Aber auch nach seiner Begnadigung mochte sich Cäsar noch nicht für ganz sicher gehalten haben, denn bald verließ er Rom und begab sich nach Rhodus, um sich dort in der Beredsamkeit auszubilden. Auf der Fahrt dorthin geriet er in die Hände von Seeräubern, die damals noch ihr Unwesen trieben. Während der vierzig Tage, die er bei ihnen bleiben mußte, bis er das verlangte Lösegeld herbeischaffen konnte, wußte er sich so in Achtung zu setzen, daß er nicht ihr Gefangener, sondern ihr Herr zu sein schien. So hatten sie für seine Auslösung zwanzig Talente verlangt, da rief er: „Wie? für einen Mann, wie ich bin, nur zwanzig Talente? Ihr sollt fünfzig haben.“ Während der Gefangenschaft beschäftigte er sich mit der Abfassung von Reden und Gedichten, die er dann wohl den Piraten vorlas. Kargten sie dabei mit ihrem Beifall, so schalt er sie und drohte, er werde sie alle ans Kreuz schlagen lassen. Wenn er schlafen wollte, verbot er ihnen jedes Geräusch, und sie gehorchten. So mächtig erwies sich seine geistige Überlegenheit selbst auf die verwilderten Gemüter dieser rohen Gesellen. Kaum war er frei, so brachte er einige milesische Schiffe zusammen, überfiel damit die Seeräuber und ließ sie wirklich, wie er ihnen im Scherze gedroht, in Pergamon ans Kreuz schlagen.
Nach Rom zurückgekehrt, schloß er sich an Pompejus an, den er bei Herstellung der Gewalt der Tribunen unterstützte, und wußte durch seine Beredsamkeit und Leutseligkeit die Gunst des Volkes zu gewinnen. Besonders erwarb er sich den Beifall der noch zahlreichen Anhänger des Marius dadurch, als er seiner Tante, der Witwe des Marius, bei ihrer Bestattung eine Grabrede hielt, worin er die Verdienste des den Optimaten so verhaßten Mannes zu preisen wagte und sein Bildnis, dem Verbote trotzend, unter den Ahnenbildern seines eigenen Geschlechtes einhertragen ließ. Auch ließ er auf dem Kapitolium die Bildsäule desselben und seine Siegeszeichen aus dem jugurthinischen und cimbrischen Kriege, die von Sulla zerstört waren, wieder herstellen.
Im Jahre 67 wurde er Quästor in der spanischen Provinz Lusitanien. Als er dort zu Gades im Herkulestempel ein Standbild Alexanders des Großen sah, rief er unter Tränen aus: „Der hatte in meinem Alter schon die Welt erobert, und ich habe noch gar nichts getan!“ Als Ädil gewann er durch ungemein prachtvolle und kostbare Spiele, wobei er unter anderem 320 Fechterpaare in silbernen Rüstungen auftreten ließ, die Gunst der Volksmenge in hohem Grade, stürzte sich aber auch in große Schulden. Im Vertrauen auf diese Volksgunst bewarb er sich, obwohl noch sehr jung, um die erledigte Würde des Oberpriesters, die bislang nur die ältesten und geehrtesten Konsulare zu bekleiden pflegten. Als ihn am Tage der Wahl seine Mutter nicht ohne Tränen zur Tür geleitete, sagte er: „Heute, Mutter, siehst du deinen Sohn entweder als Oberpriester oder als Verbannten wieder!“ Und in der Tat hatte er das Glück dem an Alter und Amtswürde weit überlegenen Catulus bei der Wahl vorgezogen zu werden. Als Prätor bekam er die Verwaltung desselben Spaniens, in dem er Quästor gewesen war. Doch hätte er Schulden halber nicht abreisen können, wenn nicht Crassus für ihre ungeheure Summe (18 Millionen Mark) seine Bürgschaft gewährt hätte. Als er auf dieser Reise durch ein kleines Städtchen jenseits der Alpen kam, warf einer aus seiner Begleitung die Frage auf, ob man sich in diesem Örtchen wohl auch um Rang und Ämter streite. „Gewiß“, antwortete Cäsar, „ich wenigstens will lieber hier der erste als in Rom der zweite sein!“ In seiner Provinz Spanien erwarb er übrigens so viel, und machte in glücklichen Kriegen solche Beute, daß er nicht nur seine Schulden bezahlen, sondern auch noch eine große Summe in den Staatsschatz legen konnte.
Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, stand gerade die Konsulwahl für das Jahr 59 bevor. Um das Konsulat zu erlangen, verband er sich mit Pompejus, der durch seine Taten und Erfolge der angesehenste Mann in Rom war, und mit Crassus, der einen ungeheuren Reichtum besaß. Diesen Bund der drei Römer nannten ihre Gegner spöttisch ein Triumvirat (Dreimännerschaft). Sie versprachen sich einander, in den Kämpfen mit ihren politischen Gegnern bei Wahlen und im Senat mit allen Mitteln zu unterstützen. Denn auch Pompejus war mit dem Senat zerfallen, der die Einrichtungen, die er aus Eigenmacht in Asien getroffen hatte, nicht bestätigen wollte. Diese Bestätigung versprach ihm Cäsar beim Volke durchzusetzen. Cäsar erlangte das Konsulat, erhielt aber als Kollegen in diesem Amte den Kandidaten seiner Gegner, M. Calpurnius Bibulus.
Als Konsul fuhr er fort sich um die Gunst des Volkes zu bewerben und die Macht der Senatspartei zu schwächen. Dazu diente ihm besonders ein Gesetz, das armen römischen Bürgern Landbesitz in Campanien anwies. Als Bibulus sich diesem Gesetze entgegenstellte, entstand eine solche Bewegung in der Volksversammlung gegen ihn, daß er nur mit Mühe sein Leben rettete. Seit dieser Zeit wagte der eingeschüchterte Mitkonsul überhaupt keinen Widerstand mehr; ja, er hielt sich fortan, aus Furcht vor Cäsars gebieterischem Auftreten, während des Restes seines Amtsjahres in seinem Hause verschlossen. Daher nannten die Spötter dieses Konsulat nicht das des Cäsar und Bibulus, sondern das des Julius und des Cäsar.
Am Schlusse des Jahres ließ sich Cäsar die Provinzen Illyrien und das diesseitige Gallien (Gallia cisalpina) als Statthalterschaft auf fünf Jahre zuweisen, worauf der Senat noch die Provinz des jenseitigen Galliens (Gallia transalpina) hinzufügte, in der geheimen Hoffnung, er werde dort in allerlei Verlegenheiten verwickelt und auf diese Weise am besten von Rom ferngehalten werden. Um seine Verbindung mit Pompejus zu befestigen, gab Cäsar ihm seine Tochter Julia zur Gemahlin. Sodann wußte er noch zwei Männer aus Rom zu entfernen, die seine geheimen Absichten durchschaut hatten und seinen Plänen gefährlich werden konnten. Diese Männer waren Cato und Cicero; Cato ward nach der Insel Cypern gesandt, um dieselbe in eine römische Provinz zu verwandeln, Cicero aber durch den Volkstribunen Clodius genötigt in die Verbannung zu gehen ([S. 151]).
Im Frühjahr des Jahres 58 eilte Cäsar hinüber nach Gallien, dem Lande der Kelten. Von diesem Lande besaßen die Römer damals nur den südöstlichen Teil (s. [S. 116]); das übrige Gallien war von den Römern noch nicht bezwungen. Hier fand Cäsar in achtjährigem Kriege (58–51) Gelegenheit, das römische Reich um drei große Provinzen zu vergrößern, sich selber aber den Ruhm eines der größten Feldherrn zu erwerben und ein ihm treu ergebenes großes Heer zu bilden, mit dessen Hilfe er sich bald der Reichsherrschaft selber bemächtigen konnte.
Gleich im ersten Jahre seiner Statthalterschaft geriet er in Kampf mit den gefürchteten Germanen. In einem Zwiste der gallischen Äduer und Sequaner hatten die letzteren den Sueben Ariovist vom rechten Rheinufer her zu Hilfe gerufen. Dieser besiegte die Äduer und setzte sich mit seinen Scharen, die allmählich auf 120000 Mann anwuchsen, im Lande der Äduer fest. Auch die Sequaner zwang er ein Dritteil ihres Landes ihm zu überlassen, und ein zweites Dritteil nahm er gerade für neue Ankömmlinge in Anspruch, als Cäsar von Äduern und Sequanern zu Hilfe gerufen ward. Ariovist war unter Cäsars Konsulat mit dem Ehrentitel „Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes“ ausgezeichnet worden und stand mit diesem bis dahin in gutem Vernehmen. Dennoch glaubte Cäsar die fortwährenden Zuzüge der Germanen nach Gallien, die auch für die römische Provinz gefährlich werden konnten, hindern zu müssen, und forderte den Ariovist zu einer Unterredung auf. Dieser aber gab die stolze Antwort: wenn er selbst von Cäsar etwas begehren sollte, so würde er selbst ihn aufsuchen; so möge Cäsar das Gleiche tun und zu ihm kommen. Übrigens begreife er nicht, was die Römer in diesem seinem Gallien zu tun und zu sagen hätten. Hierauf ließ ihn Cäsar auffordern den Galliern ihre Freiheit wiederzugeben und keine Germanen mehr über den Rhein kommen zu lassen. Dagegen erklärte Ariovist: es sei Brauch des Krieges, daß die Sieger über die Besiegten nach Gutdünken herrschten; auch die Römer herrschten über die Besiegten nach eigenem und nicht nach fremdem Ermessen. Wie er den Römern nicht vorschreibe, wie sie ihr Recht gebrauchen sollten, so wollte auch er in seinem Rechte vom römischen Volke nicht behindert sein. Wenn übrigens Cäsar Krieg wolle, möge er nur kommen; dann werde er einsehen, was seine noch nie besiegten Germanen, die in vierzehn Jahren harten Kriegsdienstes unter kein Dach gekommen wären, auszurichten vermöchten.
Als hierauf Cäsar die Hauptstadt der Sequaner Vesontio (Besançon) besetzte und eine Schlacht bevorstand, wurde das römische Heer von gewaltiger Furcht und Mutlosigkeit überfallen. Die Gerüchte von der Wildheit und Unüberwindlichkeit der Germanen, deren Mienen und feuriger Blick nicht zu ertragen seien, hatten ein Zagen und Klagen unter den Legionen erregt. Viele Offiziere, meist junge vornehme und des Krieges noch ungewohnte Männer, verlangten unter allerlei Vorwänden Urlaub, um nach Hause zu gehen; andere machten ihr Testament. Aber durch eine kräftige Rede wußte Cäsar die Verzagten zu beschämen und den Mut seiner Legionen wieder aufzurichten. In der bald darauf folgenden Schlacht, in der Gegend zwischen Vesontio und dem Rhein, wahrscheinlich in der Nähe von Mülhausen im Elsaß, siegte die römische Kriegskunst über die Germanen, die völlig geschlagen wurden. Ariovist rettete sich auf einem Kahne über den Rhein.