In den folgenden Jahren zwang Cäsar, unter blutigen Kämpfen und nach wiederholten Aufständen, fast alle gallischen Stämme sich der römischen Herrschaft zu unterwerfen. Auch war er der erste Feldherr, der zweimal nach Germanien (55 und 53) und Britannien (55 und 54) übersetzte, nicht um auch diese Länder dauernd zu behaupten, sondern um ihre kriegslustigen Völker von Einfällen in Gallien und Unterstützung der Gallier abzuschrecken.

Gallien schien endlich beruhigt, als sich im Jahre 52 noch einmal alle gallischen Völkerschaften zwischen Seine, Loire und Garonne zu einem Kampfe um ihre Freiheit erhoben. An der Spitze derselben stand der kräftige und kluge Vercingétorix, ein Fürst der Arverner. Allein die Geistesgegenwart und Feldherrnkunst Cäsars, sowie die Tüchtigkeit seiner Legionen, insbesondere auch die Tapferkeit germanischer Söldner trug einen entschiedenen Sieg davon. Der Krieg zog sich endlich um die Stadt Alesia (heute Alise St. Reine, zwischen Dijon und Chatillon) zusammen. In diese hochgelegene feste Stadt warf sich Vercingetorix mit 80000 Mann, worauf Cäsar Stadt und Lager der Feinde mit 60000 Mann einschloß, indem er eine Umwallung von fast zwei Meilen an Umfang errichtete und dann eine zweite noch ausgedehntere Reihe von Befestigungen aufwarf, um sich gegen ein Heer von 257000 Mann zu schützen, welches heranzog, um Alesia zu entsetzen. Aber sowohl gegen die Ausfälle der Belagerten als gegen die Angriffe der Gallier, die von außen seine Werke umzingelten, behauptete sich Cäsar mit Beharrlichkeit und Glück. Die Heerhaufen der Gallier wurden geschlagen und zogen einzeln wieder davon; Vercingetorix sah keine Hilfe mehr, und in der Stadt nahm Hunger und Elend immer mehr zu. Da faßte er den Entschluß durch Aufopferung seiner selbst die Eingeschlossenen zu retten. In voller Rüstung, auf seinem besten Roß, erschien er vor dem Sieger, umritt dessen Tribunal, gab dann Roß und Waffen ab und ließ sich schweigend auf den Stufen zu Cäsars Füßen nieder. Fünf Jahre später ward er bei Cäsars Triumph durch die Straßen Roms geführt und dann enthauptet. Nach der Übergabe von Alesia baten die abgefallenen Völker um Frieden. Der Widerstand der Gallier war gebrochen, und nur wenige Stämme versuchten noch, aber ohne allen Erfolg, das Glück der Waffen. Cäsar konnte die Unterwerfung Galliens als vollendet betrachten. Er hatte in diesen Kriegen 800 Städte erobert, 300 Völkerschaften unterworfen und im ganzen eine Million Streiter vernichtet, zwei Millionen aber zu Gefangenen gemacht.

2. Cäsars Kampf gegen Pompejus (49–48).

Während Cäsar Gallien unterjochte, blieb Pompejus fortwährend in Rom, um durch seine Gegenwart seine Macht zu behaupten und zu erhöhen. Im Jahre 55 bekleidete er mit Crassus zum zweiten Male das Konsulat, nach dessen Ablauf dem Crassus Syrien, ihm selber Spanien und Afrika als Provinzen zufielen. Cäsar hingegen erhielt die Erneuerung seiner Statthalterschaft auf weitere fünf Jahre.

Crassus eilte nach Syrien, um von dort aus einen Feldzug gegen die Parther, die Nachbarn der Meder und Perser, welche mit ihren zahlreichen Reiterscharen von Osten her die römischen Provinzen in Vorderasien seit mehreren Jahren heimsuchten, zu unternehmen. Aber in unersättlicher Habsucht brachte er seine Zeit damit zu allenthalben Geld zu erpressen und die Tempelschätze zu plündern, wie er denn im Tempel zu Hierapolis tagelang mit Abwägen des Goldes beschäftigt war. Inzwischen gewannen die Parther Zeit zu mächtigen Rüstungen, und als es dann in Mesopotamien bei Karrhä zur Schlacht kam, wurde er gänzlich geschlagen. Auf dem Rückzug ließ er sich durch den parthischen Feldherrn in einen Hinterhalt locken, in dem er verräterisch getötet ward (53).

Durch den Tod des Crassus hatte sich das sogenannte Triumvirat in ein Duumvirat, d. h. in eine Verbindung zweier Männer verwandelt. Da aber im Jahre 52 Julia, die Tochter Cäsars und Gemahlin des Pompejus, welche bis dahin die Eintracht zwischen den beiden Machthabern erhalten hatte, starb, so wurde die Verbindung zwischen ihnen, die ja nie aufrichtig gemeint war, noch mehr gelockert. Pompejus war nach Ablauf seines Konsulates nicht in seine Provinzen gegangen, sondern ließ sie durch Legaten verwalten, um nur immer in Rom zu sein, wo es ihm gelang für das Jahr 52 gegen alles Herkommen, zum alleinigen Konsul ernannt zu werden. Dagegen unterließ aber auch Cäsar nicht durch Bestechungen die einflußreichsten Männer in Rom zu gewinnen, darunter den talentvollen und beredten Volkstribunen Curio. Als nun der Zeitpunkt herannahte, wo die feindselige Spannung zwischen beiden Männern in offenen Kampf ausbrechen sollte, überließ sich Pompejus einer großen Sorglosigkeit, ohne an Gegenrüstungen zu denken. Als ihn jemand daran erinnerte, äußerte er in stolzer Zuversicht: „Wo ich nur in Italien mit dem Fuße auf die Erde stampfe, da werden Legionen hervorkommen.“

Cäsar gedachte sich um das Konsulat für das Jahr 49 zu bewerben, wollte aber nicht, nach der herkömmlichen Ordnung, ein halbes Jahr vor dem Antritt des Amtes sich persönlich in Rom bewerben. Denn dann hätte er seine Stellung als Statthalter der ihm übertragenen Provinzen zuvor verlassen und seine Legionen abgeben müssen, und wäre als Privatmann gegen die Angriffe seiner Gegner machtlos geworden. Aber eben deshalb bestand auch der Senat hartnäckig auf der Forderung, daß er nur persönlich, nicht aus der Ferne, und als Privatmann, ohne Amt und Heerbefehl, als Bewerber um das Konsulat auftreten solle. An dieser Frage entzündete sich der seit lange drohende Kampf. Denn Cäsar forderte, daß dann auch Pompejus auf seine Provinzen und Legionen verzichten müsse. So wurde eine Zeit lang über die Frage, hin und her gestritten. Endlich beschloß der Senat, daß Cäsar seine Kriegsmacht abgeben sollte, wo nicht, so werde er als Feind des Vaterlandes betrachtet werden. Die dem Cäsar treu ergebenen Tribunen M. Antonius und C. Cassius erhoben leidenschaftlichen Einspruch. Da schritt der Senat zu dem äußersten Mittel: er erteilte den Konsuln unbeschränkte Vollmacht mit der alten Formel, „die Konsuln sollten darauf achten, daß das Gemeinwesen (res publica) keinen Schaden nehme“, und gegen Cäsars Unbotmäßigkeit mit Waffengewalt einzuschreiten. Jetzt flohen die beiden Tribunen, als wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher, als Sklaven verkleidet, nach Ravenna, einer nahe an der Grenze gelegenen Stadt der gallischen Provinz, wo sich Cäsar damals aufhielt, und meldeten ihm, daß der Krieg gegen ihn beschlossen sei. Er war seit lange auf diesen Ausgang seines Streites mit Pompejus und der Senatspartei vorbereitet, und handelte nun mit seiner gewohnten Raschheit.

Er führte die Tribunen in derselben entwürdigenden Kleidung, in der sie zu ihm geflohen waren, vor die Reihen der Legion, mit der er nach Ravenna vorgerückt war, stellte ihnen das ihm widerfahrene Unrecht vor und schloß seine Rede mit der Frage, ob sie die Ehre ihres Feldherrn verteidigen wollten, unter dessen Anführung sie so viele glückliche Schlachten geliefert hätten. Freudig riefen alle, sie wären bereit ihn zu verteidigen, und gelobten ihn niemals zu verlassen, wohin er sie auch führen würde. Kaum war er der Treue seiner Legionen gewiß, so schickte er sie heimlich an den Fluß Rúbico, der seine Provinz von dem eigentlichen Italien trennte. Er selbst blieb bis zu Ende des folgenden Tages in Ravenna. Um sein Vorhaben zu verbergen und keinen Verdacht zu erregen, besuchte er früh ein öffentliches Schauspiel, besah zur Mittagszeit die Anlage einer Fechterschule, die er zu Ravenna bauen lassen wollte, und gab gegen Abend seiner Gewohnheit gemäß ein großes Gastmahl. Erst nach Sonnenuntergang stand er von Tische auf, unter dem Vorwand, daß er durch ein kleines Geschäft abgerufen werde, und mit dem Versprechen sobald als möglich wiederkommen zu wollen. Aber er kam nicht zurück. Er reiste vielmehr mit seinen vertrautesten Freunden zum Fluß Rubico, den er vor Tagesanbruch erreichte. Und nun stand er im Begriff den Krieg gegen sein Vaterland zu beginnen, denn mit dem Übergang über den Grenzfluß überschritt er zugleich seine amtliche Befugnis und erhob die Fahne der Empörung gegen die bestehende Staatsordnung. Es war der Beginn des Bürgerkriegs. Ein solches Beginnen mußte, wenn auch seit lange von Cäsar erwogen und beschlossen, ihm in letzter Stunde noch einmal alle damit verbundenen Bedenken und Gefahren vor die Seele führen. Wohl möchten diese Gedanken auch eines Cäsars Geist erschüttern. „Noch ist es Zeit zurückzukehren“, sagte er zu seinen Freunden, „sind wir aber einmal über diese Brücke gegangen, dann muß alles mit den Waffen entschieden werden.“

Lange, so erzählt man, stand er und sann. Endlich rief er: „Wohlan, die Götter wollen es, die Feinde fordern uns, der Würfel sei geworfen!“ Und sogleich ließ er seine Truppen hinübergehen, rückte in größter Eile vor Ariminum (Rimini) und nahm diese Stadt noch am Morgen des Tages ein.

Zu spät erwachte jetzt Pompejus aus dem Schlummer der Sorglosigkeit. Auf seine Soldaten, die, wenn auch 30000 Mann stark, keine Lust hatten sich mit Cäsars sieggewohnten Legionen zu schlagen, konnte er sich nicht verlassen. Jetzt mußte er sogar den Vorwurf hören, er möge doch nun die verheißenen Legionen aus der Erde hervorstampfen! Dagegen rückte Cäsar in raschem Siegeslauf die Küste entlang und nahm ohne Schwertstreich eine Stadt nach der anderen. Da verlor Pompejus den Mut; er verließ Rom mit den Konsuln, den meisten Senatoren und allen seinen Anhängern, und ging nach Capua, wo seine Legionen standen. So übereilt war die Flucht, daß die Konsuln den gefüllten Schatz in Rom zurückließen und sich begnügten nur die Schlüssel mitzunehmen. Von Capua eilte Pompejus nach Brundisium (Bríndisi), um von da über das Meer nach Griechenland zu gehen. Ohne Kampf überließ er Italien seinem Gegner.