Leider aber sind uns weder über die Mengen der von den Fängern erbeuteten Biber – und noch weniger über die Orte der Erbeutung sichere Angaben überliefert, es müßte dann sein, daß die fünfhundertsiebenundneunzig Biber aus der Zeit Johann Georgs II. zum großen Teil den Fängern zum Opfer gefallen sind. Aus den Verordnungen an den Dittersbacher und den Hintergersdorfer Fänger aber wissen wir jedenfalls mit voller Sicherheit, daß auch im Gebiete des heutigen Sachsens Biber erbeutet worden sind, und wir werden dabei wohl kaum fehlgehen, wenn wir annehmen, daß sie ausschließlich im nordsächsischen Flachland teils an der Mulde, teils an der Elbe und wahrscheinlich auch in der Oberlausitzer Niederung, die wohl zum Bezirk des Liebenwerdaer Fängers gehört hat, gefangen worden sind.

Für die Oberlausitz erwähnt den Biber die Zittauer Forstordnung vom Jahre 1730. Jedoch ist nach Tobias hier der letzte bereits 1785 oder 1787 bei Leschwitz oder Deutsch-Ossig in der heutigen preußischen Oberlausitz gefangen worden, so daß die oben angeführte Angabe von Pölitz vom Vorkommen in der Neiße schon für ihre Zeit nicht mehr richtig gewesen ist. Immerhin wurden um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in Bautzen noch Biberhüte angefertigt und weithin verschickt. Wann der Nager an der Elbe sächsischen Anteiles ausgerottet worden ist, ist leider nicht mehr festzustellen; außer der Mitteilung Schumanns vom Jahre 1822 besitzen wir von hier keinerlei Nachrichten mehr über ihn. Wohl aber liegen über sein Vorkommen und sein Verschwinden an der Mulde bei Wurzen einige verläßlichere Unterlagen vor. Das fürstliche Museum zu Waldenburg besitzt einen 1846 bei Wurzen erlegten Biber und außerdem befinden sich noch, wie 1909 Dr. Hesse mitteilt, im Leipziger Zoologischen Museum zwei Stücke gleichfalls von der Mulde. Das eine, ein altes Tier, trägt als Datum den 30. Januar 1809, das andere aber ist leider ohne Datum und nur mit der Fundortsangabe »Nischwitz bei Wurzen« ausgezeichnet. Hesse vermutet auf Grund der Abfassung und der Schrift des Zettels, daß es etwa gleichzeitig mit dem Waldenburger Stück, vielleicht aber auch noch bedeutend früher als dieses erbeutet sein könnte. Ein 1869 zuerst in der Gartenlaube erschienener Aufsatz Guido Hammers, der dann auch in dessen 1891 herausgekommene »Wild-, Wald- und Weidmannsbilder« übergegangen ist, berichtet von einem wildernden Schäfer in einem Dorfe bei Wurzen, der einen Biber an der Mulde in einem Eisen fing, das Wildbret mit seinen Vertrauten verzehrte, Fell und Geil aber nach Leipzig schaffte, wo es Hehler heimlich verwerteten. Nach einer Auskunft Hammers an Fickel ist der Zeit dieses Vorganges aber nicht mehr sicher nachzukommen, doch dürfte der letzte Biber auf Püchauer Flur, nördlich von Wurzen erbeutet worden sein. In dem Waldenburger Biber besitzen wir demnach das nachweisbar späteste Belegstück für das Vorkommen des Bibers in Sachsen. – Für ein Vorkommen des Tieres weiter flußaufwärts an der Mulde wie auch an der Elbe besitzen wir mit Ausnahme jener schon erwähnten Angabe von Waldheim aus historischer Zeit keinerlei Anhalt – für die Elbe allerdings läßt der schon eingangs erwähnte Coschützer Fund auf ein Vorkommen stromaufwärts bis in die Dresdener Gegend wenigstens in vorgeschichtlicher Zeit schließen – und auch des Tieres Wesen und Lebensweise sprechen, wie eingangs ebenfalls bereits angedeutet, gegen eine größere Verbreitung landeinwärts. Aus dem Gebiete der Vereinigten Mulde dürfte unser Tier in das der Zwickauer Mulde kaum weiter als über die Strecke Colditz–Rochlitz–Wechselburg vorgedrungen sein – ein von Pfau als Stütze für ein häufigeres Vorkommen bei Rochlitz angeführter Flurnamen bezieht sich auf eine Stelle, deren ganzer Charakter gegen ein dauerndes Vorkommen des Nagers spricht – und für das Gebiet der Freiberger Mulde, deren Unterlauf für ein Vorkommen des Tieres viel geeigneter erscheint, als der der Zwickauer Mulde, wird sein Vorkommen aus dem Charakter des Tales bis über die Gegend Roßwein–Nossen hinaus wahrscheinlich. Einzeln mag er dann, wie der schon erwähnte Fund in der Zschopau bei Waldheim beweist, in den Unterlauf der Nebenflüsse aufgestiegen sein. Ein 1636 beim Fischen in der Mulde in Zwickau gefangener Biber, und ein anderer, 1748 auf einem Elbheger bei Niedermuschitz bei Meißen erbeuteter, dürften lediglich einzelne versprengte Tiere gewesen sein. Darauf deutet ja auch schon der Umstand hin, daß die zeitgenössischen Chronisten sie besonders erwähnen, demnach ihre Erbeutung als ein ungewöhnliches Ereignis aufgefaßt haben. – Aus der Einrichtung der Biber- und Otterfänger auf ein häufigeres Vorkommen und eine weitere Verbreitung zu schließen, ist meines Erachtens falsch; die Fänger waren zur Vertilgung von Raubzeug überhaupt angestellt und hatten dabei eben auch, soweit er in ihren Bezirken überhaupt vorkam, dem als Fischräuber angesprochenen Biber mit nachzustellen, und daß sie diesen dabei nie in großen Mengen fingen, geht deutlich auch aus der oben wiedergegebenen Vermahnung des Dittersbacher Fängers hervor, in der es heißt: »da es dann hergegen daran mangelt«, was aber bei einem häufigeren Vorkommen des Tieres nicht der Fall hätte sein können. Wenn daher Berge annimmt, daß man den Biber schon damals bei uns nicht mehr in größeren Kolonien, sondern immer nur einzeln oder familienweise antraf, so wird man ihm darin nur beistimmen können.

Ob schließlich das durch den Zauschwitzer Fund wenigstens für die vorgeschichtliche Zeit gesicherte Vorkommen des Nagers auch in der Weißen Elster noch in die geschichtliche Zeit hinein angedauert hat, läßt sich heute kaum entscheiden, doch spricht meines Erachtens nichts gegen die Annahme, daß der Biber dort wenigstens noch bis ins frühe Mittelalter hinein vorkam, und dort erst später seinem Schicksal erlegen ist.

Anmerkung: Eine Zusammenstellung des Schrifttums und der Quellen zu vorliegender Arbeit findet sich am Schlusse meiner Untersuchung »Zur Geschichte des Bibers im Gebiete des ehemaligen Königreichs Sachsen« im »Naturwissenschaftlichen Beobachter« 62, Frankfurt a. M. 1921, S. 97 bis 104.

Vom romantischen zum denkenden Wanderer

Von Dr. Kurt Schumann

Es dürfte eine reizvolle Aufgabe sein, einmal eine Geschichte des Wanderns und des Wanderers zu schreiben, von den Tagen an, da Abraham auf Geheiß des in jenen Zeiten noch sehr menschlich mit seinen Geschöpfen verkehrenden lieben Gottes fortzog »aus seinem Vaterlande, aus seiner Freundschaft und aus seines Vaters Hause« ins Gelobte Land Kanaan bis ins Zeitalter des Wandervogels, der Feriensonderzüge und der Mount-Everest-Besteigung. Was würde da nicht alles an unseren Augen vorüberziehen, selbst wenn man von den großen Massenwanderungen in den Zeiten des Krieges, der religiösen Begeisterung oder des Hungers absähe: der wandernde Prophet, der Minnesänger, der fahrende Schüler und der Handwerksbursche, der Bettelmönch und der Pilger, Goethe und Rousseau, Seume und Scheffel. Jede Zeit hat ihre Wanderer gehabt, Wanderer, die den Weg ebenso schätzten wie das Ziel, die um des Wanderns willen die warme Ofenecke mit der Landstraße vertauschten. Trotzdem kann man wohl behaupten, daß erst das vergangene Jahrhundert den Wanderer als Allgemeinerscheinung hervorgebracht hat. Mit Rousseau, dem ersten Wandervogel, fing es an, dann kamen die Romantiker, die uns die großen Volksliedersammlungen erwanderten, dann der »Spaziergänger nach Syrakus«, dann Eichendorff, dessen Wanderlieder heute noch in jedem Wald erklingen, Wilhelm Müller, der Sänger der durch Schuberts Vertonung überall bekannt gewordenen »Müllerlieder«, und Heinrich Heine, dessen Lieder aus der Harzreise die herrlichen Verse einleiten:

»Auf die Berge will ich steigen,

Wo die frommen Hütten stehen,

Wo die Brust sich frei erschließet,