Bereits im Jahre 1896 bei der Ausstellung des sächsischen Handwerkes und Kunstgewerbes in Dresden, der eine Alte Stadt, eine Dorfanlage sowie zwei Museen ländlicher Kunst angegliedert waren, bei der weiter das große Volkstrachtenfest veranstaltet ward, trat Karl Schmidt mit seinen Freunden tatkräftig für den neuen Gedanken ein.

Im Verfolg dieser Bestrebungen, die dem Volkstum und der Wiederbelebung der bodenständigen Bauweise gewidmet waren, wurde 1897 der Verein für Sächsische Volkskunde (und Volkskunst) gegründet, aus dem dann der Landesverein zur Pflege heimatlicher Natur, Kunst und Bauweise emporwuchs, der später den Namen Landesverein Sächsischer Heimatschutz annahm. Die Gründung des letzteren ist Schmidts eigenstes Werk.

Schmidt hat, um seine Gedanken in die weitesten Kreise zu tragen, eine große Anzahl wertvoller Veröffentlichungen geschaffen. Dadurch konnte er auch seine überraschenden Erfolge verzeichnen.

Im Anfang blieben ihm Anfechtungen nicht erspart. Der Vorwurf, der Heimatschutz gehe auf Nachahmung überlebter Formen im Bauwesen aus, die nicht mehr zeitgemäß seien, traf aber in keiner Weise den Kern des Heimatschutzgedankens. Nur der Geist, nur die Gesinnung der alten Bauweise sollten wieder aufleben, die harmonischen Bilder in der Stadt und auf dem Lande wollte Karl Schmidt gewahrt wissen, nichts Fremdartiges sollte in unsre Städte und Dörfer, in unsere Forsten hineingetragen werden. Den neuen Errungenschaften aber sollte Rechnung getragen werden. Durchschlagend und überzeugend war auch der vielfach von Schmidt geführte Nachweis, daß die Bauten in bodenständiger Bauweise wirtschaftlicher und sparsamer sind, als die bekämpften. Ausschlaggebend wirkten hier zumal die wiederholten Ausstellungen von Beispielen und Gegenbeispielen, in denen häßliche und mustergültige Industriebauten, harmonische Stadtbilder und Dorfansichten mit solchen, die durch gefühllose Neubauten gestört waren, gute Bauernhäuser mit städtisch empfundenen Neubauten zusammengestellt waren. Daß bei den empfohlenen Beispielen stets auch in erster Linie die wirtschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigt waren, hat nicht an letzter Stelle den neuen Gedanken, die Schmidt verfocht, zum Siege verholfen.

Kein geringes Verdienst Schmidts war es, daß er immer die richtigen Männer zur Ausführung seiner Pläne zu finden wußte, daß sich wieder Baukünstler fanden, die es nicht verschmähten, ihre Kräfte den einfachen Aufgaben zu widmen, die ihnen der Heimatschutz entgegenbrachte, die wieder schlichte Häuser und Wohnungen in künstlerischem Sinne durchzugestalten lernten, anstatt nur in hoher Architektur zu machen. Und seine Gründung, der Landesverein Sächsischer Heimatschutz, seine Mitarbeiter und gleichgesinnte Männer waren bei all seinen Bestrebungen getreue Helfer. Die Worte, die der zweite Vorsitzende unsres Vereins, der langjährige Freund des Entschlafenen, Hofrat Professor O. Seyffert, am Sarge des Verewigten sprach, seien hier angeführt:

Wer älter wird, muß oft, sehr oft von lieben Freunden Abschied nehmen, deren Leben und Schaffen ein Teil des eigenen Lebens und Schaffens war.

Heute stehen Alte und Junge, Männer und Frauen an der Bahre des Mannes, der ihr Freund, ihr Führer gewesen ist. Heute trauern Tausende des sächsischen Volkes um Einen, der unendlich viel gegeben hat und dessen reiches Geschenk in unserer harten, schweren Zeit immer bedeutsamer, immer kostbarer wird. Er hat der Heimat gedient in jenen Zeiten, wo wir Alten jung waren, er hat uns dereinst zur Mitarbeit aufgerufen, er hat uns unser Leben wünschenswert gemacht, da er mit uns uns und anderen die Heimat eroberte, nicht in Kampf und Streit, sondern in friedvoller Arbeit. Und Segen krönte sein Werk.

Wandern wir heute durch unser sächsisches Vaterland, so werden wir überall an unsern Karl Schmidt gemahnt, überall werden wir die Spuren seines Heimatschutzes antreffen. Da rauscht es aus den Bächen, da tönt es aus den Gipfeln alter Bäume, da jubelt es im Sange der Vögel, da klingt es aus den Volksliedern wanderfroher Gesellen, da leuchtet es von den schlichten Dorfkirchen, Friedhöfen und traulichen Forsthäusern und anderen Menschenwerken: Heimatschutz.

Wer seine Heimat liebt, liebt auch sein Volk.

Und wir wollen sagen: Wer seine Heimat liebt, den liebt auch das Volk.