Sertorius vermied auch nach seiner Verstärkung durch Perpenna fortwährend offene Feldschlachten, sondern beschränkte sich auf den kleinen Krieg, den er in dem bergigen Lande mit Glück führte. Einst verlangten seine eigenen Soldaten, kühn geworden durch die immer zunehmende Zahl ihres Heeres, mit Ungestüm eine förmliche Schlacht. Sertorius gab nach. Bald aber wurden sie von den Feinden so bedrängt, daß ihr Untergang unvermeidlich gewesen wäre, wenn nicht Sertorius im rechten Augenblick zu ihrem Schutz herbeigeeilt wäre und sie sicher ins Lager zurückgeführt hätte. Als sie durch diesen Unfall mutlos geworden waren, ließ er einige Tage später zwei Pferde vorführen. Das eine war alt und schwach, das andere stark und jung mit einem dicken Schweif. Hinter jenes stellte er einen starken, hinter das andere einen kleinen schwächeren Soldaten. Auf ein gegebenes Zeichen mußten beide versuchen, den Pferden die Schweife auszuziehen. Der starke Soldat ergriff mit einem Mal den ganzen Schweif des schwachen Pferdes, um ihn mit einem Zuge auszureißen; aber er zog und zog, immer vergeblich. Indeß riß der kleine Soldat dem starken Pferde ein Haar nach dem andern aus, bis er zuletzt den ganzen Schweif in Händen hielt. So lehrte er sie, wie sie durch Ausdauer und kleine Gefechte auch einen überlegenen Feind schwächen könnten.

Die Fortschritte des Sertorius erregten endlich in Rom solche Besorgnisse, daß man den Pompejus mit einem neuen Heere nach Spanien schickte. Pompejus führte sein Heer von 30000 Mann zu Fuß und 1000 Reitern durch Gallien über die Pyrenäen (76). Jahrelang focht er, aber ohne Glück und Entscheidung gegen den unbesiegbaren Marianer, der sich sogar mit König Mithridates von Pontus in ein Bündnis einließ, bis endlich schnöder Verrat und Meuchelmord den Helden zu Fall brachte.

Als nämlich die Römer einen Preis von 100 Talenten und 20000 Morgen Landes auf den Kopf des Sertorius setzten, da ließen sich viele zum Abfall bewegen. Gefährlicher noch ward daher im eigenen Heer der ehrgeizige Perpenna, der, weil er dem Sertorius den Oberbefehl mißgönnte, die Gemüter vieler Untergebenen von ihm abwendig machte. Er stiftete Zwietracht im Senat des Sertorius und machte auch die Treue der Eingeborenen wankend. Da wurde Sertorius mißtrauisch und grausam und ließ sich zu einer furchtbaren Tat hinreißen: er ließ die Söhne der vornehmsten Spanier, welche er des Abfalles bezichtigte, in der Schule zu Oska töten. Die tiefe Mißstimmung und Erbitterung, die solches Verfahren auch bei den bisher treuesten Anhängern hervorrief, benutzte sein Legat Perpenna als Gelegenheit zu seinem Untergang. Er stiftete eine Verschwörung an und lud seinen arglosen Feldherrn zu einem Gastmahl ein, zu dem dieser mit zweien seiner Geheimschreiber erschien. Auf ein gegebenes Zeichen erhoben sich die Mitverschworenen des Gastgebers und töteten Sertorius mit den beiden Schreibern (72).

Perpenna stellte sich nun selbst an die Spitze des Heeres und hoffte die Sache der Marianer weiter zu führen. Bald aber ward er von Pompejus geschlagen und gefangen genommen. Vergebens erbot er sich die in seinen Händen befindlichen Briefe auszuliefern, durch die viele römische Senatoren in Gefahr gekommen wären. Pompejus ließ die Briefe ungelesen verbrennen und den Verräter hinrichten. Die überlebenden Marianer flüchteten übers Meer nach Mauretanien oder warfen sich auf den Seeraub. Die beiden spanischen Provinzen kehrten unter die römische Herrschaft zurück.

Da Metellus inzwischen schon nach Italien zurückgekehrt war, konnte sich Pompejus rühmen dem langjährigen und gefährlichen Kriege ein Ende gemacht zu haben, und mit jenem zusammen im folgenden Jahre einen glänzenden Triumph feiern. Sein Glück sollte ihm bald Gelegenheit bieten, neue kriegerische Lorbeern zu ernten.

3. Pompejus besiegt die Reste des Sklavenaufstandes.

Während des letzten Jahres, in welchem Pompejus in Spanien focht, wurde Italien durch einen schrecklichen Sklavenaufstand überrascht, der in der grausamen Behandlung der Sklaven seine Ursache hatte. Schon längst hatte bei den Römern das blutgierige Vergnügen Eingang gefunden, Menschen bei öffentlichen Festlichkeiten auf Leben und Tod mit einander fechten zu sehen. Solche Fechter nannte man Gladiatoren (vom lat. gladius „Schwert“). Anfangs nahm man dazu Gefangene und Verbrecher; allein die Sucht des römischen Volkes, sich an solchen Fechterspielen zu ergötzen, nahm so zu, daß ganze Sklavenhorden von gewinnsüchtigen Unternehmern gekauft, in eigenen Fechterschulen abgerichtet und an die hohen Beamten, welche dem Volke solche Spiele auf ihre Kosten zu geben pflegten, vermietet wurden. So fochten oft viele Hunderte von Fechterpaaren vor dem Volke und gaben zur Belustigung desselben ihr Leben hin.

Um diesem unmenschlichen Zustand zu entgehen, entfloh aus einer solchen Fechterschule zu Capua der Thraker Spartacus mit einer Anzahl seiner thrakischen und gallischen Unglücksgenossen. In diesem Manne fand sich bei einer ungemeinen Körperstärke eine unbändige Freiheitsliebe, kühner Wagemut und eine seltene kriegerische Begabung. Anfangs der Hauptmann einer Räuberbande, erwies er sich bald als ein wirklicher Feldherr und erneuerte in Italien den „hannibalischen Schrecken“. Der Zulauf zu seiner kleinen Schar war so gewaltig, daß er nicht nur ein römisches Heer nach dem andern schlug, sondern auch Rom selbst zittern machte.

Anfangs setzte er sich mit seinen Gefährten in der Umgegend des Vesuvs fest. Bald sammelten sich mehr und mehr Fechter und Sklaven aus Süditalien um ihn, die er militärisch ordnete; Raub und Kriegsbeute verschafften Unterhalt und Waffen, und seine Erfolge begeisterten die wilden Haufen bald zu unbedingtem Gehorsam gegen den kühnen Führer. In Rom verkannte man anfangs die Größe der Gefahr. Die schwachen Kohorten, die man gegen den Aufstand sandte, wurden geschlagen. Erst als der Übermut und die Grausamkeit des täglich anwachsenden Heerhaufens die Städte Unteritaliens in Not und Schrecken setzte, rückten größere Truppen gegen ihn aus, die einen regelrechten Feldzug eröffneten.