Wer nicht kann, der laß es bleiben.«

Und in den Grundstein der Kapelle mauerte er eine Kapsel mit einer Flasche roten und weißen Weines. – – Es war derselbe Fürst, der sich auch das Schlößchen Hoflößnitz unten in den Weinbergen erbauen und so lebensfroh auszieren ließ. Seine Mahnung aber fand genug Nachahmung: Aurora von Königsmarck und Peter der Große, Friedrich der Große und der erste Napoleon, sein Bruder König »Lustigk« von Westfalen und noch im Weltkriege der Kaiser Karl von Österreich und mit ihm die Kaiserin aus Welschland auf dem wohl letzten feierlichen Fürstenbesuche alten Stils, den Moritzburg und Sachsen überhaupt sah. Nur einige der glänzenden Gäste sind das, die die Säle des Schlosses im Laufe der Jahrhunderte durchschritten.

Abb. 4 Moritzburg, Fasanenschlößchen

Sollen wir auch von den einzelnen Räumen noch sprechen? Wer in Sachsen Sinn für ehrwürdige und kunstreiche Pracht hat, kennt sie ja: den Speisesaal und den Monströsensaal mit den stärksten und seltsamsten Edelhirschgeweihen, die überhaupt bekannt sind, Geweihe wie sie nur bei der freien Wildbahn und der reichlichen Tierfütterung früherer Jahrhunderte sich überhaupt entwickeln konnten, darunter jener einzigartige 66-Ender. Und er kennt auch die Zimmer mit den alten China- und Japanporzellanen auf den Kaminen in dämmriger Pracht, den Gobelins und Intarsien, den vergoldeten Ledertapeten und all der andern Herrlichkeit.

Eher noch wäre von dem Schlößchen eine halbe Stunde ostwärts, jenseits der durch Roheit und Habsucht der letzten Jahre fast verwaisten Wildfütterung zu erzählen, drüben am alten Fasanengehege mit der leider abgebrochenen Volière voll umständlicher ländlicher Schnitzarbeit, die der weidfrohe Sieger von Beaumont so liebte. Um 1775 baute es sich Friedrich August der Gerechte am Ufer des sanften Großteiches, dessen Lieblichkeit ein düsterer Leuchtturm und die dräuende »Dardanellen«mauer vergeblich ins Heroische zu steigern versuchen. Er entsprach der Wesensart des fürstlichen Bauherrn, der beinahe der sächsische Zeitgenosse und Geistesverwandte Friedrich Wilhelms des Dritten war, und anderen Formats des Leibes wie des Lebenszuschnitts als August der Starke. Und auch das zierliche Rokoko und Empire und die spielerischen Chinoiserien seines Fasanenschlößchens spiegeln seine Wesensart ähnlich wieder wie etwa die saubere Bürgerlichkeit des Schlößchens auf der Potsdamer Pfaueninsel die des Gemahls der Königin Luise und umgekehrt der große kraftvolle Zug des Moritzburger Jagdschlosses selbst die Vollkraft seiner beiden großen Bauherrn Moritz und August.

Aber das Beste, das dem Wanderer beschieden, ist vielleicht gar nicht der langsam verdunkelnde äußere Glanz im Innern dieser Schlösser, für die jetzt leider, wenn nicht Pflege, so doch Leben, Nimbus, und zumal Ehrfurcht allzusehr schon oder noch fehlen. Das Beste ist, was nicht sichtbar um die Mauern und Statuen und auf den Teichen webt und raunt, und was dem nie fehlen wird, der den Weg zur Mutter Natur zu finden weiß und dabei immerhin bei Frau Historia einmal mit beschaulich einkehren mag. Die beiden Chinesen auf dem geschweiften Dache des Fasanenpalais nicken im Winde bestätigend. Und sie sind alt genug, die Welt zu kennen.

Ludwig Richters Weihnachtskunst

Von Walther Hoffmann

O Weihnacht! Weihnacht! Höchste Feier,