Der Erfolg blieb nicht aus. Im Oktober 1913 verboten die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Einfuhr von Schmuckfedern freilebender Vögel, und auch in England nahm das Unterhaus am 9. März 1914 in zweiter Lesung die Gesetzesvorlage zur völligen Verhinderung jeder Federeinfuhr mit Ausnahme von Eiderdaunen und Straußenfedern an. Da kam der Krieg und brachte die Bewegung vorläufig zum Stillstand. Zugleich verhinderte er die Herausgabe einer dritten Schrift von Schillings, die bereits druckfertig vorlag: »Paradiesvogel, Edelreiher und die Frau«.

Bei den Tagungen der Naturforscher, Geographen, Naturschützler war der hochgewachsene, blonde Mann mit seinem offenen Blick eine bekannte Erscheinung. Wenn er mit lebendigster Anschaulichkeit und mit geradezu hinreißendem Schwunge für den Schutz der Vogelwelt eintrat oder unbedingten Naturschutz namentlich in den Kolonien forderte, zum Beispiel auf dem Kongresse der deutschen Kolonialgesellschaft in Stuttgart oder auf dem der deutschen Naturforscher und Ärzte in Wien 1913, da lauschte jeder gespannt den Worten des von seiner Idee so ganz erfüllten Redners. Der Naturschutz war ihm Herzenssache, und so sprach er zu den Herzen seiner begeisterten Zuhörer.

Der beispiellose Erfolg, den Schillings durch seine beiden großen, wundervoll ausgestatteten Werke erzielt hatte, spornte ihn natürlich an, auch weiterhin auf dem Gebiete der Naturphotographie wildlebender Tiere an der Spitze zu bleiben. Es war ja, wie er mir im Gespräch wiederholt betont hat, sein Stolz, daß gerade ein Deutscher es hierin den Engländern und Amerikanern zuvorgetan habe. Sobald er von jeder seiner vier großen Expeditionen in das äquatoriale Ostafrika wieder heimkehrte, war es immer das erste von ihm, seine Apparate zu vervollkommnen. Die rasche Entwicklung der Optik bot ja von Jahr zu Jahr neue Möglichkeiten, die Erfolge noch zu steigern, obgleich namentlich die Schillingsschen Nachtaufnahmen noch heute fast für unerreicht gelten müssen.

Im Jahre 1910 war die technische Ausrüstung für eine neue Reise bereit; aber sie ward durch Widerwärtigkeiten, die hier nicht näher berührt werden sollen, verhindert. Es war ja kein Wunder, daß das offene, freimütige Wesen des Verstorbenen, der keinerlei Rücksicht kannte, am wenigsten sich durch Rücksichten auf seinen eignen Vorteil oder Schaden bestimmen ließ, eine große und einflußreiche Gegnerschaft auf den Kampfplatz herausgefordert hatte. Diese unbedingte Wahrhaftigkeit ist es, die uns die Schillingsschen Forschungen wie seine Aufnahmen doppelt wertvoll erscheinen lassen. Da handelt es sich stets um freilebende, nicht etwa um gefangene, eingehegte oder verwundete Tiere, und die Retusche mußte jedem Bilde fernbleiben. Unbedingte Wahrheit in Wort und Bild! Das war sein Grundsatz, von dem er auch nicht um Haaresbreite abwich.

Schon bei seinen letzten Afrikareisen hatte Schillings einen kinematographischen Apparat mitgenommen; leider genügten die in Afrika angefertigten Laufbilder seinen überaus hochgestellten Anforderungen und Erwartungen nicht. Es waren ja auch weitere Verbesserungen der Kinoaufnahmen unterdessen erzielt worden. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet erblickte Schillings in den Fernlaufbildern des Bundes für Vogelschutz, wie sie Herr Ingenieur Hermann Hähnle geschaffen hat. Es sind dies Natururkunden in höchster Vollendung, da die Tiere in ihrem Leben und Treiben aufgenommen werden, ohne davon das geringste zu merken. Bei seiner letzten öffentlichen Ansprache in Stuttgart im Dezember 1920 bezeichnete Schillings diese Aufnahmen als »Gottesgeschenk«. Sein heißer Wunsch war es, das neue Verfahren nun auch auf die afrikanische, indische und polare Tierwelt anzuwenden.

Der Tod des fünfundfünfzigjährigen Forschers hat diesen Wunsch vereitelt. Die beste Ehrung für den Verstorbenen, dessen Ideale sich schon heute so allgemeine Anerkennung erworben haben, dürfte es wohl sein, in seinem Sinne weiterzuarbeiten und die neuesten Erfolge der Photographie und Kinematographie derartigen Aufnahmen zu widmen. Seine Freunde haben daher beschlossen, einen Aufruf zu Spenden für eine C. G. Schillings-Stiftung zu erlassen. Schreiben und zugedachte Beiträge sind schon heute an die C. G. Schillings-Stiftung, Berlin-W 10, Margaretenstraße 1 zu richten.

Martin Braeß.

Praktische Arbeit zur Erhaltung unserer Steinkreuze

Schon seit Jahren suche ich auf unseren Wanderungen mit großem Interesse die alten Mord- und Sühnekreuze auf, welche dann – durch eine Skizze oder photographisch festgehalten – unser Tourenalbum zieren. Zum Aufsuchen derselben dienten mir bisher die in den Jahren 1912/13 von Herrn Dr. Kuhfahl herausgegebenen und im Dresdner Anzeiger seiner Zeit erschienenen Verzeichnisse über »Die Mordkreuze in Sachsen«:

Sonntagsbeilage des Dresdner Anzeigers