Abb. 8 Triebtal
Abb. 9 Loreleysteg im Triebtal
C. G. Schillings †
Am 29. Januar dieses Jahres ist der bekannte Zoologe und Afrikaforscher C. G. Schillings in Berlin gestorben. »Sein Tod,« so schrieb mir Hermann Hähnle, »reißt eine solche Lücke in den Naturschutz, daß wir andern um so enger zusammenhalten müssen.« In der Tat, ein Mann ist von uns gegangen, der sein ganzes Leben in den Dienst unsrer Sache gestellt und nicht nur in großzügigster Weise die Idee des Naturschutzes allezeit mannhaft vertreten, sondern auch auf diesem Gebiete wahrhaft Großes, ja Unsterbliches geschaffen hat.
Dem Landesverein »Sächsischer Heimatschutz« stand der Verstorbene sehr nahe; wiederholt weilte er in unserm Kreise. Noch im Mai vorigen Jahres sprach er vor überfüllten Sälen in seiner ihm eignen packenden Weise über Weltnaturschutz. Mit hinreißender Beredsamkeit, mit glühender Wahrhaftigkeit – ein Wesenszug seiner ganzen Persönlichkeit – mit rücksichtsloser Offenheit gegenüber den kleinlichen und nur auf persönlichen Vorteil gerichteten Anschauungen seiner Gegner wußte er die Zuhörer zu überzeugen und für seine Ideen zu begeistern. Gerade bei uns hier in Dresden hat Prof. Schillings eine große Menge treuer Anhänger und Verehrer gefunden, und so ist es nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir dem mannhaften Vorkämpfer auf dem Gebiete des Naturschutzes diese Zeilen widmen.
Durch sein berühmtes Werk »Mit Blitzlicht und Büchse«, das im Jahre 1905 in R. Voigtländers Verlag erschien, ward C. G. Schillings Name mit einem Schlag in den weitesten Kreisen bekannt. Etwas ganz Neues, Niegeahntes, ja Unerhörtes und Unbegreifliches ward uns mit diesem herrlichen Werke geschenkt. Das Tierleben Afrikas hat uns Schillings durch seine Blitzlicht-Aufnahmen aufgehellt, wie es bisher noch keines Menschen Auge geschaut hat. Durch ihn erst weiß man, was es heißt: »Tierbilder nach dem Leben,« und immer mehr noch wird man einsehen, was sie bedeuten – unersetzliche Natururkunden, deren Wert von Jahrzehnt zu Jahrzehnt in dem Maße steigt, wie die afrikanische Großtierwelt infolge der fortschreitenden Zivilisation immer mehr von der Bildfläche des Lebens schwindet. »Die Erhaltung der großen lebenden Naturdenkmäler wenigstens im photographischen Abbilde Schillingsscher Natururkunden ist wahrlich eine der dringendsten Forderungen unsrer Zeit auf dem Gebiete idealer Wissenschaft und selbstloser Naturbetrachtung.« So schrieb Dr. L. Heck in seinem Vorwort zu dem großen Erstlingswerk von Schillings.
Noch klarer tritt der Naturschutzgedanke in dem ein Jahr später, gleichfalls in R. Voigtländers Verlag erschienenen Werke »Der Zauber des Elelescho« hervor, das der Verfasser seinem Bruder, dem berühmten Komponisten Max v. Schillings und dessen Gattin gewidmet hat. »Mit schwachen Kräften habe ich mich bemüht,« schreibt er, »einer großen Idee gerecht zu werden, einem Ideengang, den jeder ohne Mühe herausfinden und, was mehr wäre, für den er hoffentlich eintreten werde. Durch Anschluß an die bestehenden großen Vereinigungen, den Bund für Heimatschutz, die Jagd- und Vogelschutzvereine kann jedermann das Seinige zur Erhaltung der Naturdenkmäler im weitesten Sinne beitragen.«
Gemeinsam mit diesen Vereinen begann Schillings im Jahre 1910 einen heftigen Kampf gegen die Unsitte, Federn freilebender Vögel als Damenschmuck zu tragen. Ein Aufsatz von ihm, der zuerst in den »Süddeutschen Monatsheften« erschien: »Die Tragödie des Paradiesvogels und Edelreihers« wurde vom Bund für Vogelschutz, dem Schillings bis zuletzt sehr nahe stand, den weitesten Kreisen zugängig gemacht. Wie sucht hier der Verfasser das Gewissen der Frauenwelt zu schärfen, wie eindringlich, wie überzeugend sagt er es allen, daß diese barbarische Mode die herrlichsten Wunder der Schöpfung bedrohe und vernichte!
In einer zweiten Schrift »Die Arche Noah« forderte Schillings gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutze der gefährdeten Vogelwelt nach dem Vorbild Amerikas und Englands. Ich greife einen Satz heraus, der nicht nur den Titel dieser Schrift erklärt, sondern zugleich ein treffliches Beispiel für den Humor wie für die Überzeugungskraft aller Ausführungen des Verfassers bietet. »Wir wollten von der Arche Noah reden, hören wir! Klingt es nicht seltsam und sollte es nicht den heutigen Erdenbewohnern zu denken geben, daß dem Urpatriarchen und ersten großen Naturschützer Weisung wurde, alle Tierarten, ohne Ausnahme, nicht also wie es etwa die heutigen nackten Utilitarier tun würden, nur Ochsen, Esel und Schafe in die rettende Arche zu überführen? In den Urzeitmythen der Völker liegt goldene Weisheit verborgen, und alte Wahrheit künden uns diese Überlieferungen.«