Es konnte und sollte in diesen Zeilen dankbaren Gedächtnisses nicht des Meisters gesamtes Lebenswerk umfassend gewürdigt werden, sondern, den Zielen des Heimatschutzes gemäß, nur insoweit, als es in der Vogtlandheimatscholle des Künstlers wurzelt, und auch da nur in knappen Andeutungen, Anregung gebend, selbst noch inniger und tiefer in das malerische und dichterische Schaffen unseres Hermann Vogel einzudringen.

Weihnachten

Ein einigermaßen abschließendes Urteil über ihn, den traumvollen Romantiker des Stiftes, wird erst dann möglich sein, wenn sein künstlerisches Vermächtnis in dem geplanten Hermann Vogel-Zimmer des vogtländischen Kreismuseums seiner Vaterstadt Plauen gesammelt vorliegt: seine frühesten Kinderzeichnungen, seine Illustrationen zu deutschen Helden-, Geschichts- und Märchenbüchern, seine Bilder und Gedichte für die »Fliegenden Blätter« und zahlreiche andere deutsche Zeitschriften, möglichst viele seiner Originale, unveröffentlichte auch aus Privatbesitz, seine Skizzenbücher, seine handschriftlichen Erinnerungen und Briefe (Hermann Vogel, Plauen ist ein unermüdlicher, geistvoller, humorvoller Briefschreiber gewesen) und seine hinterlassenen, zum Teil noch unvollendeten Werke. (Ein »Volksband« mit seinem Bildnis und Lebensabriß wird vorbereitet, und die Grimmschen Volksmärchen mit Hermann Vogels herzerquickenden Märchenbildern sollen von Braun und Schneider in München neu herausgegeben werden.)

Dann erst wird uns Hermann Vogels künstlerische Bedeutung und Stellung noch viel eindrucksvoller zum Bewußtsein kommen, namentlich sein inneres Verhältnis zu Moritz v. Schwind und Ludwig Richter, seinen beiden »Kunstheiligen«, denen er auf dem Titelblatt seines Bilder- und Geschichtenbuches (vgl. Kunstwart-Heft vom April 1921), in gestaltenreichen Gedenkblättern und zahlreichen Märchenbildern gemütinnige Ehrenmale geschaffen hat. Bemerkenswerte Kunstbekenntnisse Hermann Vogels enthält auch ein Bild, auf dem er in die Rinde des Eichbaums deutscher Kunst, der von modernen Stürmern gefällt werden soll, folgende Namen eingeschrieben hat: Dürer, Holbein, Cornelius, Rethel, Moritz v. Schwind, Spitzweg und Ludwig Richter. Ferner sein Spruch, in dem er seinen Meister Schwind zur Deutschen Kunst sagen läßt:

»Ob alt, ob neu, der Streit is umsunst:

Es gibt nur a gute und a schlechte Kunst!«

Heimat und Vaterland waren die Grundpfeiler seines Wesens und Schaffens. Heimat und Vaterland allein werden auch die unerschütterlichen Grundpfeiler sein, auf denen die Zukunft unseres deutschen Volkes neu aufgebaut werden kann. Darum ist uns Herzenswunsch und Hoffnung, was Ferdinand Avenarius in seinem Hermann Vogel-Nachruf ausspricht, daß kommende Geschlechter, wenn die »Richtungen« noch manchmal geschwenkt haben, sich zu Hermann Vogel, dem Bescheidenen, zurückfinden werden, vor allem unsere Jugend, unsere Kinder, die deutschen Jungen und Mädchen, und an seiner glühenden Liebe zu Heimat und Vaterland sich begeistern, so treu und deutsch zu sein wie er, von dem Fontanes Wort gilt:

»Der ist in tiefster Seele treu, wer die Heimat liebt wie du.«