Am Gückelsberger Haus liegt nach Süden zu ein großer Hof mit abgegrenzten Holzplätzen von Schuppen eingefaßt. In der »Grünen Aue«, die sich an einen Wohnweg anschmiegt, sind die Bauwiche, die aus den baupolizeilichen Vorschriften entstehen, in ähnlicher Weise mit Schuppen zu Höfen eingerahmt und zu Holzstapelplätzen verwendet. Vor den Sonnenseiten der Häuser ziehen sich in langen Reihen die Bleich- und Trockenplätze und die kleinen schmucken Gärtchen hin. Und aus den Fenstern der Schlafzimmer und der Wohnküchen kann der Blick weit hinausschweifen über die weiten Höhen und Täler, auf die massige blaue Augustusburg, in das herbe waldgrüne Zschopautal. Das ist Erholung für des Arbeiters Auge, Ruhe nach der Schicht zwischen den surrenden Spindeln und kreischenden Fleyern. Und auch nach außen haben diese Häuser ihr eigenes erzgebirgisches Gewand. Diese straffe, geschlossene und doch weiche Gliederung der Massen, die bodenständigen Bruchsteine des Sockelgeschosses, der freundliche Putzstreifen, die dunkle Brettverkleidung des Obergeschosses mit ihren leuchtend weißen Fensterteilungen und das blaue Schieferdach, hier und da ein freundlicher grüner Blumenkasten mit Geranien und Kresse! Ist das nicht die Farbenzusammenstellung, die jeden Wanderer erfreut, wenn er an den alten Häuschen der langen Gebirgsdörfer vorüberzieht?
Dabei hat nüchterne wirtschaftliche Erwägung diese Formgebung maßgebend beeinflußt, sie ist durchaus nicht etwa der Laune der Architekten entsprungen. Für das Fachwerk stand Heeresholz preiswert zur Verfügung. Gebrannte Ziegel waren knapp und teuer, aber Lehmziegel, sogenannte Grünlinge, standen noch in großer Menge in den heimischen Ziegeleien. Lehmbauversuche wollten weder die Bauherren noch die Bezirkssiedelungsgesellschaft anstellen und so wurde eben auf die altbewährte erzgebirgische Bauweise zurückgegriffen. Auch beim inneren Ausbau ist trotz der Abkehr von modischen Zeitströmungen und trotz sparsamster Verwendung der Mittel das Heim freundlich und liebenswert gestaltet worden. Zum Schluß mag noch anerkennend erwähnt sein, daß beide Firmen die Bauten, welche fast drei Millionen Mark kosteten, ohne irgendwelchen Zuschuß ganz aus eigener Kraft erbaut haben. Diese Selbsthilfe der Heimat in ihrer Not ist auch ein Stück Heimatschutz, still und geräuschlos, aber desto wert- und wirkungsvoller.
Bücherbesprechungen
Dresdner Wanderbuch, ein Führer zur Kenntnis der Heimat für die Schule und für alle Naturfreunde, herausgegeben von Dresdner Erdkundelehrern. I. Teil: Grundlegende Wanderungen. (Wittich und Schobloch, Verlagsbuchhandlung, Dresden, Wachwitz). Preis M. 9,75[5].
[5] Für Mitglieder des Heimatschutzes M. 8,–. (Bestellkarte anbei.)
Mit dem vorliegenden trefflichen Wanderbuche hat unsere Heimatschule einen wertvollen Helfer erhalten. Die Veranlassung zur Herausgabe derartiger Wanderbücher, wie sie andere Städte (Leipzig) schon haben, gab eine Verordnung der Unterrichtsbehörde, die für höhere Schulen besondere Wandertage einführte. Es galt nun brauchbare Anweisungen zu schaffen, um die Unterrichtswanderungen möglichst fruchtbringend zu gestalten. Dieser Arbeit unterzog sich eine kleine Gruppe von Dresdner erdkundlichen Fachleuten, die sich unter Führung des Herausgebers Dr. P. Wagner zu einer Wander- und Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen und in dieser auf Grund eines für alle Klassen aufgestellten Wanderplanes zahlreiche Ausflüge unternahmen und so den Inhalt des vorliegenden Wanderbuches erarbeiteten. Das Werkchen soll als erster Teil den Leser im Angesicht der Natur allmählich in eine tiefere Auffassung der Landschaft einführen und ein Buchwissen voraussetzen. Der später folgende II. Teil wird auf dieser Grundlage weiterbauen und etwas tiefer schürfen. In dieser weisen Beschränkung liegt ein großer Vorzug des vorliegenden Buches; damit wird es ein brauchbarer Führer für die große Allgemeinheit.
In achtzehn Abschnitten lernen wir die Elbtalweitung und ihre Ränder, das Stadtbild, das Waldgebiet und das Industriegebiet des Döhlener Beckens kennen. Die letzten zwei Abschnitte sind dem Wandern nach der Karte gewidmet. Ein überreiches Material bietet das Werkchen auf seinen 132 Seiten. Der Leser, der vielleicht bis jetzt nur die landschaftlichen Schönheiten unserer Heimat empfunden, lernt erdkundlich sehen, sein Blickfeld weitet sich, und das Auge schaut, welche gewaltigen Kräfte am Werke waren und noch sind, um die heimatliche Landschaft zu gestalten. Der Elbkiesel am Ufer, der Steinbruch am Hange, die unscheinbare Bodenwelle im Tale, die Sanddüne des Hellers; sie alle reden eine Sprache, unverständlich dem größten Teil unserer Wanderer. Das Büchlein läßt uns erkennen, welcher Reichtum an Belehrung in unserer Dresdner Landschaft verborgen liegt, von dem wir bis jetzt vielleicht nichts ahnten. Auch der Menschenschicksale aus grauer Vorzeit wird gedacht, von denen die Funde der Dresdner Gegend erzählen. Mit anderen Gefühlen als bisher wird der Leser an der stattlichen Kirche von Briesnitz stehen, denn er weiß, daß er sich auf geheiligtem Boden der Heimatgeschichte befindet.
So wird das Wanderbuch nicht nur unserer Jugend, sondern jedem Naturfreund ein zuverlässiger Führer sein. Es führt zur tiefen Heimaterkenntnis, zur echten Heimatliebe und damit auch zum Heimatschutz. Deshalb kann unser Landesverein dem Büchlein im eigenen Interesse eine reiche Verbreitung wünschen.
Das Werkchen würde meiner Ansicht nach noch bedeutend an Wert gewinnen, wenn neben den reichen bodenkundlichen Betrachtungen auch Beobachtungen unserer heimatlichen Pflanzen und Tiere aufgenommen würden. Gerade hier sind Naturdenkmäler in Gefahr und ist eine Aufklärung unserer Jugend und Ausflügler sehr notwendig. Auch wäre es zu begrüßen, wenn die Dresdner Landschaft etwas weiter gefaßt würde und Gegenden, wie das Moritzburger Teichgebiet, das doch für Unterrichtswanderungen in Frage kommt, mit Erwähnung fänden. Vielleicht finden wir dies alles im II. Teil.
P. Bdt.