Diesen Aufbau des Berges begreift man in seiner Merkwürdigkeit richtig erst da: auf dem Gneisplateau des Erzgebirges, über dessen blühende Wiesen man eben noch dahinschritt, setzt sich dieser Berg auf als Rest einer Quadersandsteindecke, die einstmals das östliche Erzgebirge überzog und von der vergangene Jahrtausende es entblößten, nur dieses eine Denkmal zurücklassend. Darüber aber baut der in der Tertiärzeit durch die Quaderdecke durchgebrochene Basalt seine Säulen zur schroffen Spitze auf.
Es sind redende Steine, die den Berg formen.
Und es ist ein betender Berg.
Oben, über den eisenfarbenen Geröllhängen, schließen sich die Basaltsäulen zu einer gipfelstürmenden Gebärde zusammen. Sie drängen empor, schräg hinaufwachsend, einander überdrängend, in der Ekstase des plutonischen Aufbruchs erstarrt.
Als Reinhardt das Sophokles-Drama König Ödipus inszenierte, ballte er in den Massenszenen die Scharen seiner Statisten zu einem Wesen zusammen, zu einem Wesen mit hundert Händen, hundert Hände, gereckt zu einer Pyramide von Händen, zu einer ekstatischen Gebärde.
Daran erinnert dieses Hinanstürmen der basaltenen Säulen.
Nach einem Punkte zu streben sie, nach einem letzten schließenden Gipfel der Pyramide, der nicht da ist. Er liegt über dem Ansturm der Säulen und wird nicht erreicht. Das gibt diesem Aufdrängen die stete, unaufhörliche Bewegung, die trotz der erzenen Starre immerfort von unten auf den Gipfel zu zu drängen, zu streben scheint. Es lebt verborgen ein Wille in diesen Steinen: aufwärts – sich in einem Punkte zusammenfassen.
Über diesem einen, nur denkbaren Punkt erhebt sich ein Kreuz. Ein katholisches Steinkreuz. Ein Christus neigt das Haupt und sieht mit sterbenden Augen auf den Drang der Steine herab.
Menschenhände, vielleicht schlicht-ländliche Katholiken aus dem Dorfe im Tale haben das Kreuz da errichtet – was sie taten, war eine künstlerische Tat, ohne daß sie es wußten. An diesem Punkte muß das Kreuz stehen – oder ein andres Symbol menschlicher Sehnsucht – im katholischen Böhmen ist es ein Christuskreuz. Da steht es.