Während Antonius den Senat mit steigender Anmaßung und trotzigem Übermut behandelte, bewies ihm der schlaue Octavianus die größte Ehrerbietung. Unter den alten Soldaten Cäsars hatte er viele Anhänger, die zu Tausenden seinen Fahnen zuströmten. An der Spitze dieser Truppen gelang es ihm den Antonius aus Rom zu verdrängen. Dieser ging, nach dem Ablauf seines Konsulates, in das diesseitige Gallien, welche Provinz er dem Decimus Brutus entreißen wollte; aber von den beiden neuen Konsuln und Octavianus bei Mútina (Módena) geschlagen, mußte er ins jenseitige Gallien fliehen (43).
Als die nächste Sorge vor Antonius vorüber war, glaubte der Senat den Octavianus entbehren zu können und begann ihn mit Kälte zu behandeln. Aber dieser wandte sich an seine treuen Legionen und stellte ihnen vor, daß ihnen in Rom der Lohn ihrer Taten verweigert würde. Da sandten die Truppen aus ihrer Mitte Abgeordnete an den Senat und forderten für Octavianus das Konsulat. Als man dies abschlug, rief einer der Abgeordneten, an sein Schwert schlagend: „Dieses wirds ihm geben!“ worauf Cicero erwiderte: „Wenn das bitten heißt, so wird man es ihm gewähren müssen.“ Nach dieser Weigerung des Senats rückte Octavianus mit acht Legionen gegen Rom vor, wo das Volk ihn mit Jubel aufnahm und der Senat sich in alle seine Forderungen fügen mußte. Seine Soldaten belohnte Octavianus aus dem öffentlichen Schatze; dann ließ er sich zum Konsul wählen und das Verbannungsurteil über Cäsars Mörder aussprechen. Um aber nachdrücklich an ihnen Rache nehmen zu können, hielt er es für zweckmäßig sich wieder mit Antonius zu verbinden.
Dieser hatte sich inzwischen in Gallien mit Lépidus vereinigt und eine Macht von 23 Legionen und 10000 Reitern zusammengebracht. Octavianus zog beiden entgegen, und Antonius ergriff die dargebotene Hand zu einer Vereinigung. Sie wählten eine kleine Insel auf dem Flusse Rhenus, unweit Bononia (Bologna) zum Orte ihrer Zusammenkunft. Beide Parteien, Antonius und Lepidus einerseits und Octavianus anderseits, rückten mit fünf Legionen an die Ufer dieses Flusses und schlugen von beiden Seiten eine Brücke nach der Insel zu. Lepidus, ein gemeinschaftlicher Freund der beiden andern, ging zuerst hinüber, um ihre Sicherheit zu prüfen; dann kamen auf ein gegebenes Zeichen Octavianus und Antonius, jeder mit 300 Mann, herbei. Diese blieben am Ende der Brücken zurück; sie selbst aber gingen auf eine Anhöhe, wo sie von ihren beiderseitigen Heeren gesehen werden konnten. Als sie beisammen waren, durchsuchten sie erst ihre Kleider, aus Furcht, daß irgend einer einen Dolch bei sich tragen möchte. Dann setzten sie sich nieder, um den Plan ihres Bündnisses zu entwerfen. Die Verhandlung dauerte drei Tage. Endlich kam nach manchem heftigen Streit ein Vergleich zustande. Der erste Punkt desselben betraf die höchste Gewalt im Staate; diese sollten alle drei gemeinschaftlich fünf Jahre lang ausüben unter dem Titel „Triumvirn zur Einrichtung des Gemeinwesens“. Dann verteilten sie die Provinzen unter sich; Italien als das gemeinsame Mutterland und die morgenländischen Provinzen, die damals noch Brutus und Cassius innehatten, wurden von dieser Teilung ausgenommen. Die Abendländer aber wurden auf folgende Art verteilt: Octavianus bekam Afrika, Sicilien und Sardinien, Antonius das diesseitige und jenseitige Gallien, Lepidus Spanien und einen Teil des jenseitigen Galliens. Hierauf verteilten sie die Geschäfte unter sich. Octavianus und Antonius sollten jeder mit zwanzig Legionen vereinigt den Krieg gegen Cäsars Mörder, namentlich gegen Brutus und Cassius, führen, während Lepidus als Konsul des nächsten Jahres (42) mit drei Legionen Rom und Italien in Gehorsam halten sollte. Der vierte Punkt ihrer Verabredung betraf die Belohnung der Legionen. Die Triumvirn machten aus, daß, nach Beendigung des Kampfes im Osten, achtzehn Städte in den reichsten und blühendsten Gegenden Italiens als Kolonien unter die Soldaten verteilt werden sollten, denen sie übrigens noch ansehnliche Geschenke baren Geldes versprachen. Zur Ausführung aller dieser Pläne brauchten sie unermeßliche Geldsummen, zu denen ihnen die Achtserklärung (Proskription) ihrer Gegner die Mittel liefern sollte. 300 Senatoren und 2000 Ritter wurden von der Ächtung betroffen, von denen jeder Triumvir einen Teil vorschlug und dabei selbst seine eigenen Freunde und Anhänger dem Haß der beiden andern preisgeben mußte. Endlich verpflichteten sich die Triumvirn zur Erfüllung dieses Vertrages durch einen feierlichen Eid und kehrten mit ihren Legionen nach Rom zurück, wo alsbald die Ächtungen ihren Anfang nahmen.
Überall in Italien wüteten Verrat und Mord; nur wenige der Geächteten retteten sich durch die Flucht, die meisten wurden von den Verfolgern ereilt, ihre Köpfe auf der Rednerbühne ausgestellt. Jedem Freien wurde der Kopf eines Verurteilten mit 12000, jedem Sklaven mit beinahe 6000 Mark bezahlt; die Angeber erhielten den gleichen Lohn; der Tod traf den, der einen Geächteten verbarg. Die Schreckenszeit Sullas kehrte wieder, aber die Zahl der Opfer war noch größer.
Unter den Opfern dieser Proskriptionen befand sich auch der große Redner Cicero, der einst, zur Zeit der Verschwörung des Catilina, sein Vaterland gerettet hatte. Er hatte sich den Antonius dadurch zu einem unerbittlichen Feinde gemacht, daß er gegen dessen eigenmächtiges und gewalttätiges Auftreten seine berühmten „philippischen Reden“ (Philippicae) hielt, und Octavian, von dem er bisher wie ein Vater verehrt worden war, hatte ihn herzlos dem Hasse des Verbündeten geopfert. Als die Listen der Geächteten in Rom bekannt wurden, auf denen auch sein Name stand, befand sich Cicero auf einem seiner Landgüter. Um sich zu retten, beschloß er nach Makedonien zu Marcus Brutus zu fliehen, allein körperliche Schwäche, Ängstlichkeit und Unentschlossenheit hinderten ihn an der Ausführung seines Entschlusses; zweimal ging er zu Schiffe und zweimal landete er wieder. Endlich drängten ihn seine Diener, die schon einen Haufen Soldaten gesehen hatten, welche nach ihrem Herrn spähten, die Flucht fortzusetzen. In einer Sänfte trugen sie ihn zur Küste. Aber mitten auf dem Wege begegneten sie den Häschern. Da Cicero sah, daß er nicht entrinnen konnte, ließ er die Sänfte niedersetzen und steckte den Kopf hinaus. An der Spitze der Soldaten stand Popilius Länas, ein Kriegstribun, dem Ciceros Beredsamkeit einst vor Gericht das Leben gerettet hatte. Eben dieser Mann eilte seinen Leuten zuvor, um selber den Blutlohn zu verdienen, und schlug seinem greisen Wohltäter, nach dem besonderen Auftrage des Antonius, des Todfeindes Ciceros, nicht nur das Haupt ab, sondern auch die Hände, mit denen er den Vortrag seiner Reden eindrucksvoll zu begleiten pflegte. Dies geschah am 7. Dezember des Jahres 43. Das abgehauene Haupt wurde dem Antonius überbracht, und nachdem Fulvia in ihrer Rachsucht die Zunge mit ihren Haarnadeln durchstochen hatte, nebst den Händen auf derselben Rednerbühne am Forum ausgestellt, wo Cicero so oft das Volk zu stürmischem Beifall hingerissen hatte. Er stand erst im 64. Lebensjahre.
Nachdem sich die Triumvirn auf so blutige und habgierige Weise eines großen Teiles ihrer Gegner im Senat und in der Ritterschaft entledigt hatten, beschlossen Octavianus und Antonius gegen Brutus und Cassius zu Felde zu ziehen, die inzwischen in Makedonien und Asien eine große Streitmacht und alle noch übrigen Anhänger der Republik um sich gesammelt hatten. Als diese von dem nahen Anzuge der beiden Triumvirn hörten, eilte Brutus nach Asien, um gemeinschaftlich mit Cassius über die Führung des Krieges zu beraten. Bei dieser Gelegenheit war es, wo, wie man sagt, dem Brutus ein Gespenst erschien. Einst saß er nämlich, wie er gewohnt war, bis tief in die Nacht in seinem Zelte, beschäftigt mit den Gedanken an den ungewissen Ausgang des bevorstehenden Krieges. Seine Diener schliefen, das Licht brannte düster, nichts regte sich, er war allein. Da hörte er plötzlich ein Geräusch; die Zelttür öffnet sich, und eine gespenstische Gestalt tritt auf ihn zu, ohne zu reden. Brutus richtet sich erschrocken auf und fragt: „Wer bist du, ein Gott oder ein Mensch, und was begehrst du?“ — „Ich bin dein böser Geist,“ antwortet die Gestalt, „bei Philippi sehen wir uns wieder.“ Furchtlos erwiderte Brutus: „Wohl, ich werde dich dort wiedersehen!“ Da verschwand die Gestalt. Gleich darauf rief Brutus seine Diener und fragte sie, ob sie etwas gesehen oder gehört hätten. Sie verneinten beides. Sobald der Morgen graute, ging Brutus zum Cassius und erzählte ihm den Vorfall der vergangenen Nacht. Cassius, der nicht an die Wirklichkeit eines Gespenstes glauben mochte, suchte sich die Erscheinung aus der erregten Gemütsstimmung seines Freundes zu erklären.
Von Sardis aus, wo sie ihre Legionen vereinigt hatten, brachen Brutus und Cassius nach dem Hellespont auf und setzten nach Thrakien über, wo bereits acht Legionen der Triumvirn standen. Bald kamen diese mit ihrer gesamten Macht hinzu und nötigten die Gegner, welche bei Philippi ein festes Lager bezogen hatten, zur Schlacht. Es kam dort zu einer Doppelschlacht, die aber den ganzen Krieg entscheiden sollte; sie endete mit der Niederlage der Mörder Cäsars (42). Die Triumvirn befehligten ein Heer von 100000 Mann zu Fuß und 13000 Reiter, ihre Gegner 80000 Mann zu Fuß und 20000 Reiter. Auf beiden Seiten siegten die rechten Flügel; Brutus drang siegreich vor und eroberte das Lager des Octavianus, der sich damals wegen Krankheit aus dem Lager entfernt hatte; dagegen schlug Antonius den Cassius vollständig zurück. Der geschlagene Cassius wußte noch nichts von des Brutus Sieg, als dieser eine Abteilung Reiter mit der Siegesbotschaft absandte. Cassius hielt sie in der Dunkelheit für Feinde und glaubte schon die Seinigen gefangen; da ließ er, um der Gefangenschaft zu entgehen, sich durch einen Sklaven töten. Als Brutus von seinem Tode hörte, rief er unter Tränen aus: „So ist der letzte Römer gefallen!“
Nach dieser Schlacht beschloß Brutus ein zweites Treffen zu vermeiden und sich in seiner vorteilhaften Stellung zu behaupten. Allein der Ungestüm seiner Soldaten, der weder durch Bitten noch durch Geschenke und Versprechungen zu bändigen war, forderte eine Schlacht, und so kam es denn ungefähr zwanzig Tage nach dem ersten zu einem zweiten Treffen bei Philippi. In der Nacht vor dieser Schlacht soll dem Brutus dieselbe Gestalt erschienen sein, die sich ihm vor seinem Übergange über den Hellespont gezeigt hatte; stumm ging sie diesmal vor ihm vorüber und verschwand.
Auch dieses zweite Treffen entschied gegen Brutus. Von beiden Seiten ward mit der größten Erbitterung gestritten; abermals drang Brutus in das Lager des Octavianus, da sprengte Antonius die Mitte des ihm gegenüberstehenden Flügels und trieb die Feinde in ihr Lager zurück. Dadurch bekam Octavianus Luft, drang auch wieder vor und half den Sieg vollenden.