Abb. 2 Jagdschloß Moritzburg, Monströsensaal
Aber es wird ein Auferstehen kommen in neuen Lenzen nach Jahren der Not, der Raffsucht und des Neides; ein echteres dauernderes Auferstehen und Leben wird es sein als jenes, das die Treibhausluft der Filmwelt der Moritzburger Wald- und Wasserherrlichkeit und seinem ehrwürdigen Schlosse bereitet hat. Der Film wollte diese großartige großlinige Landschaft zur billigen Staffage herausgeputzter Herrschaften herabdrücken. Doch da rächte sie sich und erdrückte all ihr turbulentes Gewimmel so, daß von zweihundert Brokatgewändern und vierhundert Perücken weniger Erinnerung übrig blieb als von dem einen naturgetreuen Bilde des sonnenbeschienenen Sees mit der schlanken Gondel und der Insel, die auf seinen Wassern schwimmt.
Und die kleine Insel mit den wispernden und doch diskreten Espen träumt auch heute vor unseren entzückten Augen friedvoll, ahnungslos sozusagen, nun wir durch die große Allee allmählich den Schloßteich erreicht haben, vorbei an dem Kuppelbau der Kirche, die in den Maßen etwas überheblich erscheint und vorüber am Landstallamt, an dessen Tore ein weiser oder doch launiger Herrscher seinen churfürstlichen Hofnarren Fröhlich und Schmiedel zum Dank für manche erfrischende Wahrheit Büsten setzen ließ.
Abb. 3 Jagdschloß Moritzburg, Speisesaal
Der Schloßteich ist erst in den Jahren 1722 bis 1730 durch umfangreiche Ausschachtungen aus drei kleineren Weihern entstanden. August der Starke war es, der aus dem kleinen Jagdschlosse, das Kurfürst Moritz 1542 begonnen hatte, durch den Meister des Zwingers, Daniel Pöppelmann, den Bau in der heutigen Gestalt mit seiner bezwingend selbstverständlichen Ausgeglichenheit der Maße und Massen errichten ließ. Die besten Meister standen ihm bei: Longuelune, der auch die vornehm verhaltene Pracht des Japanischen Palais in Dresden erschuf, Knöffel und Permoser als Plastiker, Louis Silvester als Maler. Ihrem Zusammenwirken danken wir all die beruhigten und beruhigenden Harmonien des Zusammenklangs und Ineinanderfließens ihrer Künste im Innern wie im Äußern und in der Umgebung dieses wahrhaft königlichen Waldschlosses. Nur die Türme des Baues gehen im wesentlichen noch bis auf das sechzehnte Jahrhundert zurück. Damals aber verband sie wie es noch jetzt im Hermsdorfer Schlosse des Fürsten Schönburg zu sehen ist, nur eine Mauer, innerhalb deren das weit kleinere alte Jagdschloß stand. Auch die Kapelle stammt aus älterer Zeit. 1661–1672 erbaute sie der jagdfrohe Johann Georg der Zweite, der sich 1638 mit der Tochter des Kurfürsten von Brandenburg in Moritzburg vermählt hatte. In jener hohen Zeit des Weidwerks und des Weines ließ der Fürst eine Tafel anbringen, darauf stand:
»Ich ergetze meinen Fürsten,
Den nach Jagtlust pflegt zu dürsten;
Kurtzweill ist hier gut zu treiben,