Nach dem Auftreten des Ruprecht zieht singend der Engelchor ein. Das Adventspiel bricht ab, das Christgeburtspiel beginnt. Gemessen an der, an dieser Stelle besonders breiten schlesischen Überlieferung, sind die in der Nordlausitz noch lebendigen Reste dürftig zu nennen. Es fehlt die Herbergsuche, die Erscheinung der Engel, das zögernde, bäurisch-komische Aufbrechen der Hirten, die Hirtenanbetung, die Beschenkung des Kindes, die Reue des Wirtes. Es hat sich erhalten der wertvollste lyrische Kern des Stückes: das Kindelwiegen. Die Szene ist von außerordentlicher Zartheit und Innigkeit. Sie geht zurück auf ein hessisches Weihnachtsspiel des fünfzehnten Jahrhunderts. Die älteste Form des Zwiegesanges zwischen Maria und Joseph ist uns in einer Leipziger Aufzeichnung vom Jahre 1305 erhalten.

Maria (singt):

Joseph, liber neve myn,

hilff mir wiegen daß kindelin,

das got dyn lôner muße syn

im hymmelrich, der meyde sone Maria.

Joseph:

Gerne, libe mume myn,

helff ich dir wiegen dyn kindelin,

das got muß myn lôner syn