Abb. 8 Aus: Schillers Lied von der Glocke. 1857

Dieselbe Mappe enthält auch das Bild vom Dresdner Weihnachtsmarkt ([Abb. 6]) mit dem Schloßturm im Hintergrunde, wo das kümmerliche Dasein dieser kleinen Geschäftsleute mit ihren Pflaumenmännern durch goldenen Humor verklärt wird.

Uralte Volkssitte steigt vor uns auf in dem Bilde aus Richters Spätzeit, den heiligen drei Königen ([Abb. 7]), diesem alten Mummenschanz der Weihnachtszeit. Die volkstümliche Theatralik der drei Darsteller ist köstlich getroffen. Aber auch der ganze Friede der stillen heiligen Nacht umschwebt dieses Bild.

Ja, Friede! Das ist auch der Inhalt des letzten Bildes, das wir hier zeigen ([Abb. 8]), aus Schillers Glocke, obwohl es kein Weihnachtsbild ist. Friede auf Erden! Weihnachten bringt ihn uns, auch in einer friedlosen Zeit. Es ist die Aufgabe des deutschen Hauses, sich trotz allen Kämpfen draußen auch jetzt dem Geiste des Friedens von neuem zu öffnen, besonders in der Weihnachtszeit. Und Ludwig Richter ist der Mann, der mit seiner Weihnachtskunst auch uns den Weg zeigt, zur rechten Christfreude zu kommen und selber die rechte Weihnachtskunst zu lernen. Denn Weihnachten zu feiern ist auch eine Kunst, die gelernt und geübt sein will. Möchte darum gerade Ludwig Richter unser guter treuer Hausfreund bleiben und noch viel mehr werden, bei alt und jung, besonders in der Winters- und Weihnachtszeit[1].

Fußnoten:

[1] Anmerkung der Schriftleitung. Wir verweisen auf die köstliche Veröffentlichung des Verfassers »Ludwig Richter als Radierer«. Großquart, 80 Seiten mit 51 Bildern, hart gebunden. Preis M. 1200,–, zu beziehen beim Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24.

Edgar Hahnewald: Sächsische Landschaften

III. Band der Heimatbücherei des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Dresden 1922[2]

»Sehne dich und wandre«, unter dieses Leitwort sind die Schilderungen des neuen Bandes der Heimatbücherei gestellt. Ja, Sehnsucht lernt man und fühlt man, wenn man im Geiste mit ihm geht. Man spürt fühlbar einen Reiz und innerlichen Zwang, hinauszuwandern in die so mannigfaltigen sächsischen Landschaften, deren Fülle und Reichtum an Formen, Farben und Gestalten hier so stimmungsvoll an uns vorüberziehen.