Doch draußen lacht die Sonne! Es hält uns nicht mehr im Zimmer. Wir steigen zur Kirche aufwärts, welche als achteckiger Zentralbau charaktervoll von der Höhe herniederschaut. Wir stehen dann am Grabe des Pfarrers Härtel, der ein rechter Pfarrer für seine Gemeinde war, ein treuer Berater für die Seele seiner Gemeinde, Helfer und Anreger auch in allen Dingen, die zur Blüte seiner Gemeinde in wirtschaftlicher, heimatkundlicher und kunstgewerblicher Hinsicht beitragen konnten, ein Freund der Heimat, festgewurzelt im Boden seiner geliebten Gemeinde.
Draußen im Walde hatte er sein Lieblingsplätzchen, wo er von moosiger, gewachsener Felsbank ins Tal schaute. Dieser Stein aus heimischem Grund sollte sein Grabstein werden, hatte er einst gewünscht.
Als ein rascher Tod ihn seiner Gemeinde entriß, da dachte man seiner Worte. Er konnte nicht mehr zum Stein im Walde draußen gehen. So kam der Stein aus dem Walde zu ihm und deckt nun als mächtige rauhe Platte sein Grab und schützt es wie der Deckstein das Grab eines germanischen Edelings. Eine schlichte Inschrift nennt seinen Namen. Ein grüner Kranz aus ernsten Fichtenzweigen ist sein Schmuck.
Eine weihevolle ernste Stimmung liegt über dem Grabe. »Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du!«
Wir schreiten weiter unter der Traueresche hindurch, welche wie ein mächtiger Torbogen die Straße überwölbt, und als ein eigenartiges Naturdenkmal von besonderem Reiz zu hegen ist. –
Abb. 6 Seiffen
Die Binge ist unser Ziel. Zwei Kessel sind es, aus denen einst das Erz gebrochen wurde. Eine Halde und steiler Felsgrat liegt zwischen ihnen und trennt sie. In die kleinere kann man hineingehen. Sie wirkt wie ein ungeheurer Steinbruch mit steilen Wänden, auf deren Vorsprüngen und Kanten heute der leuchtende Schnee liegt und die Farben des Gesteines besonders hervorhebt. Oben von der Höhe zwischen den Bingen haben wir einen weiten Blick ins Land und auf den Ort zu unseren Füßen.
Wie auf einer gewaltigen Kanzel stehen wir hoch über der Geschäftigkeit des Tages, die verworren zu uns heraufklingt. Dann steigen wir zur großen Binge herab auf vereistem Wege, der glatt und nicht ungefährlich uns dicht am Rande dieses ungeheuren wildromantischen Kraters entlang führt. Ein Wasser stürzt jenseits rauschend in die Tiefe und Eiszapfen hängen von dem Gestein wie schimmernder Spitzenbehang. Aus dem Grunde ragen Bäume auf und drüben am Rande stehen echt erzgebirgische niedrige Bergmannshäuser. Längst ist der Bergbau hier erloschen, aber sein unverwischbares Gepräge hat er dem Orte gegeben. – –
Doch jetzt wollen wir noch Seiffen bei der Arbeit und bei der Kunst suchen und erleben.