Nur das Stück Wild, dessen Überlistung ihm nach vielen Mühen gelang, machte ihm Freude. Ein Täuber, zu dessen Erlegung er viel Mühe aufwenden mußte, konnte ihn mehr erfreuen, als ein mühelos erbeuteter »Brunfthirsch«.
Löns, der in seiner langen Jägerlaufbahn viel geweidwerkt hat und der sich mit bestem Erfolg den verschiedensten Wildarten gegenüber versucht hat, hatte selbstverständlich große Strecken zu verzeichnen. Diese waren aber lediglich bedingt durch seine hervorragenden jagdlichen Fähigkeiten – in der Handhabung der Waffe wie im Anschleichen war er Meister; in der Kenntnis der Gewohnheiten und Eigentümlichkeiten des Wildes war er nicht zu übertreffen – und die Regelmäßigkeit, mit welcher er der Jagd oblag.
Wie oft wird ihm die Freude vergällt beim Anblick des gestreckten Wildes. Und nicht ohne Wehmut zieht er den grünen Bruch durch den frischen Schweiß und steckt ihn an den verwitterten Jagdhut. So ist denn der Abschluß der erfolgreichen Jagd, der die meisten Jäger befriedigt, weil er sie an das Ziel ihrer Wünsche brachte, für Löns oft eine Qual. Als er auf dem Abendstrich die tote Schnepfe – die erste des Jahres –, welche im dürren Farnlaub vor ihm liegt, aufhebt, ist seine Freude hin, und der Lärm der Kraniche, welche seine Schüsse im Bruch aus dem Schlaf gejagt haben, kommt ihm vor wie eine Klage und – Anklage. Und in Erinnerung an den Abend während der Heimfahrt ist ihm, »als hätte der rohe Schlußreim den Zauber dieses Tages verdorben«. Und oft kommt diese Wehmut zum Ausdruck. Ob er den langersehnten stolzen Auerhahn mitten im Minnegesang gefällt oder den roten Bock mit gutem Blattschuß gestreckt hat, er stiehlt sich davon …
Aber auch anderen Empfindungen begegnen wir bei dem Meister. Wie oft wünscht er sich vor dem toten Bock, vor dem gestreckten Hahn einen ähnlichen Tod! Ob er ahnte, daß ihm ein solcher beschieden sei? Viel ist über diese Frage hin und her gestritten. Von vielen wird sie verneinend beantwortet, während andere, die dem Dichter nahestanden, sie bejahen zu müssen glauben. Wer will das entscheiden …
Während Löns oft zögerte, den Finger krumm zu machen, dem stolzen Wild gegenüber, konnte ihn nichts davon abhalten, die Nachsuche mit der größten Gewissenhaftigkeit durchzuführen, und mochte sie noch so beschwerlich sein. Aus Liebe zum Wild. Wie viel liegt ihm an einem krankgeschossenen Stück. Der kranken Ricke, die den kranken Vorderlauf schonend, sich mühsam vorwärts bewegt, trägt er nicht die Kugel an, sondern stellt den Drilling auf Schrot um: »Sie soll den Knall nicht vernehmen, die Kugel nicht spüren; sie hat genug ausgestanden drei Tage lang«.
Mit diesen hervorragenden jagdlichen Tugenden, mit außerordentlich ausgeprägtem weidmännischen Empfinden, verband Löns Fähigkeiten, wie sie nur einige wenige, die in der Natur und mit ihr leben, aufzuweisen haben. Der Winterkälte trotzte er so gut wie der Sonnenglut; Nässe und Sturm konnten ihm die frohe Jägerlaune nicht nehmen. »Mir ist so, als hörte ich hinter mir im fernen Moore die Nebelhexe lustig kichern, und ich schwenke den schäbigen Hut und rufe ihr zu: Weidmannsdank, altes Mädchen, hoioh!«
(Aus der »Ostpreußischen Zeitung«.)
Bücherbesprechung und Verschiedenes
Oskar Schwär: Ahnengalerie, Görlitz, Verlagsanstalt Görlitzer Nachrichten und Anzeiger. Preis gebunden M. 18.–, broschürt M. 15.–.
Unser Lausitzer Erzähler hat diesmal die Straße ernster, seelischer Probleme verlassen, und sich auf den blumigen Weg des Humors begeben, wohin wir ihm in dieser sonst so leiderfüllten Zeit gern folgen. Wir haben es nicht zu bereuen, ein guter Engel hat ihn diesen Weg geführt. Unser herzliches Lachen dankt dem Dichter für die feinen lustigen Geschichten und Charakterbildchen. Wir würden das Buch nach der heiteren Stunde, die es uns geschenkt, nicht so befriedigt aus der Hand legen, wenn uns hier nicht echter Humor in gesunden Dosen verabreicht würde, Humor, der sich nicht in oberflächlichen Schnaken und Schnurren erschöpft, sondern mancherlei Blicke in Seelentiefen gewährt. Auch ein gefälliges kleines Lustspiel »Der Friedensstifter« enthält dieser Blütenstrauß Lausitzer Humors. Dazu haben Autor und Verleger den ganz ausgezeichneten Dresdener Künstler Kurt Rübner gewonnen, der mit trefflichem Stifte die lustigen Typen aufs Papier gezaubert hat.