in Ruhe und Muße, mit den Wissenschaften beschäftigt, gelebt hatte, wurde ihm eine neue Gelegenheit zu kriegerischer Auszeichnung zuteil. Die Veranlassung zu diesem neuen siegreichen Feldzug bot der Kampf gegen die Stadt Numántia in Spanien.

In dieser Provinz hatte die Habsucht, die Willkür und rohe Grausamkeit der römischen Statthalter, von denen einer sogar wehrlos versammelte Einwohner, die sich unterwarfen, niederhauen ließ, eine allgemeine Empörung erregt. An die Spitze stellte sich Viriáthus, ein kühner Lusitanier. Gewöhnt an ein freies Leben im Gebirge, abgehärtet, gewandt, kräftig von Körper, keine Gefahr scheuend, geliebt von seinen Landsleuten, vertraut mit dem Boden seines bergigen Vaterlandes, verstand er sein Volk zum Kampf für die Freiheit zu begeistern. So verteidigte er sich acht Jahre lang (148–140) gegen die römischen Feldherren, bis er endlich durch Meuchelmord fiel.

Aber auch nach seinem Tode dauerte der Freiheitskampf der Spanier fort. Den heftigsten Widerstand leistete zuletzt die Stadt Numántia. Sie lag auf der altkastilischen Hochebene, am Flusse Durius (Dūero), auf steiler Höhe, von Talschluchten und Wäldern umgeben; Wälle und Gräben schützten den einzigen Zugang aus der Ebene. Die keltiberischen Einwohner, unter ihnen gegen 8000 wehrhafte Männer, waren wegen ihrer kriegerischen Tüchtigkeit bekannt. Schon sieben Jahre lang hatten sie sich gegen die römischen Angriffe behauptet, und in Rom begann man unruhig und besorgt zu werden. Man zieh die bisherigen Führer der Unfähigkeit oder des Verrats und meinte, nur Scipio, der Zerstörer Karthagos, könne hier helfen. So übertrug ihm das Volk den Heerbefehl in Spanien (134).