träumet still die Au.

Von der letzten Rose

löset lebenssatt

sich das letzte lose

bleiche Blumenblatt.

Der Herbst ist wieder ins Land gekommen. Er ist die Zeit des Sterbens. Aber auch er hat seine Schönheit und seinen besonderen Segen. Denn er ist auch die Zeit der Ernte und der Frucht. Wenn aber ein geliebter Mensch uns durch den Tod entrissen wird, und das bittere Weh des Scheidens und Sterbens über uns kommt, dann soll es uns ein Trost sein, daß wir auch das menschliche Leben als eine Saat und Ernte anschauen dürfen. Ihr, liebe trauernde Freunde, steht jetzt noch ganz unter den dunklen Schatten des Todes. Die letzten Tage und Wochen, die vielen bangen, schweren Stunden bis zum letzten Atemzug Eures Heißgeliebten haben sich Euren Herzen aufs tiefste eingeprägt. Zum letzten Male habt Ihr in sein stilles bleiches Antlitz geschaut und seine erkalteten Hände gefaßt, die sonst so warm in den Euren lagen. Und doch geht es auch durch diese dunklen Tage wie ein stilles Leuchten. Denn welch’ ein reiches, gesegnetes Leben ist hier zum Ziele gekommen! Und wenn wir nun in dieser Stunde in Liebe und Verehrung und in großer Dankbarkeit dieses Mannes gedenken, der so vielen teuer war, so dürfen wir es tun mit dem Wort des Neuen Testaments:

Wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen.

Er war ein gesegneter Mann. Indem wir das aussprechen, geben wir Gott die Ehre und danken ihm für dieses nun vollendete Mannesleben. Gott hatte ihn gesegnet mit reichen Gaben, mit körperlicher Kraft und Rüstigkeit bis ins Alter, und mit den besonderen Geistesgaben, die ihn hinleiteten zu seinem Lebensberuf. Und er hat den Acker seines Lebens nicht brach liegen lassen. Im Segen hat er gesäet, hat sich in seinen Lehrjahren die gründliche Ausbildung und Durchbildung verschafft, die ihn dann befähigte, in seinen Meisterjahren so große Aufgaben zu erfüllen. Das Geheimnis seiner Erfolge beruht vor allem auch darin, daß er auch als Schaffender immer ein Lernender blieb, getreu dem Goethewort:

Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen,

ein Werdender wird immer dankbar sein.