Aber schon im zweiten Jahre legte er die Diktatur nieder (79), nachdem er noch einmal in einer Rede vor dem Volke seine Taten und sein Glück gepriesen hatte. Er lebte dann noch ein Jahr als Privatmann, dem Vergnügen und der Jagd ergeben. Seine letzten Tage wurden ihm durch eine sehr schmerzhafte und Ekel erregende Krankheit verbittert. Er starb im Jahre 78. In seiner Zurückgezogenheit hatte er die Denkwürdigkeiten seines Lebens in griechischer Sprache geschrieben. Sein Leichnam ward auf dem Marsfeld verbrannt. In der Grabschrift, die er selber verfaßt hatte, rühmte er sich, daß er alles gute oder schlimme, daß er von Menschen erfahren hätte, ihnen reichlich vergolten habe.

XXV.
Gnaeus Pompejus Magnus.

1. Sein erstes Auftreten.

Gnaeus Pompejus, geboren 106, war der Sohn des Pompejus Strabo, der im Kriege der Römer gegen ihre aufständischen italischen Bundesgenossen (91–88 v. Chr.) mit Auszeichnung gefochten und einen Triumph gefeiert hatte. Während aber der Vater wegen seiner Geldgier und seines zweideutigen politischen Verhaltens beim Volk und beim Heer mißliebig war, wußte der junge Pompejus durch Vorzüge des Geistes und Charakters, durch persönliche Anmut und leutseliges Benehmen die Liebe und Gunst des Volkes zu gewinnen. Schon als Jüngling gab er Beweise von Mut und Unerschrockenheit. Während des Bürgerkrieges hatte Cinna einen Mörder gegen den älteren Pompejus gedungen, allein der Anschlag ward verraten und durch die wachsame Umsicht des Sohnes vereitelt. Ein andermal, als die Truppen dem verhaßten Feldherrn den Gehorsam weigerten und dieser aus Furcht nicht hervortrat, stellte sich der Sohn mitten unter die Soldaten, die bereits das Lager verlassen wollten, und suchte sie durch geschickte Rede zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Als seine Vorstellungen nichts fruchteten, warf er sich vor dem Tor des Lagers zur Erde und hieß diejenigen, die abziehen wollten, zuvor seinen Körper zertreten. Bei diesem Anblick kehrten die beschämten Soldaten zurück und versöhnten sich mit ihrem Feldherrn.

Im Bürgerkriege nahm er entschiedene Partei für Sulla und die Sache der Optimaten. Solange die Herrschaft der Marianer dauerte, lebte er auf seinen Gütern, trat aber, als Sulla nach Italien zurückgekehrt war, offen für diesen auf. Siegreich kämpfte er mit seiner Truppe, die er selbst geworben, gegen die Marianer, sodaß Sulla dem erst 23jährigen jungen Krieger den Ehrennamen Imperator beilegte. Als Sulla seinen Einzug in Rom gehalten hatte, sandte er den Pompejus nach Sizilien und Afrika, um auch dort die Marianer zu vernichten. In Sizilien schlug er Papirius Carbo, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Nach Afrika übergesetzt, gelang es ihm in nur vierzig Tagen diese Provinz zu beruhigen. Als dann seine Legionen, nach Beendigung des Krieges, auf Sullas Befehl sich auflösen sollten, wollten diese die Waffen nicht eher niederlegen, als bis man sie auf gleiche Weise wie die Sullanischen belohnt hätte; ja sie forderten sogar den Pompejus auf sie gegen Sulla zu führen, und nur durch die Drohung, er werde lieber sich selbst töten, wußte dieser die Meuterer zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Diese selbstlose Hingebung setzte ihn bei dem Diktator in die höchste Gunst. Dieser gab ihm den ehrenden Beinamen des Großen (Magnus) und zeichnete ihn noch besonders dadurch aus, daß er sich bei seinem Eintritt vom Amtssessel erhob. Als aber Pompejus auch die Ehre des Triumphes verlangte, eine Ehre, die nur siegreichen Prätoren und Konsuln zuteil zu werden pflegte, schlug ihm Sulla seine Bitte ab und verwies ihm seinen allzu großen Ehrgeiz. Da hatte der junge Sieger die Kühnheit zu erwidern: „Die aufgehende Sonne hat mehr Anbeter als die untergehende!“ Sulla, durch diese kecke Äußerung betroffen, gewährte ihm zwar die Bitte und rief zweimal: „So triumphiere denn!“ Aber von der Zeit an waren beide Männer keine Freunde mehr.

Dennoch blieb Pompejus der Partei des Sulla getreu. Die eigentliche Zeit seines Ruhmes brach aber erst nach Sullas Tode an, als er Gelegenheit fand eine Reihe glücklicher Kriege zu führen. Freilich waren es seine glänzenden Eigenschaften nicht allein, die ihn solche Erfolge erringen ließen; nicht selten war es die besondere Gunst der Umstände, die ihn dabei unterstützten, und die Kunst sich die Siege anderer und ihre Früchte anzueignen.

2. Pompejus gegen Sertorius.

Quintus Sertorius stammte aus dem Sabinerlande, aus einer bislang namenlosen Familie. In seiner Vaterstadt erlangte er einigen Ruf durch seine Beredsamkeit; bald aber widmete er sich einzig und allein dem Waffendienste. Er machte die Feldzüge gegen die Cimbern und Teutonen mit und kämpfte später im Bundesgenossenkrieg. Er verrichtete so bewunderungswürdige Taten, daß das Volk ihn mit lautem Freudengeschrei begrüßte, so oft er zu Rom im Theater erschien. Bei dem Ausbruche des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla schloß er sich jenem an, und als die Sache der Marianer in Italien verloren war, ging er nach Spanien, wo er sich acht Jahre lang, 80–72, als Haupt der in Italien unterlegenen Volkspartei gegen die Übermacht der gegen ihn vom Staat geschickten Heerführer siegreich behauptete. Unermüdlich in allen Anstrengungen des Krieges, abgehärtet und bedürfnislos wie ein einfacher Kriegsmann, dabei mit List und Gewandtheit allen Gefahren sich entziehend, mit immer neuen Anschlägen die Gegner überraschend, ward er ein Abgott seiner Anhänger und des spanischen Volkes, das ihn den zweiten Hannibal nannte.

Anfangs, als sein Heer noch klein und ungeregelt war, wurde er von dem ersten Heere, das Sulla gegen ihn geschickt hatte, genötigt, Spanien zu verlassen. Da fuhr er denn mit seinen 3000 Mann eine Zeitlang abenteuernd an den spanischen Küsten umher, und schon kam ihm der trübe Gedanke, aus der zerrütteten römischen Welt auszuscheiden und sich auf den „glücklichen Inseln“ (den kanarischen), deren paradiesische Schönheit die überlieferten Erzählungen griechischer Seefahrer nicht genug rühmen konnten, eine neue Heimat zu suchen. Aber seine Truppen hatten dazu keine Lust, und so führte er sie nach Afrika hinüber zu den Mauretaniern, denen er in einem Aufstande gegen ihren König half. Hier erwarben ihm seine Taten einen solchen Ruf, daß eine Einladung der noch immer freiheitsstolzen Lusitaner (im heutigen Portugal) an ihn erging, sie gegen die Heere der römischen Statthalter anzuführen. Nun ging er wieder nach Spanien. Hier wußte er durch Mut und Tapferkeit, durch Klugheit und erfindsamen Geist, sowie durch milde und rücksichtsvolle Behandlung der Eingeborenen die Hälfte aller spanischen Völkerschaften auf seine Seite zu ziehen. Sie räumten ihm volle Feldherrngewalt ein und ließen sich sogar die Strenge des römischen Kriegsdienstes gefallen. Um die Eingeborenen im Gehorsam zu erhalten, kam ihm ein Aberglaube zustatten. Die Spanier standen nämlich in der Meinung, eine Gottheit tue ihm ihren Willen durch die weiße Hindin kund, die er sich gezähmt hatte, und die ihn überall begleitete, selbst mitten im Kriegslärm.

So bildete er aus Lusitanern und Celtiberern waffengeübte Heerhaufen, mit denen er, verstärkt durch die aus Italien ihm zuströmenden marianischen Flüchtlinge, lange Zeit im kleinen Gebirgskrieg den römischen Legionen widerstand. Zwei Prokonsuln waren schon im Kampf gegen ihn gefallen. Die ganze Provinz schien bereits dem römischen Reiche verloren und Italien selber und die Herrschaft der Optimaten in Rom bedroht, zumal auch der Prokonsul Metellus Pius wenig gegen ihn ausrichtete. Perpenna, ein aus Italien vertriebener Marianer, der im Jahre 77 mit dem Rest der marianischen Truppen in Spanien erschienen war, ward von seinen Soldaten genötigt sich mit Sertorius zu vereinigen und ihm unterzuordnen. Dieser bildete nun einen eigenen Senat von 300 Mitgliedern, den er für den eigentlichen römischen Senat erklärte, während der Senat zu Rom nur aus Sullas Sklaven bestände. Auch errichtete er zu Oska auf seine Kosten eine Schule, wo die vornehmsten Hispanier ihre Söhne nach Art der jungen Römer erziehen und in der lateinischen und griechischen Sprache unterrichten ließen.