Orgel- oder Harmoniumklang stimmt die Hörer ein. Dann klingt von draußen das alte Schneeberger Mettenlied »Auf, Tochter Zion, schmücke dich« zum Saale herein. Auf der Bühne, die nebenbei bemerkt, nur mit dunklen Stoffen ausgeschlagen ist, erscheint ein Hirte als Bote:

»Einen schönen guten Abend, den geb euch Gott!

Ich bin ein ausgesandter Bot;

ich zeig euch an zu dieser Frist,

daß jetzt wird kommen der heilige Christ!«

Zwei Engel werden auf der Bühne sichtbar, sie bereiten die Hörer vor. Dann kommt unter den Klängen eines böhmischen Weihnachtsliedels, von Lauten und Geigen gespielt, durch den Saal die Engelschar gezogen. Der heilige Christ, St. Martin, St. Nikolaus in weißen Kleidern, mit hohen Goldkronen auf dem Haupte, das heilige Paar, Knecht Rupprecht usw. Sie ziehen auf die Bühne und es beginnt das Bescherungsspiel. Nun wechseln sich die bunten Szenen ab, von denen das Verkündigungsspiel und das Krippenspiel wohl am eindringlichsten wirken. Beim Krippenspiel wird alles Bühnenlicht weggenommen. Die ganze Szene ist nur durch eine Stallaterne beleuchtet, die vor der Krippe auf dem Boden steht. Dieser einfache Regiekniff hat ungeahnte Wirkung. Nach kurzer Pause eröffnen das Thalheimer und Löwenhainer Spiel den zweiten Teil, nachdem die »Königschar« durch den Saal eingezogen ist. Wie sehr die Hörer in Chemnitz dabei waren, merkte man daraus, daß sie in den Pausen verschiedene Male unaufgefordert Weihnachtslieder anstimmten.

Von der Großstadt aus sollen die Spiele wieder in ihre Heimat zurückkehren. Schon in diesem Jahre werden sie in vielen Orten sich einzubürgern versuchen. Nicht um ein wissenschaftliches Werk zu schreiben, nur um praktisch Heimatschutz zu treiben, veröffentlichte ich das gesamte Material in Buchform unter dem Titel »Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele. Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes«. Mit der Zusammenstellung am Schlusse des Buches, die auch einzeln im Verlag H. Thümmler in Chemnitz erschienen ist, will ich nur ein Vorbild aufstellen, »wie man es machen soll«. Gedacht ist es so, daß jeder Ort, der noch Reste eines Spieles besitzt, diese in den Mittelpunkt stellt und die übrigen Teile nach Belieben aus dem vorhandenen Material ergänzt. So soll jeder Ort »sein Spiel« gewinnen.

Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersahen wir mit Freuden, wie man in allen Teilen unseres Gebirges den Gedanken aufgegriffen hat. Wenn uns auf diesem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter Volkskunst gelingen sollte, würden wir herzlich zufrieden sein.

Anmerkung der Schriftleitung: In H. Thümmlers Verlag, Chemnitz, ist erschienen: Wenzel, Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele, ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes, 182 Seiten, gebunden einschließlich aller Zuschläge M. 14,40.