Abb. 6 »Antons«. Durchblick im Park mit der alten Platane.
Antons schönster Schmuck jedoch ist der dicht an das Haus anschließende Garten, den man trotz seiner verhältnismäßig kleinen Abmessungen von etwa 150 zu 100 Meter Länge und Tiefe gern als Park bezeichnen möchte.
Riesige Kastanien und Linden umrahmen ein dicht am Hauptgebäude gelegenes Rasenrondell (siehe [Abb. 3]) und verdecken es nach dieser Seite fast gänzlich. Flußabwärts birgt sich die malerische alte Kegelbahn, von Efeu umsponnen, dicht unter alten Baumriesen, kaum daß die Sommersonne Platz hat, ein paar goldene Lichter auf Holzwerk und Weg zu legen ([Abb. 4]). Verschlungene Wege, nach englischem Geschmack angelegt und von Efeuhecken umrahmt, führen zu immer neuen, malerisch schönen Durchblicken. In der südlichen Gartenecke, im Mauerwinkel liegend, wird ein niedriger Aussichtsaltan sichtbar (siehe [Abb. 5]), von herrlichen Kastanien und Linden beschattet, und unweit davon strebt aus dunklen Efeubeeten eine mächtige Platane hell heraus (siehe [Abb. 6]). So klein die Anlage ist, so wirkungsvoll erscheint sie hier durch gärtnerische Kunst gestaltet.
Lange hat so Antons mit einer Parkanlage im tiefen Frieden geruht, ein Denkmal feinsinniger Kultur aus vergangenen Tagen. Heute nun herrscht lebhaftes Bade- und Sportsleben in und um das alte Landhaus herum und der stimmungsvolle Reiz des Ganzen ist damit wohl für immer dahin. Der Freund der Heimat und sächsischer Kultur muß sich aber fragen, ob zu dieser gewaltsamen Änderung wirklich ein zwingendes Bedürfnis vorlag, ob es wirklich nötig war, ein Stück bester Dresdner Tradition zu zerstören, um ein Luftbad mehr entstehen zu lassen in einer Zeit, in der die den Elbufern benachbarte Bevölkerung sich mehr und mehr gewöhnt, in der freien Elbe und an ihren Ufern ein möglichst uneingeschränktes Freibadeleben zu genießen. Uns will es scheinen, als hätten die für die »Modernisierung« von Antons von der Stadt ausgegebenen Millionen an anderem Platze besser und zweckdienlicher Verwendung finden können, denn auch die Erhaltung der Denkmäler alter Kultur ist eine Ehrenpflicht des freien Volkes, und der Ertüchtigung unserer Jugend dient in erster Linie auch der, der es unternimmt, sie vom Werte der Tradition und von den Grundlagen unserer heutigen Kultur zu überzeugen.
Die Pflege der Schönheit und Eigenart der Heimat als soziale Aufgabe gerade für unsre arme Zeit
Von Fritz Koch, Weimar
Wenn man für eine Notwendigkeit eintritt, die Schönheit und Eigenart unsrer Heimat zu pflegen, so hört man nicht selten die Meinung, unsre Zeit sei zu hart und zu arm, als daß sie sich mit solchen idealen Dingen beschäftigen dürfte. Und doch hat unsre arme Zeit dazu erst recht die Verpflichtung.
Wer sich darüber klar werden will, muß freilich etwas weiter ausholen. Denn mit einer nur äußerlichen Betrachtung kann man den Zielen und den Notwendigkeiten des Heimatschutzes nicht beikommen. (Mit diesem Wort, das auch den Schutz der Bau- und Naturdenkmäler einschließen will, faßt man bekanntlich die Bestrebungen zur Pflege unsrer schönen Heimat zusammen.) Es handelt sich beileibe nicht um eine Liebhaberei. Der Heimatschutz ist vielmehr ein Teil einer großen Kulturbewegung. Der materiell so günstige Aufschwung unsres Vaterlandes seit dem Kriege von 1870 war unstreitig in mancher Beziehung nicht gleichbedeutend mit Kultur. Man vergaß vielfach, daß materielles Wohlergehen nicht Selbstzweck sein kann, sondern nur ein Mittel zu einer höheren Entwicklung, die möglichst weiten Volksschichten Vervollkommnung und Glück ermöglicht. Diese Überschätzung des Materialismus und Kapitalismus ließ unter anderm auch die Rücksichten außer acht, die man auf die Erhaltung der Schönheit und Eigenart des Bildes der Heimat nehmen muß; denn die Heimat mit allen ihren Schönheiten ist schließlich doch Gemeingut aller, ist etwas mehr als nur ein Objekt der Ausbeutung, als eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Die ärgsten Verunstaltungen unsrer früher überall so schönen Orts- und Landschaftsbilder waren die Folge. Andre wurden obendrein angerichtet bloß durch den Mangel an Verständnis und an Fähigkeit, ein Haus, eine Wegeanlage usw. vernünftig zu gestalten. Soweit man z. B. etwas Besonderes »für die Kunst« tun zu müssen glaubte, wie beim Hausbau oder bei der Errichtung von Denkmälern, machte sich ein übler Parvenügeschmack, ein hohles Protzentum breit.
Gegen diese Schädigungen der Heimat wandte sich die Heimatschutzbewegung, als ein Teil jener Gegenströmung gegen den Materialismus, die etwa seit der Wende des Jahrhunderts eine Erneuerung unsrer gesamten Kultur erstrebt. Der Heimatschutz begann den Kampf zum Schutze von idealen Gütern, die seines Erachtens das Leben in der Heimat erst lebenswert machen. Von Anfang an hat er jedoch dabei betont, daß er durchaus nicht überspannt und weltfremd vorgehen wolle, und hat darauf hingewiesen, daß, von einer höheren Warte aus betrachtet, seine Forderungen, die auf allgemeine kulturelle und speziell vielfach auf schönheitliche Gründe gestützt werden, schließlich doch auch das für die volkswirtschaftliche Entwicklung auf die Dauer allein Segensreiche und Notwendige sind. »Es ist das, was wir anstreben, keineswegs rückschrittlich, reaktionär oder romantisch, wie man es vielleicht schelten wird; wir denken nicht daran, dem Rade der Entwicklung, auch der wirtschaftlichen, in die Speichen zu fallen, um es aufzuhalten oder gar zurückzudrehen, was wir doch nicht vermöchten, – aber wir können und wollen es lenken, daß es nicht unnötig die Schönheiten unsrer Heimat zermalmt und uns nicht hinabführt in den Abgrund, sondern hinauf auf die Höhen wahrer Kultur. Daß diese Höhen, die früher nur von einer privilegierten Minderheit beschritten werden konnten, jetzt allen zugänglich gemacht werden, – das ist der einzige wahre Sinn des modernen technischen Fortschritts!« (Fuchs, Professor der Nationalökonomie an der Universität Tübingen, in »Heimatschutz und Volkswirtschaft«, 1905.) Der Heimatschutz will, indem er für den Schutz der Heimat wirkt, weitesten Kreisen den Blick öffnen für die Schönheit und Eigenart unsrer Heimat. Er will mit seiner Arbeit allen Menschen Möglichkeiten des Glücks und von Freuden erhalten, die doch gewiß zu den besten gehören.