Auch Kriegsstürme sind oft darüber hinweggebraust, merkwürdigerweise ohne besondere Spuren hinterlassen zu haben. Truppen Friedrichs des Großen lagen hier während des Angriffs und der Beschießung auf Dresden und besonders heftig tobten im August 1813 um Antons, das benachbarte »Stückgießers« und das »Lämmchen« die Kämpfe zwischen Napoleons Garden und den angreifenden Russen, wie das der Freund Dresdner Geschichte in A. Brabants Buch »In und um Dresden 1813« nachlesen mag.
Abb. 3 »Antons«. Blick auf die Gartenrückseite des Hauptgebäudes mit dem Rondell
Antons hat verschiedentlich den Besitzer gewechselt. Nach dem Erbauer war lange Jahre das Anwesen Eigentum des Geh. Kriegsrates von Broizem, der eine Baumallee von dem Fürstenwege (heute Blumenstraße) bis zum rückwärtigen Eingang anlegte, die aber vermutlich schon 1813 fortifikatorischen Maßnahmen zum Opfer fiel. Bis 1832 gehörte dann Antons einem Herrn von Limburger, der es an die bekannte alte Dresdner Bankiersfamilie von Kaskel verkaufte, in deren Händen es bis zur Übernahme durch die Stadt, 1921, verblieb.
Abb. 4 »Antons«. Die Kegelbahn mit dem Hauptgebäude im Hintergrund
Wie die Zeichnung ([Abb. 2]) erkennen läßt, ist das Schlößchen selbst ein durchaus anspruchsloser, aber feingegliederter Bau, typisch für den Landhausstil seiner Entstehungszeit (1754). Was dem Ganzen aber die charakteristische Note gibt, ist die gutempfundene Eingliederung ins Landschaftsbild, geschaffen aus jenem untrüglich sicheren Geschmacks- und Stilempfinden heraus, das die Bauherren und Baumeister jener Tage auszeichnete und das wiederzugewinnen ja das Bemühen und die Sehnsucht unserer Tage ist.
Abb. 5 »Antons«. Die Aussichtsterrasse im Gartenwinkel
Im staatlichen Inventarisationswerk (Bd. Dresden 3, Seite 738) gibt Cornelius Gurlitt uns eine kurze Baubeschreibung, desgleichen Mackowsky in »Erhaltenswerte bürgerliche Baudenkmäler in Dresden«. Die in den Abmessungen durchweg bescheidenen Räume gliedern sich zu seiten einer Mitteltreppe. Im Erdgeschoß ist unter anderem ein Salon untergebracht, der sich mit einer breiten gedeckten Holzveranda nach dem Garteninnern öffnet, gleichzeitig aber auch durch das hier in der Gartenmauer angebrachte Lattengitter den Blick auf die Elbe gestattet. Im Obergeschoß ist nach der Loschwitzer Seite ein zweiter Salon gelegen, mit zierlicher Blumentapete und Rokokostuckdecke in einfachen Mustern. Auch die fein profilierten Türen tragen bescheidenes Rokokoschnitzdekor. Freilich die schönen Stilmöbel und die Kristallüster sind mit dem Auszuge der letzten Bewohnerin verschwunden und das ehemals so feinsinnig zusammengestimmte Milieu von Antons ist damit leider für immer dahin. Das Aussichtstürmchen mit der Uhr, das »Belvedere«, und der von einfach profilierten Pfeilern getragene Balkonvorbau über dem Haupteingang an der Elbseite sind, wie schon erwähnt, spätere Zutat des neunzehnten Jahrhunderts, gliedern sich aber dem Gesamtbild in trefflicher Weise ein, wie ein Vergleich der Abbildungen [1] und [2] eindrucksvoll lehrt.