Wir komm’n zu euch ohn allen Spott.
Habt ihr auch kleine Kinderlein,
Die Vater und Mutter nicht gehorsam sein,
So woll’n wir rufen Knecht Ruprecht herein,
Der soll sie tragen zur Höllenpein.
In dieser letzten Drohung ist noch der düstre Teufelscharakter Ruprechts angedeutet. Noch in den gelehrten Weihnachtsspielen des siebzehnten Jahrhunderts erscheint Ruprecht als eine Art Teufel, der dem heiligen Christ die Seelen der Kinder abspenstig machen will. Nun wird vom Schäfermädchen das Christkind hereingerufen. Es trägt ein weißes Kleid mit Sternen übersät, Stern auf dem Kopfe, Flügel, geschmücktes Christbäumchen in der Hand. Mit dem Auftreten des großen Christkindes neben dem kleinen ist das Volk einer beliebten Darstellungseigentümlichkeit treu geblieben. Es liebt es, eine Person in einer großen und einer kleinen Ausgabe vor Augen zu stellen und findet darin nicht den geringsten Widerspruch. Dem Christkind folgt der Engel Gabriel, dessen Tätigkeit infolge seiner Verdrängung durch das Schäfermädchen nur darin besteht, zwei Strophen des »Vom Himmel hoch« zu singen. Eine scharf ausgeprägte Persönlichkeit ist Petrus. Er ist der heilige, leidenschaftliche Eiferer. Er trägt Vollbart, eine Krone auf dem Haupte, Zepter und Schlüssel in der Hand:
Petrus, Petrus bin ich genannt,
Das Zepter hab’ ich in meiner rechten Hand,
Die Schlüssel hab’ ich alle hier,