Sachsenland. Ein Heimatbuch von Otto Eduard Schmidt. Mit Zeichnungen von Herbert Hofmann und 3 Kunstbeilagen. VI., 419 S. 8°. 1921. Friedrich Brandstetter, Leipzig. Preis M. 30,– einschl. Teuerungszuschlag.[6]

[6] Für Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Vorzugspreis M. 27,50. (Bestellkarte in diesem Hefte.)

Von einem Wandersmann ist das Buch zusammengestellt, mit der Absicht, viele anzuregen, Wanderstab und Rucksack aufzunehmen und sinnenden Geistes durch die Heimatgaue zu pilgern. Allzulange sind wir in die Fremde hinausgezogen, daß wir sie oft besser kannten als das Vaterland. Und nun soll es weiten Kreisen neu erschlossen, lieb und traut gemacht werden, damit alle wissen, was wir an ihm hatten und was wir an ihm haben können. O. E. Schmidt, der Mann der kursächsischen Streifzüge, ist ein berufener Führer auf solchen Pfaden. Wie er selber die Heimat sieht und schildert, das wissen wir aus seinen bisher so freudig aufgenommenen Schriften. In diesem Buche will er sie uns mit den Augen anderer Geleitsmänner zeigen, alter und junger, aber in der Hauptsache sind es Zeitgenossen, aus deren Werken er dieses Heimatbuch zusammengebracht hat. Und wie es gar nicht anders sein kann, finden wir darin fast alle Führer auf dem Gebiete des sächsischen Heimatschutzes vertreten: Paul Schumann, Karl Schmidt, Oskar Seyffert, Arno Naumann, Martin Braeß, Paul Rieß, Gerhard Platz usw. Daneben begegnen uns – um nur noch einige Lebende zu nennen – die bekannten Namen eines Deichmüller, Poeschel, Pank, Findeisen, Stübler, Otto Richter, Partsch, Blanckmeister, von Münchhausen, Löscher, Schwär u. a. So wirkt das Buch ganz modern, sowohl in seinen Prosabeiträgen wie in den eingestreuten Gedichten. Daß der feinsinnige, auf die Stimmung unserer Zeit vornehm reagierende Herausgeber im allgemeinen eine glückliche Auswahl getroffen hat, ist selbstverständlich. Man wird ihm auch darin gern beistimmen, daß er Sinn und Umfang des Begriffes »Sachsenland« nicht auf das vormalige Königreich beschränkt hat, sondern das ganze, durch die gemeinsame Kolonisationsgeschichte in seinen Wurzeln zusammenhängende Gebiet zwischen Saale und der schlesischen Grenze zur Darstellung bringt. Er gliedert demgemäß den Stoff in einem Überblick über das Land und seine Bewohner und in die sechs Kapitel: Die Elblandschaft von Schmilka bis Magdeburg; Das Tiefland zwischen Saale und Elster, Pleiße und Mulde; Aus dem erzgebirgischen Becken und dem mittelsächsischen Hügellande; Aus dem Vogtlande; Aus dem Erzgebirge; Aus der Oberlausitz. Aber diese Abschnitte scheinen uns nicht alle mit gleicher Liebe und mit gleichem Glück behandelt zu sein. Wenn wir schon vom Vogtlande, diesem kerndeutschen und landschaftlich durchaus nicht reizlosem Teile Sachsens, gern eine reichere Auswahl geboten sähen, so vermissen wir besonders mehr charakteristische Beiträge zur Kenntnis von Land und Leuten der sogenannten Sächsischen Schweiz. Gewiß hätten die Zeitschrift »Über Berg und Tal«, das Werk über die Burgen der Sächsischen Schweiz, die prächtigen Geschichten von Wilhelm Schindler manch brauchbaren Fund ergeben. Das Gedicht »Die Sensen« von unserem trefflichen Findeisen atmet dagegen nicht im geringsten Bodenständigkeit, und Karl Gjellerups »Sommernacht in Schandau« kann man ebensowohl in Blankenese wie am Rhein oder an der Donau erleben. Um recht zu wirken, sind einzelne der von O. E. Schmidt aufgenommenen Beiträge überhaupt zu kurz abgerissen; man liest sie, hofft auf die Pointe, blättert um und sieht sich am Schlusse. Das muß bei aller Anerkennung des Buches gesagt werden, gerade weil es verdient, recht viele Freunde zu finden, nicht nur mit dieser ersten Auflage, sondern auch mit etlichen folgenden.

Es ist wohl geeignet, die Heimatliebe zu fördern, und das ist die Hauptsache. Glück auf!

Alfred Meiche.


»Vogelschutz« von seiten eines Forschers! In der ungarischen ornithologischen Zeitschrift »Aquila« veröffentlicht der Ornitholog Csiki »Positive Daten über die Nahrung unsrer Vögel.« Das ist ja an sich ganz schön, besonders für die Frage nach Schaden oder Nutzen der Vögel; auch Vogelhalter können vielleicht manches für ihre Lieblinge daraus lernen. Aber nun kommt die Kehrseite. Um z. B. die Nahrung unsrer Elster, die bekanntlich recht schädlich werden kann, genau festzustellen, hat der betreffende Forscher nicht weniger als 351 (!) Magen von Elstern untersucht. Man traut seinen Augen nicht, wenn man so etwas liest. Da werden in Ungarn alle möglichen Vorschriften erlassen und Einrichtungen getroffen, um besonders die Jugend für den Vogelschutz zu gewinnen, wogegen die Alten um so schlimmer unter der Vogelwelt aufräumen zu können meinen. Dem Herrn Csiki sollte wirklich einmal das Maßhalten nahe gelegt werden, zumal er doch, wie scheint, alle Vögel des Landes betreffs ihrer Nahrung untersuchen will. Es genügt eine wesentlich kleinere Ziffer von Einzeltieren, um befriedigende Ergebnisse nach der angegebenen Richtung zu erzielen.

B. Hffm.

Hermann Vogel †

Am 22. März 1921 hat in Krebes i. V. ein Künstler des Vogtlandes seine Augen für immer geschlossen, Hermann Vogel, der in drei Jahrzehnten als hervorragender Mitarbeiter der Münchener »Fliegenden Blätter« in aller Welt bekannt geworden ist, der aber, wie der Kundige weiß, als Malerpoet mit seinem Schaffen und Dichten tief in seinem vogtländischen Heimatboden wurzelt. Für die glühende Heimat- und Vaterlandsliebe Hermann Vogels (geb. 16. 10. 1854 in Plauen) geben viele seiner Bilder und Gedichte in den »Fliegenden Blättern« ergreifendes Zeugnis, vor allem aber auch seine phantasie- und humorvollen Bilder zu den Hausmärchen der Brüder Grimm (1892–1894) und den Kindermärchen von Rudolphi (1905). In Plauen, der Vaterstadt des Künstlers, soll in einem Hermann-Vogel-Zimmer des vogtländischen Kreismuseums eine Sammelstelle für das gesamte Lebenswerk des Künstlers, der ein Romantiker des Stiftes gewesen, geschaffen werden.