Einst hatte Spartacus mit seinen Truppen eine Höhe besetzt; der römische Befehlshaber konnte sie hier nicht angreifen und lagerte sich vor der Höhe, da, wo ein einziger schmaler Weg zu ihr hinaufführte, um die Feinde auszuhungern. Allein diese verfertigten aus wilden Weinranken, mit denen die Höhe besetzt war, möglichst starke Ketten, an denen sie sich nachts an der steilsten Stelle herabließen, ohne daß die Römer auf der andern Seite das Mindeste merkten. Ja, sie wurden sogar von den um den Berg herumgekommenen Fechtern so plötzlich überfallen, daß sie die Flucht ergriffen und das Lager preisgaben. Dieser Sieg verschaffte dem Spartacus einen solchen Ruf, daß ihm weitere Tausende von Sklaven zuliefen.
Ein andermal hatte ihn der römische Prätor schon eingeschlossen, sodaß er entweder sich ergeben oder durch Hunger umkommen mußte. Da ließ er nachts vor dem Lager Leichname, die an Pfähle gebunden waren und Waffen in den Händen hielten, in gehörigen Zwischenräumen aufstellen; alle Wachtfeuer brannten, ein Trompeter blies dann und wann; dies alles, damit die Römer ihr Lager fortwährend besetzt halten sollten. Inzwischen entwischte Spartacus mit seinem ganzen Heere an einer wenig bewachten Stelle.
So schlug er nach einander drei Prätoren und zwei Konsuln. Da er jedoch fühlte, daß er seine aus 70000 Mann angeschwollene Masse wilder Thraker, Gallier und Germanen nicht lange werde zusammenhalten können, so suchte er nach Oberitalien zu dringen, um sie von da über die Alpen in ihre Heimat zu führen. Allein das Raubleben in Italien gefiel den meisten, und ein Unterbefehlshaber des Spartacus, namens Crixus, trennte sich mit 30000 Galliern von ihm, erlitt aber bald eine völlige Niederlage. Spartacus selbst ward von seinen Leuten gedrängt sie gegen Rom zu führen.
Hier wurde der durch seinen Reichtum bekannte Licinius Crassus zum Feldherrn gegen Spartacus ernannt. Er stellte zuerst die verfallene Kriegszucht wieder her, ließ in zwei Legionen seines Unterfeldherrn den zehnten Mann zur Strafe für ihre schimpfliche Flucht hinrichten, und schloß dann den Feind durch einen meilenlangen Wallgraben ein. Spartacus aber durchbrach den Wall und ward dann von Crassus zur Schlacht am Flusse Silārus in Lucanien (71) genötigt. Er kämpfte mit dem Mute eines Löwen; er hatte sein Pferd selbst erstochen, denn er wollte siegen oder sterben. Er stürzte sich in den Feind und suchte den Crassus zu treffen, jedoch vergebens; dagegen sanken viele andere unter seinen Streichen. Als er, schwer an der Hüfte verwundet, nicht mehr stehen konnte, schlug er knieend um sich, bis er aus der Ferne mit Wurfspießen getötet wurde. In der Schlacht kamen 60000 Sklaven um, 6000 wurden gefangen und an der Landstraße von Capua nach Rom ans Kreuz geschlagen, und nur einem Reste von 5000 Mann gelang es sich nach Oberitalien durchzuschlagen.
Aber hier stießen sie auf die Legionen, mit denen Pompejus aus Spanien heimkehrte. Er vernichtete den Haufen mit leichter Mühe bis auf den letzten Mann, und schrieb großprahlend an den Senat, Crassus habe zwar die Sklaven in geordnetem Treffen geschlagen, er aber habe diesem Sklavenkrieg erst die Wurzel ausgerissen! Gepriesen von seinen Schmeichlern, erhielt er nach seinem Triumph über Spanien das Konsulat, in dem er eben jenen Licinius Crassus, der ihm natürlich nicht hold war, zum Amtsgenossen hatte. Diese beiden Männer strebten jetzt nach der Gunst des Volkes und dadurch nach der Herrschaft. Crassus bewirtete das Volk an 10000 Tafeln und spendete ihm Getreide auf drei Monate; Pompejus stellte die Macht der Volkstribunen, die Sulla beschränkt hatte, wieder her, um mit ihrer Hilfe seine ehrgeizigen Pläne zu fördern (70).
Am Schluß dieses Jahres vermittelten Freunde zwischen beiden Konsuln eine Versöhnung, wobei sich der gutmütigere Crassus zuerst von seinem Sitze erhob und dem Pompejus die Hand reichte. Dieser liebte es mit erkünstelter Bescheidenheit aufzutreten. Als in dem Jahre seines Konsulats die Censoren die übliche Musterung über die Ritter hielten, erschien auch Pompejus, als ob er dem Ritterstande angehörte, sein Pferd am Zügel führend. Alles staunte; und als er auf die Frage, ob er auch die den Angehörigen des Ritterstandes obliegenden Feldzüge mitgemacht habe, mit lauter Stimme antwortete: „Ja, alle, und zwar immer als Oberbefehlshaber!“ da brach die Menge in lauten Beifall aus und gab ihm jubelnd das Ehrengeleit nach seinem Hause.
4. Pompejus besiegt die Seeräuber.
Schon seit vielen Jahren befanden sich die östlichen Provinzen des römischen Reiches in fortgesetzter Bedrängnis durch das überhandnehmende Unwesen der Seeräuber, die namentlich seit dem Kriege mit Mithridates durch die Söldnerscharen, welche in seinen Diensten gestanden, außerordentlichen Zuwachs erhalten hatten. Sie hatten ihren Sitz hauptsächlich an den rauhen Küsten Ciliciens in Kleinasien und auf Kreta, und betrieben ihre Raubzüge in planmäßiger Ordnung. Alle Küstenländer und Küstenstädte, sowie die Inseln von der Küste Asiens bis zur spanischen Meerenge wurden durch Plünderungen, Menschenraub und Erpressungen in Not und Schrecken gesetzt. Sie befuhren mit weit über tausend trefflich bemannten und schnell segelnden Schiffen das Meer, erschienen in ganzen kriegsmäßig geleiteten Geschwadern, geboten über 400 eroberte Städte und hatten allenthalben ihre festen Plätze, wo sie ihren Raub verbargen und verpraßten. Sie liefen in die Mündungen der Flüsse ein und überall, wo sie landeten, wagte man es nicht mehr das Feld zu bestellen. Dabei hatten sie immer ihre Hehler und Helfer in den Provinzen wie in Italien selbst. Vorzüglich gingen sie darauf aus, angesehene Personen aufzufangen, um hohe Lösegelder für sie zu bekommen; wer sich nicht löste, verlor Freiheit oder Leben. Besonders suchten sie die Küsten Italiens heim, wo sie bald da, bald dort landeten und einmal sogar die Tochter eines Senators, ja selbst zwei Prätoren samt ihren Liktoren fortschleppten. So waren die Herren der Welt nicht mehr Herren an ihrem eigenen Herde.
Schon seit dem Jahre 78 v. Chr. führten die Römer Krieg gegen die Seeräuber; aber wenn diese auch einmal geschlagen und ihre Raubnester zerstört wurden, so war doch das Unwesen nicht ausgerottet, ja es trat nach einiger Zeit noch stärker hervor, sodaß Handel und Verkehr allgemein stockte, die Getreideschiffe aus Sizilien und Afrika ausblieben, in Rom die Teuerung immer höher stieg, und Hungersnot und Aufruhr des Stadtvolkes drohte. Als nun endlich sogar vor Ostia, wenige Meilen von der Hauptstadt, eine römische Flotte von den Seeräubern geschlagen und versenkt wurde, da erkannte man die Notwendigkeit entscheidende Maßregeln zu ergreifen (67). Der Volkstribun Aulus Gabinius, ein Anhänger des Pompejus, trat mit dem Vorschlage auf, man solle einen der gewesenen Konsuln mit der Führung des Krieges gegen die Seeräuber betrauen und ihm auf drei Jahre mit den nötigen Truppen und Geldmitteln die unumschränkte Gewalt, Verfügung über die ganze Seemacht und über alle Küstenländer des römischen Reiches bis auf zehn Meilen landeinwärts übertragen.
Da jedermann einsah, daß unter dem Einen, dem man auf diese Weise den Befehl über fast das halbe römische Reich in die Hände legen sollte, kein anderer als Pompejus gemeint sein konnte, so setzte der Senat den ernstesten Widerstand entgegen. Bei den Beratungen über den Antrag des Gabinius ging es so stürmisch und gewalttätig zu, daß dieser selbst in Lebensgefahr geriet; aber auch die Senatoren würden vom Volke, das dem Tribunen zu Hilfe in den Sitzungssaal eingedrungen war, erschlagen worden sein, wenn sie nicht geflohen wären. Pompejus selbst gab sich zwar in einer Rede vor der Volksversammlung den Anschein, als wünsche er dieser großen Aufgabe, die so vielen Neid und Widerspruch errege, überhoben zu sein; er habe schon so viel im Kriege ausgestanden, daß er (der kaum 40 Jahre alt war) sich selbst als ein abgebrauchter alter Mann vorkäme; man sollte daher einen Tüchtigeren wählen. Das Volk ward dadurch nur noch bestärkt in dem Entschlusse den Vorschlag des Tribunen durchzusetzen, und es erhob sich ein solcher Lärm, daß ein oben vorbeifliegender Rabe, von dem Geschrei betäubt, zur Erde fiel.