In der Nordlausitz ist das Adventspiel mit dem Christgeburtspiele zu einer innigen Einheit verschmolzen. In der Südlausitz ist mir keine Überlieferung des Christgeburtspiels zu Gesicht oder zu Gehör gekommen, trotzdem Zittau wegen seiner ausgelassenen Christaufführungen berühmt und berüchtigt war. Bestand doch hier um 1700 unter der Handwerkerschaft sogar ein »Heiliger Christrat«, der die Spiele in Szene setzte. Das Adventspiel der Nordlausitz weist einige Besonderheiten auf. Spielankündiger ist das Schäfermädchen. Es tritt im Dirndlkleid auf, mit einem Hirtenstab, einem Schäfchen und einer Klingel in den Händen. Es rezitiert im Sprechgesang:
Guten Abend, guten Abend, ich komm herein geschritten
Und möchte Frau Wirtin bitten,
Ob sie uns wolle vergönn’n
Ein Liedelein zu sing’n.
Maria und Joseph kommt auch herein
Mit euerm kleinen Jesulein.
Diese eigenartige Spieleröffnerin hat das Nordlausitzer Adventspiel gemeinsam mit einem Spiele aus der Reichenberger Gegend. Während des Spiels bleibt das Schäfermädchen geradezu die Spielleiterin. Es ruft alle erforderlichen Personen mit Klingelzeichen herein. Das Schäfermädchen hat den Engel aus seiner Rolle verdrängt. Damit ist eine durchaus volkstümliche, tief im Heimatleben wurzelnde Gestalt in das Spiel eingedrungen, war doch die Schäferei an den Sudetenhängen und im Vorlande der Sudeten ein wichtiger Erwerbszweig der Bewohner. In diesem Zusammenhang ist auch der von Stöbe (a. a. O.) mitgeteilte Hirtenspruch zu erwähnen: